Flüchtlinge mit prima Leistungen

von Redaktion

Zwei Afghanen bei Netzsch Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik

Waldkraiburg – Die Firma Netzsch Pumpen & Systeme ist stolz auf die herausragenden Leistungen seiner beiden jungen Mitarbeiter aus Afghanistan, Shahab Nouri und Mostafa Hayati. In der Zwischenprüfung zur Fachkraft für Metalltechnik erzielte der Asylbewerber Nouri im praktischen Teil einen Schnitt von 92 Punkten, im theoretischen Teil 74 Punkte. Hayati erreichte im praktischen Teil einen Schnitt von 99, im theoretischen Teil 83 Punkte. Der IHK-Durchschnitt lag im Vergleich im praktischen bei 64 und im theoretischen Teil nur bei 62 Punkten, wie die Unternehmenssprecherin Martina Fuhrmann erklärt.

Die Jungs hatten nur drei Jahre Schulbildung

„Die Leistungen der beiden Auszubildenden beeindrucken vor dem Hintergrund noch mehr, dass beide aus ihrem Heimatland Afghanistan lediglich eine Schulbildung von drei Jahren vorzuweisen hatten.

Innerhalb von zwei Jahren eigneten sie sich die Kenntnisse an, mit denen sie sich nun mit Auszubildenden messen lassen, die mindestens neun Jahre Schule hinter sich haben und Deutsch als Muttersprache sprechen“, so Martina Fuhrmann weiter.

Beide entschieden sich nach einem Praktikum für die Firma Netzsch. Sie verstanden sich mit den Mitarbeitern gut und fühlten sich im Betrieb auf Anhieb wohl. Das Unternehmen bot ihnen im September 2016 ein Einstiegsqualifizierungsjahr an. In dieser Zeit überzeugten sie persönlich und fachlich, sodass sie danach zu einer zweijährigen Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik übernommen wurden.

Um die Unterschiede in der Vorbildung aufzufangen, wurden sie von den verantwortlichen Ausbildern Sebastian Mair und Maximilian Huber von Beginn an fachlich gefordert und gefördert. Ein Projekt war ein von den beiden Azubis selbst gestaltetes Bilderwörterbuch, in dem alle Fachbegriffe von Werkzeugen und Gegenständen der Firma in der deutschen Sprache beschrieben wurden. Ihre Deutschkenntnisse verbesserten sie durch zusätzlichen Unterricht bei der Assistentin für Produkt-Management, Rosemarie Steinberger, die sie auch bereitwillig im Umgang mit Ämtern und in privaten Angelegenheiten begleitete.re/kla

20 Wörter am Tag zu lernen war ein Ziel

Während des ersten Jahres in Deutschland waren Shahab und Mostafa (beide 20) bei den Salesianern in Aschau, Waldkwinkel, zusammen mit anderen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen untergebracht. Dort haben sich die beiden Jungs angefreundet. „In den ersten Monaten war es mein Ziel, jeden Tag 20 Wörter auf Deutsch zu lernen. Nach vier Monaten hab ich angefangen, auf Deutsch zu sprechen“, berichtet Shahab. Etwas holprig, doch Shahab war stolz auf sich. Beide haben mehrere Praktika gemacht, bevor sie sich für Netzsch entschieden haben. Shahab hat sich als Kfz-Mechaniker, Schreiner und als Hotelfachmann probiert. Sozialkunde ist sein Lieblingsfach an der Schule, wie er berichtet, dort lernt er auch viel über Deutschland, die politische Organisation und soziale Zusammenschlüsse. „Am liebsten würden wir beide auch nach der Ausbildung bei Netzsch bleiben“, so der junge Mann. Sie wohnen in einer WG zusammen. Um sich die Miete leisten zu können, jobben beide noch am Wochenende in einer Pizzeria. Bei der Wohnungssuche war ihnen Rosmarie Steinberger aus der Netzsch-Belegschaft behilflich.

Ein Arbeitskollege beschreibt, wie pflichtbewusst, fast schon penibel die beiden Azubis aus Afghanistan sind. So sei es Shahab sehr wichtig, immer die Bohrmaschinen zu reinigen, wenn er geht, selbst wenn er dann zu einem privaten Termin zu spät kommt. Das hat ihm Anerkennung bei den Ausbildern Sebastian Mair und Maximilian Huber eingebracht. Mair und Huber machen keinen Hehl daraus, dass sie schon mehr Zeit in die zwei Schützlinge investiert haben, als sonst üblich. Aber, es mache viel Freude mit ihnen zu arbeiten, „weil sie so fleißig und tüchtig sind und weil man merkt, dass sie diese Ausbildung unbedingt wollen“, sagen die Chefs.

Als sie bei Netzsch angefangen haben, konnten sie lediglich Plus und Minus rechnen und jetzt beherrschen sie alle Rechenarten, die für einen Metallberuf notwendig sind.

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