„Bist Du mit der Kirche verheiratet?“

von Redaktion

„Bist Du mit der Kirche verheiratet?“ Auch das wurde Walter Weiß im Scherz schon gefragt. So weit geht die Liebe zwar noch nicht. Doch vermutlich verbringen nicht alle Ehemänner so viel Zeit mit ihren Frauen wie der 79-Jährige als ehrenamtliches Mitglied der Kirchenverwaltung aufwendet.

Waldkraiburg – Am 18. November wählen die katholischen Christen auch in Waldkraiburg die Kirchenverwaltungen (wir berichteten), deren Aufgabe es ist, Pfarrverbandsleiter Pater Bernhard Stiegler, die hauptamtliche Verwaltungsleiterin Sabine Sedlmaier und Fritz Köhler, den Verwaltungsleiter des Kita-Verbundes mit Aschau und Kraiburg, ehrenamtlich zu unterstützen. Dabei geht es nicht um Pastoral und Liturgie.

Die Mitglieder der Kirchenverwaltungen bringen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten ein, wenn es um die Bereiche Verwaltung und Finanzen geht, um Personal, um Renovierungen und Anschaffungen, um Sicherheit, Brandschutz oder technische Wartung von Kirchen und Pfarreigebäuden. In den fünf Kirchenverwaltungsgremien im Pfarrverband Waldkraiburg engagieren sich 22 Christen. Einer von ihnen ist Walter Weiß, der nach 40 Jahren ehrenamtlicher Arbeit in der Kirche diesmal nicht mehr kandidiert.

„Im Februar werde ich 80. Da ist es an der Zeit, mich aus den Gremien zurückzuziehen“, sagt Weiß, der sich zunächst im Pfarrgemeinderat Christkönig engagierte, dessen Vorsitzender er zwei Wahlperioden war. Seit 18 Jahren ist er als stimmberechtigtes Mitglied der Kirchenverwaltung für einen besonders zeitaufwendigen Bereich zuständig.

Er ist Baubeauftragter für die Pfarrei Christkönig und betreut seit 15 Jahren außerdem die vier katholischen Kindertagesstätten in der Stadt.

Unter anderem hat er den Neubau von drei Krippen für die Kirchengemeinde begleitet und viele größere und kleinere Sanierungsmaßnahmen in den Kitas. Viel Zeit und Herzblut hat er auch in die Renovierung des Bischof-Neumann-Hauses und die Neugestaltung der Unterkirche gesteckt, sowie besonders in die Renovierung der Pfarrkirche, die weit über eine Million Euro gekostet und ein ganzes Jahr gedauert hat.

Weiß macht kein Hehl daraus, dass es da in den Gremien zur rechten Zeit hitzige Debatten gab, um gemeinsam das Beste zu erreichen. Vor allem, als es um die Umgestaltung der Kirche ging, erinnert er sich an kontroverse Diskussionen mit dem Architekten und dem damaligen Pfarrer Martin Garmaier. Besonders strittig war etwa die Frage nach einem neuen Standort für die Mutter-Gottes-Statue. Einerseits sollte der liturgische Raum im Einklang mit den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils stehen, andererseits sollte sich auch die Pfarrgemeinde mit ihren Wünschen in der Neugestaltung des Altarraums wiederfinden. Manche befürchteten, die Statue würde ganz aus dem Kirchenraum verschwinden. Am Ende stand auch dank des Einsatzes der Kirchenverwaltung ein Kompromiss: Die Mutter Gottes hat die Seiten gewechselt, steht aber bis heute in der Nähe des Altarraums.

Das Ergebnis der Renovierung könne sich sehen lassen, so Weiß, der mit einem guten Gefühl auf diese Prozesse zurückschaut. Die Zusammenarbeit mit den Pfarrern, von Rudolf Haderstorfer über Josef Dengl und Martin Garmaier bis zu Pater Stiegler, hat er als offen und konstruktiv erlebt. Nicht anders bewertet er das Miteinander mit den Hauptamtlichen in der Verwaltung, Köhler und Sedl-maier, und allen Ehrenamtlichen in der Kirchenverwaltung um Kirchenpfleger Klaus Loschek. Als besonders wichtig schätzt der 79-Jährige die Tatsache ein, dass die gemeinsame Arbeit auch von der Gemeinde getragen und unterstützt wurde.

Klar, ab und zu waren auch Misserfolge und Enttäuschungen wegzustecken. Dazu zählt Weiß etwa das gescheiterte Krippenprojekt auf dem Kirchengrundstück an der Kopernikusstraße. Obwohl die Kirchenstiftung wie das Ordinariat „alle Voraussetzungen dafür geschaffen“ habe, entschied sich die Stadt für eine Kita unter eigener Trägerschaft. „Bedauerlich ist, dass wir das aus der Zeitung erfahren haben.“

Dass der Industriekaufmann, der lange bei Siemens im Personalwesen arbeitete, so viele Jahre so viele ehrenamtliche Stunden einbrachte, hat sich so ergeben. Mehrere Privathäuser hat er mit seinen Eltern und Geschwistern gebaut. „Wie halt alle Flüchtlinge damals“, lacht er. Auf die dabei erworbene Kompetenz und Erfahrung im Bauwesen und die guten Kontakte zum örtlichen Handwerk bauten Pfarrei und Pfarrverband gerne. Vor allem seit Weiß mit 63 Jahren in Ruhestand ging. „Nebenher zu einem Vollzeitjob wäre das Engagement in dieser Form nicht möglich gewesen“, sagt er.

Bereut hat der Waldkraiburger, der lange Jahre auch dem Vorstand der Kolpingsfamilie angehörte und seit fast 30 Jahren Vorsitzender des Böhmerwaldbundes ist, dieses Engagement nicht. Spätestens nach einem Besuch in einem der Kindergärten weiß er, warum.

Da geht dem 79-jährigen Opa das Herz auf. Und wenn er von den Kindern nur gefragt wird: „Herr Weiß, wann kriegen wir die große Rutsche wieder?“ Das Spielgerät im Kindergarten Christkönig, das von einem Sturm zerschlagen wurde.

Auch wenn er sich aus den Gremien zurückzieht, ganz aufhören wird Walter Weiß dann doch noch nicht. Ein paar Projekte werde er in den Kindergärten noch zu Ende bringen. Das hat er schon zugesagt. (Siehe Infos zu den Kirchenverwaltungswahlen im Pfarrverband auf der nächsten Seite.)

„Die Kirche ist nicht die Priesterschaft, die Kirche ist das Volk“

Der katholischen Kirche geht der Ruf voraus, am Ende entscheide eh alles der Pfarrer. Warum ist ein ehrenamtliches Gremium wie die Kirchenverwaltung wichtig?

In pastoralen Fragen hat der Priester immer das letzte Wort. Aber bei finanziellen Angelegenheiten stimmt es einfach nicht, dass der Priester alleine das Sagen hätte. Er braucht immer die Zustimmung der Kirchenverwaltung. Das ist deren Aufgabe. Ich habe deshalb nie verstanden, wie es zu dem Skandal um den Bischofssitz in Limburg kommen konnte. Meiner Meinung nach haben da die Gremien versagt.

In den Pfarrverbänden gibt es in der Erzdiözese mit den neuen Verwaltungsleitern eine einschneidende Veränderung in der Struktur. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Ich sehe diese Veränderung positiv. Sie hat den Zweck, die Priester vor Ort von Verwaltungsarbeiten zu entlasten, damit sie sich wieder ihrer Hauptaufgabe in der Seelsorge widmen können. Ich glaube nicht, dass durch die neuen Verwaltungsleiter die Position der Priester in den Gemeinden geschwächt wird. Im Gegenteil. Er muss sich nicht mehr um die Einzelheiten kümmern, die Steuerung und Vorbereitung der Sitzungen ist Sache der Verwaltung. Aber der Pfarrer bleibt ja eingebunden, wird über alles informiert und ist bei einigen Sitzungen ja anwesend. Er verliert nicht den Kontakt zu den Gremien. Das ist für die Ehrenamtlichen als Rückhalt auch wichtig.

Die Institution Kirche ist in einer Glaubwürdigkeitskrise. Der protzige Bischofssitz in Limburg war ein Thema, das für viel Kritik gesorgt hat. Ein anderes sind die Missbrauchsfälle. Ist Ihnen in den vergangenen Jahren manchmal die Lust am ehrenamtlichen Engagement in und für die Kirche vergangen?

Ja, grade beim Thema Missbrauch macht man sich wirklich solche Gedanken und fragt sich: Lohnt sich dieser Einsatz? Da steht die Kirche mit Recht in der Kritik. Viele wenden sich ab. Auch ich bin enttäuscht von der obersten Kirchenleitung, wie sie mit dem Problem umgegangen ist, dass so vieles so lange verschwiegen wurde. Aber die Kirche ist nicht die Priesterschaft, die Kirche ist das Volk. Wenn sich alle zurückziehen würden, abertausende Ehrenamtliche, das wäre für die Kirche sicher schlecht.

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