Waldkraiburg und die Welt – Fünf Jahrzehnte nach dem Bau der Waldkraiburger Fußgängerzone hat sich Ernüchterung breit gemacht, weil der Sartrouville-Platz trotz einiger gestalterischer Korrekturen ziemlich vor sich hin dümpelt. Als der Stadtrat vor 50 Jahren den Bebauungsplan für das Waldkraiburger Stadtzentrum beschloss, waren die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Entwicklung der Stadtmitte sehr optimistisch, fast euphorisch, wie aus den Berichten der Zeitung in der Woche vor 50 Jahre hervorgeht.
Es sollte der große Wurf werden
Bis zuletzt gibt es Einwände von Kritikern, die sich einen geräumigeren Marktplatz gewünscht hätten. Doch die Planer, die sich im Ideenwettbewerb durchgesetzt hatten, favorisieren eine dichte Bebauung, ein Geschäftszentrum, in dem Tag und Nacht das Leben pulsiert, wie Bürgermeister Kriegisch die Architekten zitiert. Die City müsse die beherrschende Dominante bilden. „Sonst setzen sich die Super-Läden am Stadtrand fest und das pulsierende leben wird aus dem Stadtkern hinausgeboxt.“
Es soll also der große Wurf werden, der neben dem Rathaus 6000 Quadratmeter Erdgeschossflächen für Läden vorsieht, 12000 für Wohnungen in den Obergeschossen, 2000 Quadratmeter für ein Café. Dazu 600 Stellplätze, 80 Prozent davon in Tiefgaragen. Das Fazit der Zeitung: Wenn sich das innerstädtische Leben in der City so entwickelt, wie die Planer hoffen, „dann kommt auf das Waldkraiburger Zentrum verkehrsmäßig in fernerer Zukunft allerhand zu“.
Pünktlich zum Beginn des Schuljahres 1969/70 soll die neue Realschule in Waldkraiburg-Süd fertig sein. Dieses Versprechen nimmt Landrat Weggartner dem Architekten bei der Hebfeier ab. 16 Klassen- und acht Fachräume sowie drei Gruppen- und zahlreiche Nebenräume gehören zu dem Komplex.
Die beiden Waldkraiburger Versehrtensportler Ludwig Bornschlegel und Karl Heinz Müller vom BFZ Peters kommen von der „Olympiade der Querschnittsgelähmten“ (heute: Paralympics) aus Tel Aviv zurück. Zu einer Medaille hat es für die Rollstuhl-Basketballer zwar nicht gereicht, doch sie sind begeistert von den Erlebnissen bei diesem Welt-Sportfest. Der ehemalige Waldkraiburger Manfred Emmel holt drei Gold- und zwei Silbermedaillen im Tischtennis und im Schwimmen.
Experten von IBM in München informieren die Mitglieder der Industriegemeinschaft und weitere Unternehmer in der Stadt über die Möglichkeiten, ein Rechenzentrum in Waldkraiburg aufzubauen.
Bürger wünschen sich mehr Licht
Mehr Licht! Das wünschen sich Bürger der Stadt Waldkraiburg, deren Straßen selbst im Zentrum nur spärlich beleuchtet sind. Nur zwei Leuchten stehen in der Egerländer Straße bemängelt die Zeitung und setzt hinzu: „Wenn auf dem Stadtplatz nicht mehrere Geschäfte einigermaßen Licht ausstrahlen würden, wäre es selbst im Zentrum mit der Orientierung schlecht bestellt.“
Die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Wasserburg wird Bauherr in Waldkraiburg. Die Genossenschaft, deren Vorstandsvorsitzender der Waldkraiburger Bürgermeister Josef Kriegisch ist, errichtet die ersten zehn von 30 geplanten Reihenhäusern.
50 Mark Weihnachtsbeihilfe zahlt die Stadt allen bedürftigen Personen, Alleinstehenden und Haushaltsvorständen. Alle weiteren Familienmitglieder bekommen 25 Mark.
600 Flughafengegner versammeln sich in Neufahrn zum Protest gegen den geplanten Großflughafen im Erdinger Moos.
Keine einzige
Botschafterin
50 Jahre nach der Einführung des passiven und aktiven Wahlrechts für Frauen schaut es im Hinblick auf die Gleichberechtigung der Frauen in Politik, Parteien und Staatsverwaltung zappenduster aus. Das geht aus einem Bericht der Zeitung zur Aufstellung der Direktkandidaten für den Bundestag hervor.
Die Zahlen sind ernüchternd: Nur 6,9 Prozent der Abgeordneten im Bundestag sind Frauen. In keinem Land der Welt wird die Bundesrepublik durch eine Botschafterin vertreten. Von fast 4900 Spitzenbeamten und gleich dotierten Angestellten im Bundesdienst sind keine 280 Frauen. Nur fünf Prozent der CSU-Mitglieder sind Frauen, bei der CDU immerhin 13,2 Prozent, bei der SPD 17,4.
Der bekannte britische Schriftsteller Gordon Langley Hall, Adoptivsohn der Schauspielerin Margaret Rutherford („Miss Marple“), entschließt sich zu einer Geschlechtsumwandlung. Für nicht weniger Aufsehen sorgt wenig später die Hochzeit mit John Paul Simmons. Es ist die erste legale Ehe, die im US-Staat South Carolina zwischen einem Farbigen und einer Weißen geschlossen wird.hg