Gars – „Afghanistan ist für mich mehr als ein Lebensgefühl“ hatte der Referent Jamal Farani den Informationsabend überschrieben, der mit schönen, exotischen, aber auch berührenden Bildern über siebzig Besuchern, Einheimischen und Geflüchteten, im „Café Miteinand“ sein Heimatland näherbrachte.
Aber nicht nur die Bildung, auch der Gaumen kam nicht zu kurz an diesem dritten Abend der Veranstaltungsreihe „Flucht und Migration“, angeboten von Caritas und Kreisbildungswerk. In Gars ansässige Geflüchtete hatten mit Hingabe afghanische Spezialitäten zubereitet, die sich die Gäste in einer Vortragspause schmecken lassen konnten: Mantu, Hackfleisch im Teig, und Pekaura, überbackenes Gemüse.
Per Multimedia-Präsentation stellte der Referent seine Heimat vor, die er vor 36 Jahren als Flüchtling verlassen hatte.
Zunächst gab er einen Abriss der bewegten Geschichte Afghanistans vom 18. Jahrhundert bis heute. Dabei war zum Beispiel auch zu erfahren, dass die Taliban zunächst durchaus als Befreier von den sich nach Abzug der Russen bekämpfenden Mudschahedin betrachtet wurden, bevor sie ihre Schreckensherrschaft ausübten.
Im zweiten Teil schilderte Jamal Farani seine Lebensgeschichte, beginnend mit seiner Flucht als junger Mann nach Pakistan über den Nahen Osten bis nach Deutschland, wo er schließlich eine Ausbildung als Elektrotechniker machen konnte und eine Familie gründete. Für seine anwesenden jungen Landsleute und andere Geflüchtete hielt er daher auch eine eindeutige Botschaft für die Integration bereit: Unabdingbar sei das gründliche Erlernen der deutschen Sprache, damit eine Ausbildung gelingen könne, die wiederum sei Grundlage eines soliden Berufes und wirtschaftlichen Erfolgs. Farani stellte ein Hilfsprojekt vor, das er und seine afghanischstämmige Frau, die er in Hamburg kennengelernt hatte, in ihrer Heimat unterstützen: Frauen werden Nähmaschinen zur Verfügung gestellt, mit denen sie gemeinschaftlich Stofftaschen herstellen, deren Verkauf zum Unterhalt der Familien beiträgt und das Umweltbewusstsein fördern soll. Dafür wirbt die Aufschrift „Grüne Welt – saubere Welt“. Der Erlös aus Bildkalendern und Textilien, die das Ehepaar Farani anbot, war für dieses Projekt bestimmt.
Den Abschluss des informativen Abends bildete ein lebhaftes Gespräch Faranis mit den Besuchern über die Geschichte und die aktuellen Probleme des Landes, das bis in die Gegenwart hinein von Krieg und täglicher Gewalt gezeichnet ist.mün