Die Königsdisziplin

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

Diese Stellenbesetzung ist eine Herkulesaufgabe für Headhunter, gewissermaßen die Königsdisziplin. Da tun sich Parteien leichter, einen neuen Vorsitzenden zu finden, als Faschingsgesellschaften ein Prinzenpaar. Und im schlimmsten Fall springen die neuen Regenten nach dem Ja-Wort gleich wieder ab. Mit eben diesem Szenario ist die legendäre „Bohemia Bavaria“ ins Licht der Waldkraiburger Faschingsgeschichte getreten. Vor genau 50 Jahren.

Die Nachfolgeorganisation „Waldburgia“, die auch schon wieder drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, jucken derlei Kinderkrankheiten schon lange nicht mehr. Nicht nur für den Fasching 2018/19 scheint sie gerüstet. Beim Auftakt am Wochenende hat es nämlich rund ums Rathaus ordentlich gewurlt. So viele große und kleine Gardetänzerinnen tanzten vor. Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Gute Aussichten für ein ganzes närrisches Jahrzehnt. Mindestens.

Mit Familienunternehmen hat der Standort Waldkraiburg schon immer gute Erfahrungen gemacht. Ein weiteres gutes Vorzeichen, dass jetzt auch der Fasching als solches geführt wird. Prinzessin Chantal ist die große Schwester von Kinderprinz Marc. Und während der mit Modelerfahrung aus der MAN-Werbung aufwarten kann, steht ihm seine Kinderprinzessin Julia, fernseherfahren, Disney-Channel, in nichts nach.

Der Vierte im Quartett: Prinz Termet, dessen Familie aus dem Kosovo kommt. Merke: In Waldkraiburg ist auch der Fasching weltoffen, multikulturell. Ganz selbstverständlich. Und das ist gut so.

Dass der Prinz aus einer bekannten Boxerfamilie stammt und der große Bruder von Toni und James Kraft ist, musste den Bürgermeister nicht weiter besorgen. Schon eher die Tatsache, dass Prinzessin Chantal aktive Kampfsportlerin (Karate) ist. Doch Robert Pötzsch ist der Regentin beim Walzer dann offensichtlich doch weniger oft auf die Füße gestiegen, als er selbst befürchtet hatte. Jedenfalls blieb ihm das blaue Auge, das er im Scherz prognostizierte, erspart.

Und vermutlich hat sich der Bürgermeister noch ein blaues Auge erspart, indem er – gerade noch rechtzeitig – ein Thema abräumte, dem er sonst vermutlich beim Faschingszug wieder begegnet wäre. Für die Diensthosen der Sicherheitswacht (SiWa) kommt nun doch die Stadt auf. So hat es Pötzsch beschlossen, ohne noch irgendein Gremium damit zu behelligen. Die SPD hätte ihm das Thema gerne aufgedrängt. Aber das hätte noch gefehlt, dass zwölf SiWa-Hosen zum Politikum werden.

Nicht nur Kommunalpolitiker, auch Reporter unserer Zeitung lernen aus Erfahrungen. Bei der Übergabe von Unterschriftenlisten für ein Bürgerbegehren an den Aschauer Bürgermeister war vor einigen Wochen alles viel zu schnell für die Fotografin gegangen. Neulich bei der Vereidigung des neuen Gemeinderates Christian Weyrich bat die Reporterin deshalb die Beteiligten, sich ein bisserl mehr Zeit zu lassen. Der Wahlbeamte Alois Salzeder, der dem Polizeibeamten Weyrich den Eid abnahm, beruhigte sie mit den Worten: „Der ist Beamter. Der ko ned so schnoi geh.“

Dagegen ist in Sachen Freibad und Bürgerentscheid so viel Bewegung in Aschau, dass unsereins kaum noch mit dem Schauen mitkommt. Zuerst machten die Gegner eines interkommunalen Freibads mobil, sammelten Unterschriften und trommelten fürs Bürgerbegehren. Jetzt hat sich eine neue Bürgerinitiative formiert, die sich gegen das Anliegen des Bürgerbegehrens und für das gemeinsame Projekt mit der Stadt stark macht. Ob sich dagegen bereits wieder eine neue Initiative gebildet hat, war bei Redaktionsschluss offen.

Im Ernst: Der Bürgerentscheid, das zeichnet sich immer deutlicher ab, wird kein Selbstläufer. Sondern auch in Aschau eine hoch spannende Angelegenheit. Und es ist sicher eine positive Entwicklung, dass Ressentiments von gestern zwischen Aschau und Waldkraiburg und umgekehrt auf allen Seiten in den Hintergrund gerückt sind. Jetzt geht es um das Für und Wider einer gemeinsamen Freizeiteinrichtung. Die Versachlichung, die Königsdisziplin der Demokratie, tut bei aller Leidenschaft der Diskussion gut.Hans Grundner

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