„Was soll ich denn beim Doktor?“

von Redaktion

Hedwig Kellermann ist die älteste Bürgerin Waldkraiburgs. Noch immer lebt sie allein im Reihenhaus in der Birkenstraße, wo sie von ihrer Nachbarin Maria Hipetinger wohl umsorgt wird. Kürzlich schaute Bürgermeister Robert Pötzsch vorbei, um der älteren Dame zum 103. Geburtstag zu gratulieren.

Waldkraiburg – Dass sie schon über ein Jahrhundert alt ist, sieht man der Jubilarin nicht an. Auch geistig ist sie noch rege und erzählt lebhaft und verständlich von den früheren Zeiten.

Seit 20 Jahren bei keinem Arzt mehr

Darüber war auch der Bürgermeister verwundert, der mit einem Präsentkorb die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Für die katholische Kirche gratulierte Pater Ulrich Heroven, mit dem die Jubilarin ebenso einen regen Disput hielt.

Nur das Gehör hat im Alter ausgelassen, ansonsten ist Hedwig Kellermann mit ihrem Gesundheitszustand recht zufrieden. „Was soll ich denn beim Doktor?“, erwidert sie, als sie der Bürgermeister darauf anspricht. „Schon seit über 20 Jahren war ich bei keinem Arzt oder Zahnarzt – die brauch ich nicht mehr und auch keine Medikamente“, schmunzelt sie.

Und als Pötzsch sie nach dem Rezept für das hohe Alter fragt, meint die Jubilarin: „Mit Malzkaffee und Kräutertee sind wir in einer armen Zeit aufgewachsen.“

Mitgemacht hat Hedwig Kellermann allerhand in ihrem langen Leben, das am 16. November 1915 in Passau begann – also während des Ersten Weltkrieges. Als Jüngstes von sechs Geschwistern kam sie dort auf die Welt und wohnte in der „Ilz-Stadt“, wo sie einige Hochwasser erlebte. Zwei Weltkriege und Geldentwertungen ließen Hedwig früher ihre Eltern rügen: „Ist euch nichts Besseres eingefallen, als mich in solchen Notzeiten in die Welt zu setzen?“

Ihre Ferien verbrachten sie als Kinder mit Zapfen sammeln oder Beeren pflücken. Nach der Schulzeit hat sie im Büro gearbeitet und im Krieg wurde sie dann bei den Sanitätern eingesetzt.

1943 heiratete Hedwig. Ihr Mann Otto verstarb 1990. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Mit dem Jüngeren, Patrick, zog sie 1997 in ihr Eigenheim nach Waldkraiburg. Das Schicksal traf sie hart, als ihr Sohn vor drei Jahren erst 58-jährig verstorben ist.

Manchmal kocht sie noch selbst eine Mahlzeit. Auch beim Geburtstagskuchen hat sie „mitgemischt“.

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