Waldkraiburg – Es ist ein Stück über den Sieg der Menschlichkeit – die unfassbare Geschichte des deutschmährischen Industriellen Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg zusammen mit seiner Frau Emilie und einem jüdischen Fabrikdirektor fast 1300 Juden aus Polen und der Tschechoslowakei in seinen Rüstungsbetrieben bei Krakau und in Brünnlitz beschäftigte und sie damit vor der drohenden Deportation ins Vernichtungslager rettete. Regisseur Steven Spielberg hat dieser mutigen Tat in den 1990er-Jahren ein filmisches Denkmal gesetzt.
Während ihr Ehemann auf diese Weise gewürdigt und einer breiten Weltöffentlichkeit bekannt wurde, lebte Emilie Schindler Zeit ihres Lebens im Schatten des Gemahls. Dabei war sie es, die großen Anteil daran hatte, dass die KZ-Häftlinge dem Tod entgingen. Wie die jüdische Autorin Erika Rosenberg in einer im Jahr 2001 erschienenen Biografie herausstellte, hielt die Frau den gemeinsamen Betrieb am Laufen und kümmerte sich um die Versorgung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Nach dem Krieg lebte das Paar einige Jahre in Regensburg und ging 1949 nach Argentinien, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Doch die Geschäfte Oskar Schindlers, dem der Ruf vorausging, ein Glücksritter und Lebemann zu sein, scheiterten. Er ging zurück nach Deutschland, das Ehepaar trennte sich, Oskar starb 1974.
Emilie Schindler blieb in Südamerika, wo sie zuletzt in sehr ärmlichen Verhältnissen in einem Seniorenheim lebte.
Und wie kam die Frau, die die Juden in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ehren, nach Waldkraiburg? Emilie Schindler hatte Heimweh, wollte zurück nach Deutschland. Die spanische Sprache, die sie gut beherrschte, habe sie im Alter verloren und nur noch den Dialekt ihrer nordmährischen Heimat gesprochen. So Bernd Posselt, Sprecher und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der Schindler, die damals schon in ihren 90ern stand, in Argentinien begegnete.
Es wurde die Idee geboren, Waldkraiburg komme der Heimat Emilie Schindlers wohl am nächsten. Im Adalbert-Stifter-Wohnheim, das in den 1960er-Jahren Sudetendeutsche gründeten und in dem viele Landsleute lebten, könnte sie sich daheim fühlen. Auch der Münchner Verleger Herbert Fleissner unterstützte diese Initiative. Und im Sommer 2001, als Emilie Schindler in Deutschland war, um mit Bundeskanzler Schröder in Bonn eine Ausstellung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu eröffnen, zeichnete sich ab, dass die berühmte Frau eine Bürgerin Waldkraiburgs werden könnte.
Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Emilie Schindler starb am 5. Oktober 2001 an den Folgen eines Schlaganfalls in Strausberg bei Berlin. Und kam doch nach Waldkraiburg, wo sie auf dem Waldfriedhof ihre letzte Ruhestätte fand.
Am 19. Oktober wurde sie zu Grabe getragen. Vertreter der Staatsregierung, des Zentralrats der Juden und der argentinischen Botschaft nahmen an der Beerdigung teil und würdigten die mit vielen Orden und Ehrungen ausgezeichnete Verstorbene als leuchtendes Beispiel für die nachfolgenden Generationen.
Immer wieder kamen in den folgenden Jahren Besucher an das Grab (Grabfeld 17), im Rondell, wo auch viele verdiente Kommunalpolitiker und Unternehmerfamilien ihre Grabstätten haben. Eine Stele mit Inschrift erinnert dort an die Rettungstat der Schindlers. Und auf dem Grabstein der Spruch „Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt“. Hinweisschilder weisen den Weg vom Haupteingang an der Aussegnungshalle zur Grabstätte.
Die mutige Frau wurde von Schülern als Namensgeberin für das örtliche Gymnasium ins Gespräch gebracht. Zum zehnten Todestag kam Branko Lustig, Holocaust-Überlebender und Produzent des Films „Schindlers Liste“ ans Grab. Und drückte sein Bedauern aus, dass bereits gedrehte Szenen über Emilie Schindler aus dramaturgischen Gründen nicht in den Film aufgenommen wurden.
Zum 110. Geburtstag organisierte die Sudetendeutsche Landsmannschaft im Waldkraiburger Rathaus eine Ausstellung, die die historische Leistung der am 21. Oktober 1907 geborenen Emilie Schindler würdigte und weitere Widerständskämpfer vorstellte.
Das Theaterstück „Oskar Schindlers Liste“ ist am Mittwoch, 28. November, um 20 Uhr im Haus der Kultur zu sehen. Karten sind im Vorverkauf im Haus der Kultur unter Telefon 08638/ 959312, im Haus des Buches und an der Abendkasse erhältlich.