Die Sprüchmacher

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

„Spruch des Tages“ – früher hatte diese Zeitung eine kleine, aber feine Rubrik dieses Namens. Knackige Zitate, witzige, pfiffige Sentenzen und Bemerkungen, die es wert waren, für Leserschaft und Nachwelt aufgehoben zu werden, wurden unter diesem Titel hervorgehoben. Heute gibt es viele andere Möglichkeiten, die Leser in der Zeitung daran teilhaben zu lassen.

Zum Beispiel – natürlich – in der Waldkraiburger Wochenschau, die manchmal zu einem wahren Schatzkästlein der Formulierungen und Sprachbilder wird. Die auf den Punkt bringen, was man in hundert Zeilen nicht besser schreiben könnte. In dieser Woche zum Beispiel, wo Kommunalpolitiker und andere Akteure in und um Waldkraiburg einmal mehr in herausragender und dankenswerter Art und Weise sprach- und bildschöpferisch tätig waren. Die Woche der Sprüche und treffenden Zitate:

An seinem legendären Ruf als begnadeter Sprüchmacher hat Aschaus Bürgermeister Alois Salzeder erneut eindrucksvoll gebastelt. Beim oberbayerischen Schulmusikfest outete er sich als „leidenschaftlicher Sänger“. Nur schade, dass die Zuhörer, einschließlich Lehrer, diese Leidenschaft nur bedingt teilten: „Ich sang in der Grundschule so laut, dass ich alles durcheinander brachte und mich der Lehrer lieber zum Bäcker schickte.“

Salzeder war es auch, der die Aschauer zur „Bürgerversammlung 1918“ begrüßte, natürlich ein Versprecher. Doch er deutete damit bereits die historische Dimension dieser Woche an.

Schon am Vormittag hatte sein Waldkraiburger Amtskollege eine Baumaßnahme in einem kleinen Ortsteil in den großen geschichtlichen Horizont gestellt: die Dorferneuerung in Pürten. Nun, dieses Projekt hat tatsächlich mehr Zeit in Anspruch genommen als vergleichbare Platzgestaltungen. Jedenfalls dann, wenn man berücksichtigt, dass die ersten Überlegungen für dieses Vorhaben anno 1986 in den Chroniken des Stadtarchivs überliefert werden.

Doch was ist das schon – so fragte Robert Pötzsch zurecht – in Anbetracht der Tatsache, dass das Dorf vor 968 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde? „Was lange währt, wird endlich gut.“ Ausnahmsweise klang dieser Satz am neuen Dorfplatz nicht abgedroschen. Denn die Dorferneuerung ist nicht nur teuer geworden, sie hat auch die kritischen Pürtner überzeugt.

Frieder Vielsack, Vorsitzender der Waldkraiburger UWG-Fraktion, ebenfalls Freund einer bilderreichen Sprache, ließ am Abend dieses Tages im Stadtentwicklungsausschuss einen weißen Ritter auf weißem Pferd durch den Sitzungssaal reiten. Das heißt, rein hypothetisch natürlich. Denn selbstverständlich hält auch Dr. Vielsack dieses Szenario für höchst unwahrscheinlich. Und für völlig ausgeschlossen, dass ein solcher Reitersmann vor dem Rathaus vom Schimmel steigt, um eine Bulle zu übergeben, mit der er zum Beispiel die Ansiedlung eines H & M-Marktes im Stadtzentrum verkündet.

Gerade weil die Ritter so selten in Waldkraiburg Halt machen, hält es Vielsack für wichtig, dass die Stadt im Kampf gegen die Leerstände im Zentrum wieder aktiv ins City- und Leerstandsmanagement einsteigt.

Als Ritter mit glänzender Rüstung ist er nicht empfangen worden. Stattdessen hat Moderator Uli Härtter beim oberbayerischen Schulmusikfest Marcel Huber als „einen der fähigsten Politiker, den Bayern jemals hatte“, begrüßt. Und damit den Minister, der jedes Ministerium könnte, aber keines gekriegt hat, damit gewissermaßen geadelt.

Dem ist nicht viel hinzuzufügen, allenfalls die Bemerkung: Der Proporz ist auch in der Politik der größte Feind von Qualität und Kompetenz. Und, ja, auch das: In einer Zeit, in der nahezu jeder Abgang eines Spitzenpolitikers vom Überdruss breiter Wählerschichten begleitet wird, darf Huber es als persönliche Genugtuung empfinden, dass mindestens daheim im Wahlkreis, wo ihn die Leute am besten kennen, sich viele – über Parteigrenzen hinweg – eine Fortsetzung der Ministerkarriere für ihn und für Bayern gewünscht hätten.

Die Kreisumlage wird gesenkt. Auch Waldkraiburg profitiert ordentlich davon. Den treffendsten Kommentar dazu lieferte vermutlich Franz Belkot, Stadtrat der UWG, die im vergangenen Jahr mit ihrem Vorstoß, die Kreisumlage um drei Punkte zu senken, an CSU und anderen gescheitert war. Ausdrücklich begrüßt Belkot die Reduzierung der Kreisumlage um 2,8 Punkte und meint augenzwinkernd: „Wir von der UWG sind doch nicht dagegen, nur weil ein guter Vorschlag von der anderen Seite kommt.“

Das letzte Wort gehört in dieser Wochenschau Hedwig Kellermann. 103 Jahre ist die älteste Bürgerin Waldkraiburgs mittlerweile schon. Der Bürgermeister, der persönlich zum Geburtstag gratulierte und sich nach ihrem Gesundheitszustand erkundigte, kam ihr grade recht: „Was soll ich denn beim Doktor?“, fragte die ältere Dame. Was Arztbesuche angeht, ist sie seit gut 20 Jahren nach eigenen Aussagen völlig abstinent. Hans Grundner

Artikel 1 von 11