Pichlmeier als schmuckes Wohnquartier?

von Redaktion

Bürgerversammlung Wiederbelebung des Wirtshauses wird immer unrealistischer

Aschau – Ist der gastronomische Betrieb des ehemaligen Wirtshaus Pichlmeier tatsächlich Geschichte? Vieles deutet darauf hin, dass eine Wiederbelebung als Gastwirtschaft mit Veranstaltungssaal unrealistisch ist.

Das ehemalige Wirtshaus Pichlmeier war eines der Themen, die auf der Bürgerversammlung in der Gemeindehalle für großes Interesse sorgten. Bürgermeister Alois Salzeder sprach es unter dem Punkt „künftige Baumaßnahmen“ an.

Das Areal samt Gebäuden gehört der Gemeinde, die es mitunter auch deshalb sichern wollte, weil beide Zugänge zum Friedhof und zur Kirche auf dem Grundstück liegen. „Nicht, dass ein fremder Investor kommt und sowas plant, dass wir nicht mehr in unsere Kirche kommen“, so Salzeder.

Die Gemeinde habe mehrere Gutachten in Auftrag gegeben, ob und wie der Pichlmeier wieder belebt werden könnte – mit 60 Sitzplätzen in der Gaststube und 200 im Saal.

Besonders das Emissionsschutzgutachten macht allen Nostalgikern, die sagen, „wir wollen, dass diese Wirtschaft erhalten bleibt“, einen Strich durch die Rechnung. Die fehlenden Parkplätze, die zwingend ausgewiesen werden müssen, könnten nur geschaffen werden, in dem ein Grundstück dazu gekauft würde. Aber der Lärm, der durch das Zuschlagen von Autotüren und An- und Abfahren entsteht, ist das Problem. Vor allem nach 22 Uhr. „Dadurch ist der Parkplatz nicht genehmigungsfähig“, so Salzeder. Da bringt dann auch die Überlegung nichts, die Fenster des Saales bei Veranstaltungen ab 23 Uhr geschlossen zu halten. Ein großes Wirtshaus wird wohl an den Parkplätzen scheitern, ein kleines trage sich nicht, so der Bürgermeister.

Es gebe daher Überlegungen, das Areal mit einer Wohnbebauung zu überplanen – und der spätgotische Stadl mit Gewölbe soll Teil davon bleiben. Etwa um im Erdgeschoß einen Teil des Pfarrbüros unterzubringen oder ein Stüberl als Treffpunkt zu schaffen, wie Salzeder auf Nachfrage der Zeitung nach der Veranstaltung präzisierte.

Der alte Stadl ist erhaltenswert, der Dachstuhl sei relativ gut beinander, das Gewölbe sei teilweise feucht und von Saliter durchzogen – aber das wäre machbar. Eventuell könnte man hier auch ein Heimatmuseum unterbringen.

Im Hinblick auf die Gastronomie sei Aschau gut aufgestellt; er zählte die verschiedenen Lokale auf, unter anderem den Bräu, wo man auch Feierlichkeiten abhalten könne. Das Brauerei-Areal biete auch in Zukunft viel Potenzial, habe Platz für ausreichend Parkplätze und biete mit Stadl und Sudpfandl verschiedene Locations an. In Waldwinkel könne man im Restaurant für 5,50 Euro Abo-Essen bekommen. Welcher neu installierte Wirt sollte bei den Preisen dagegen ankochen können? Er sprach die generellen Probleme an, die die Gastronomie habe, im personellen Bereich und auch, was die Bereitschaft angehe, Sonntagmittags oder abends zu arbeiten. „Wir haben Vollbeschäftigung im Landkreis“, sagte er. Nun sei der Gemeinderat dran. Das Gremium müsse entscheiden, ob Wirt oder Wohnungsbau.

Möglicherweise könnte man Fördertöpfe anzapfen, um architektonische Studien in Auftrag zu geben – auch, ob man ins alte Wirtshaus Wohnungen bauen kann, oder ob man es besser wegschiebt. Die Entscheidung müsse spätestens in der Januar-Sitzung gefällt werden.

In der Diskussion meldete sich Bert Brunner zu Wort. Er engagiert sich für das Bewahren von Erhaltenswertem. Auch hätte er einen Wirt an der Hand, den er eigentlich der Gemeinde vorschlagen wollte, doch nach den Ausführungen Salzeders sehe er ein, dass das wenig erfolgsversprechend sei. Auf dem Areal befindet sich ein Wirtschaftsgebäude. „Kann man das nicht wegreißen und zumindest für ein 70-Plätze-Lokal und die dringend benötigten Fremdenzimmer einen Parkplatz schaffen?“ Salzeder schüttelte den Kopf und verwies auf das Lärmproblem wegen der Nähe zu den umliegenden Wohnhäusern.

Brunner verwies auf die Historie. 1394 sei der Tafernwirt an dieser Stelle erstmals erwähnt. 1947 wurde das Wirtshaus fast abgetragen und neu aufgebaut. Das angesprochene Nebengebäude ist ein ehemaliger Getreidespeicher und war der Zehntstadl von Jettenbach. Er vermute, dass der obere Bereich auch mal als Wohnraum genutzt wurde, anders macht es keinen Sinn, dass dort alte mundgeblasene Fenster installiert sind.

Das große Tor in diesem Bereich öffnet sich in Richtung Friedhof und Kirche. Er sagte, um 1500 stand eine Burganlage, wo sich jetzt die Kirche befindet. Der Kirchturm sei Teil der alten Anlage. Daher nimmt er an, dass dieser alte Stadl ebenso Teil der alten Burganlage war. Sein Vorschlag: Nutzt ihn als Museum, ins Gewölbe könnte man einen Ausstellungsraum einrichten oder einen kleinen Veranstaltungsraum.

„Der Gemeinderat hat die Ausführungen gehört, wir sind in der Entscheidungsfindungsphase. Vielleicht gibt es für den Stadl eine ISEK-Förderung. Ich bin für Vorschläge offen – auch wenn zum Beispiel die Kirche dort ihr Pfarrbüro erweitern will“, so Salzeder.

Artikel 1 von 11