Aschau – „Ein Neubau ist sinnvoll und ein gemeinsamer Neubau mit Waldkraiburg bedeutet, dass weniger Fläche verbraucht wird“, sagte Bürgermeister Alois Salzeder im Rahmen der Bürgerversammlung in der Gemeindehalle.
Damit sprach er unter dem Punkt „künftige Baumaßnahmen“ das gemeinsame Freibad-Projekt mit Waldkraiburg an, das derzeit wegen des Bürgerentscheids am 16. Dezember auf Eis liegt. Er nannte die Erweiterungsmöglichkeiten, wie Saunalandschaft und Heißwasser-Whirlpool. Das Naturbad scheiterte an der Standortfrage und der Verkehrsanbindung. Mit Grunderwerb würde das Naturbad zwei Millionen Euro und die Folgekosten mit etwa Badeaufsichten 100000 Euro kosten.
Beim gemeinsamen Bad wird derzeit kalkuliert mit circa elf Millionen Euro Gesamtkosten, davon muss Aschau 1,6 Millionen Euro plus jährlich laufende Kosten von maximal 60000 Euro von 420000 Euro übernehmen, (Anm. d. Red.).
In der folgenden Diskussion – die sich hauptsächlich unter den Bürgern abspielte – wollte Ernst Baumann von der Verwaltung wissen: Kann sich Aschau bei der derzeitigen Finanzlage dieses Schwimmbad-Projekt leisten? Geschäftsstellenleiter Stefan Kirchbuchner: Ja!
Baumann an die Gegner des Projektes gerichtet: Was, wenn der Bürgerentscheid gegen das Bad ausfällt? Was ist dann die optimale Bademöglichkeit für die Aschauer? „Waldbad“, tönt es aus deren Ecke. „Das Waldbad ist aber keine Aschauer Angelegenheit“, entgegnete Baumann. Als 2016 die Bürger für eine Bademöglichkeit abgestimmt haben, war das Waldbad nicht im Gespräch.
Erna Meindl: „Ich ging ja zum Unterschriftensammeln. Wenn ich bei zehn Leuten war, wollte vielleicht einer das gemeinsame Bad mit Waldkraiburg. Neun wollten das Waldbad.“
Ernst Baumann: „Was ist die beste Lösung für Aschau, nicht für Waldkraiburg?“ Die Frage wurde mit Applaus quittiert.
Karlheinz Jekler: „Ein Bürgerbegehren kann man einreichen. Aber bisher gibt es keine einzige vernünftige Argumentation der Gegner. Die Verhinderer waren laut. Aber es gibt viele Befürworter, denen es wichtig ist, ein gemeinsames Bad mit Aschau zu bauen. Die Zusammenarbeit mit Waldkraiburg funktioniert wunderbar (IGW oder JFG Isengau). Ich weiß nicht, was die Leute gegen Waldkraiburg haben – denn es geht nur mit Waldkraiburg. Ich behaupte in Aschau gibt es eine Mehrheit, die eine gute partnerschaftliche Beziehung zur Nachbarstadt pflegen. Der Gemeinderat sollte hinter seinem Beschluss stehen und ihn umsetzen, wenn er auch nicht einstimmig war.“
Erich Gottwald: „Aschau hat ein Luxusproblem. Doch die Wirtschaftsleistung in Europa geht zurück. Wenn Firmen aus Aschau abwandern, könnten wir irgendwann blank sein. Viele Leute fahren doch in Urlaub oder an den See. Dieses Schwimmbad wäre doch nur ein Lückenbüßer. Im Winter haben wir ja das Hallenbad.“
Bürgermeister Salzeder sagte, das Thema bewege die Leute. Bisher haben 170 Personen schon die Briefwahl zum Bürgerentscheid genutzt. Er sprach die „weichen Standortfaktoren“ an, die vielen Mosaiksteine, die wichtig seien, damit die Firmen gute Leute nach Aschau holen können.
„Die Steuerkraft Aschaus kommt aus den Firmen, von diesen Arbeitern, die oft in Wohnungen leben und sich keinen Pool leisten können.“ Die neue Regierung aus CSU und Freien Wählern wolle interkommunale Projekte künftig besonders fördern. Ohne die Zusage der Stadt Waldkraiburg, die 500000 Euro zu zahlen (obwohl deren Wunsch nach einem Kreisverkehr nicht erhört wurde), hätte die neue MÜ25 nie gebaut werden können.
Herbert Wintersteiger: „Wir nutzen seit Jahrzehnten die Vorzüge der Nachbarstadt, wie etwa Freizeitangebote und viele arbeiten dort. Aus welchem Grund es da eine Feindschaft gibt, ist mir ein Rätsel. Das interkommunale Projekt wird ein tolles neues Bad. Was gibt es besseres, als für unsere Kinder und Jugendlichen zu investieren?“
Hans Baumgartner: „Ich bin Teil des Arbeitskreises für dieses Bad. Ich bin überrascht, dass hier in den Vordergrund gerückt wird, dass die Leute was gegen Waldkraiburg hätten. In diesem Planungs-Gremium geht es sehr sachlich zu. Dennoch: Ich bin kein Befürworter des neuen Bades. Das Waldbad ist ein Stück der Kultur dieser jungen Stadt und es ist aus sportlicher Sicht besser geeignet als das neue.“ In Richtung Bürgermeister sagte er, „du gehst hie und da an der Neutralität vorbei, bist eben ein Befürworter. Aber deswegen darf es nicht zur Spaltung in Aschau kommen.“
Salzeder: „Ich darf doch die Fakten kundtun. Es darf doch jeder eine Meinung haben, auch ich.“ Er verwahrte sich gegen die Kritik, er trage zur Spaltung bei.
Andreas Reiter: „Ich möchte etwas richtigstellen im Hinblick auf meine angebliche Aussage, wir wollen nicht mit Waldkraiburg zusammenarbeiten. Den Satz hat der BR aus dem Zusammenhang gerissen (als Reiter beim Infoabend Ende September vom Fernsehen interviewt wurde, Anm. d. Red.). Bezogen hab ich mich rein auf das interkommunale Bad. Aschau hat doch andere Baustellen, wichtigere Themen. Ich habe Sorge, dass unsere Wirtschaftskraft nach unten geht. Große Firmen in Aschau produzieren ,Waffen‘ – und die Bundesregierung ist dabei, die Waffenlieferungen an die Saudis einzustellen. Die Automobilindustrie schwächelt auch. Man muss das große Ganze sehen, nicht nur das Schwimmbad.“
Salzeder: „Im Investitionsplan bis 2020 steht das Rathaus mit drei Millionen drin, auch der Pichlmeier und noch einiges mehr. Danach haben wir immer noch Rücklagen von 4 Millionen Euro. Die Gemeinde hat immer sehr vorsichtig gewirtschaftet und ist gut aufgestellt.“
Manfred Bock: „Ich bin ein Zuagroaster. Man muss den Blickwinkel wechseln, denn ansiedeln können sich Firmen auch in Ampfing, statt in Aschau.“ Das Bad sei ein Argument und für Kinder mit dem Fahrrad erreichbar. Das neue Bad hätte einen riesen Freizeitwert. „Für die Fußballer, für die es schon genug Angebote gibt, wird jetzt für 700000 Euro ein Kunstrasenplatz erstellt. Es gibt auch Leute, die was anderes als Angebot wollen.“
Er erinnerte an die Schlüsselkinder in Aschau, mit zwei berufstätigen Eltern, die sich ortsnah im Schwimmbad treffen könnten mit den Kumpels. „Wir sollten was für die Jugend tun. Und da ist das Schwimmbad das Beste, was wir machen können. Es geht um die Kinder und die Jugendlichen und nicht um 80-Jährige, die kein Schwimmbad mehr brauchen“, sagte er mit Blick auf seine Schwiegermutter, Erna Meindl.
Thomas Wintersteiger, Gemeinderat, appellierte an alle, vernünftig miteinander umzugehen und sachlich zu bleiben. „Wir sind alle Aschauer und wollen keine Spaltung.“ Er rief die Bürger auf, „geht alle am 16. Dezember zum Abstimmen“.
Franz Mittermeier: „Warum glaubt Ihr, dass die Leute nach Aschau kommen? Weil hier Firmen sind, die einen vernünftigen Tarif zahlen.“