Das Rathaus: Fragen und Meinungen

von Redaktion

In der Bürgerinformation zur Zukunft des Rathauses (siehe auch Seite 15) nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Meinungen zu äußern. Viele waren von der Variante 3, Neubau am Stadtplatz, überzeugt.

Waldkraiburg – Es wurde ein munteres Gespräch im Haus der Kultur, zwischen Bürgern, Vertretern der Stadt und Planern, das wir auf dieser Seite dokumentieren.

• Günter Auer: „Mir gefällt die Variante 3 gut.“ Die Frage ist aber, wie der Verkehr in Zukunft am Stadtplatz geführt werden soll?

Christian Böhm (Architekt/Planungsbüro): Unser Vorschlag ist es, die Durchwegung des Stadtplatzes am Rathaus zuzumachen und den Pkw-Verkehr künftig nur auf der Südseite des Stadtplatzes durchfahren zu lassen. Das sei keine Voraussetzung, um das neue Rathaus bauen zu können, biete aber Vorteile, weil der Bereich zwischen Rathaus (Gastronomie) und einem Biergarten am Platz dann verkehrsfrei wäre.

Götz Keßler (Stadtbau-Geschäftsführer): „Das wäre die Premiumvariante, wenn wir den Platz frei bekommen.“ Es wird auf jeden Fall ein Verkehrsgutachten gemacht, um sicherzustellen, dass die Verkehrsführung auch im Zusammenhang mit der Tiefgarage funktioniert.

• Hans Vetter: Der Sartrouville-Platz ist tot. Wenn die Tiefgarage tiefer gelegt wird, kann man den Platz immer noch nicht befahren.

Ingrid Dreer (Architektin/Planungsbüro): Durchgangsverkehr ist zwischen Stadtplatz und Sartrouville-Platz nicht vorgesehen, nur für Fußgänger und Radfahrer. Der Sartrouville-Platz wird eine neue Funktion erhalten müssen.

Carsten Schwunck (Leiter der städtischen Bauabteilung): Fahrverkehr über den Sartrouville-Platz wurde im ISEK diskutiert. Aber wegen der Tiefgarage darunter ist der Platz für Fahrzeuge nur beschränkt nutzbar.

• Helga Rittersporn: Wie sieht es mit der Lärmbelästigung aus? Im Moment gibt es vier Bars in diesem Bereich. Im Sommer kann man nicht bei offenem Fenster schlafen. „Ich schlafe direkt über dem Pavillon, der zwischen Sartrouville-Platz und Stadtplatz stehen soll. „Wir sind schon geplagt ohne Ende.“

Christian Böhm: Der Stadtplatz kann nicht tot sein, er soll nicht tot sein. Den Pavillon könnte man zum Beispiel für das Haus des Buches nutzen.

Carsten Schwunck: Das Thema ist ein Problem. Aber dort wo die Gastronomie hinkäme, ist wenig Wohnnutzung, der Bereich ist von Rathaus und Sparkasse begrenzt. Der Sartrouville-Platz soll als öffentliche Fläche reduziert, langfristig vielleicht sogar zugunsten einer Wohnnutzung aufgegeben werden.

Diskussion um Wohnnutzung

und Pavillon

• Dennis Uzon: Für mich ist es ein Widerspruch, neue Gewerbeflächen zu planen, wenn andererseits Mieter für die bestehenden Leerstände fehlen.

Götz Keßler: Es geht nur um das neue Gebäude auf dem jetzigen Rathaus-Standort. Das Erdgeschoss ist für eine Wohnnutzung nicht geeignet. Dort ist eine gewerbeähnliche Nutzung, zum Beispiel auch sozialer Art, möglich. Denkbar wären auch Schulungs- oder Seminarräume. „Wir wollen dort sicher keine Konkurrenz zur bestehenden gewerblichen Nutzung im Stadtgebiet, sondern dadurch den Stadtkern gewerblich stärken.“

• Wäre auch eine soziale Einrichtung, zum Beispiel ein Kindergarten, möglich? So eine weitere Frage einer Bürgerin.

Ingrid Dreer könnte sich eine kleine Kita im Pavillon vorstellen.

Götz Keßler ist anderer Meinung: Die Stadt habe ein Gebäude an der Haidaer Straße gekauft, das in eine große Kita umgebaut werde. „Das deckt einen sehr großen Bedarf.“ Kitas brauchen große Freiflächen und seien im Zentrum deshalb ein „fremdes Element“. Für eine Kindertagesstätte im Pavillon werde man keine Freiflächen kriegen. Sozialeinrichtungen im Pavillon seien aber möglich. „Wichtig ist, dass es Frequenz im Zentrum schafft.“

• Willi Engelmann: Auch in der Altstadt von Regensburg gebe es eine Kita. Zum Rathausneubau regte er an: Das steile Dach sei toll, in der Umgebung gebe es viele Walmdächer. Auch das sollte man berücksichtigen.

Christian Böhm: Für derartige Vorschläge sei die Planung offen. Das sei ja nicht der letzte Entwurf.

Keßler: Projekt im Stadium einer

Machbarkeitsstudie

Götz Keßler: Das Projekt sei erst im Stadium einer städtebaulichen Machbarkeitsstudie. Für weitere Planungen werde die Stadt ein konkurrierendes Planverfahren einleiten müssen (Wettbewerb). Dabei gehe es um die architektonische Gestaltung und weitere Details.

• Hartmuth Lang: „Mir gefällt Variante 3 sehr gut.“ Wie hoch wird der Neubau? „Das könnte sehr drückend wirken.“

Ingrid Dreer: Knapp 15 Meter Traufhöhe. Das passt sich der Umgebung an, entspricht dem gegenüberliegenden Gebäude der Sparkasse. Das Dach ist sehr steil (47 Grad Neigung).

Marvin Maretschek: „Ich finde Variante 3 echt super.“ Aber: Warum sollen direkt in der Stadtmitte noch mal Wohnungen gebaut werden?

Christian Böhm: Das ist ein Vorschlag. Da gibt es unterschiedliche Ideen. Davon hängt das Rathausprojekt nicht ab.

Ingrid Dreer: Man sollte hinter einem neuen Rathaus die Lücke mit einer Bebauung schließen. Die Nutzungsart ist offen.

Götz Keßler: „Wie eine Innenstadt ohne Wohnnutzung ausschaut, das können Sie abends ab Ladenschluss in der Kaufinger Straße in München beobachten. Das wäre für eine Stadt wie Waldkraiburg nicht sinnvoll.“

• Peter Zinn: „Mir gefällt Variante 3 gut.“ Die Wohnbebauung auf dem Standort des jetzigen Rathauses sei allerdings schon entscheidend. „Die Gesamtkosten werden dadurch nach unten gedrückt.“ Seine Frage: In wie weit ist eine Förderung möglich?

Götz Keßler: Es habe schon Gespräche bei der Regierung gegeben. Grundsätzlich werden Maßnahmen nur gefördert, wenn sie nicht rentierlich sind. Das rückwärtige Gebäude und Erlöse durch Verkäufe seien in die Gesamtkalkulation mit einbezogen. „Wichtig ist, dass dort ein Gebäude kommt.“ Die Nutzung sei noch offen, auch Gewerbe möglich.

Georg Duschl: „Variante 3 ist gut.“ Doch worin besteht der Mehrwert für den Sartrouville-Platz?

Christian Böhm: Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass die Barriere zwischen Stadtplatz und Sartrouville-Platz wegkommt und der Sartrouville-Platz damit leichter zu erreichen ist. Dieser Platz sei allerdings für eine Stadt wie Waldkraiburg „zu groß, um ihn zu einem belebten Stadtplatz zu erwecken. Er wird sich verändern müssen.“

Ingrid Dreer: Das werde kein Einzelhandelsplatz mehr sein. Der Sartrouville-Platz habe „städtebauliche Mängel, die die Stadt nicht beseitigen kann, weil ihr die Grundstücke nicht gehören“.

Carsten Schwunck sprach sich für eine Konzentration der Geschäftsbereiche aus. „Das Ausufern von Ladenflächen werden wir uns nicht leisten können.“

• Hartmuth Lang: Ein Ratskeller würde ihm am Stadtplatz gut gefallen. Auch der Maibaum gehöre dorthin zurück, meinte er lachend.

• Irmgard Haberger: „Die Straße zwickt noch, sonst eine gute Lösung.“ Sie hoffe, dass nicht zu viel Betongrau bleibt, „lieber rotes Pflaster“.

• Ein Bürger wollte wissen, wie die geplante Wohnbebauung realisiert wird?

Ingrid Dreer: Das kann von einem privaten oder öffentlichen Träger realisiert werden.

Schwunck: Stadt muss auch auf

Zuzug reagieren

• Eine Bürgerin sprach sich gegen eine Rathaus-Gastronomie aus. In einer Stadt mit so vielen Senioren gebe es dafür keinen Bedarf. Sie hält nichts davon, dass ein Wohngebäude das alte Rathaus ersetzen soll, und favorisiert stattdessen eine Grünfläche.

Ingrid Dreer: Begrünungsmaßnahmen sind sicher möglich. Doch eine Grünfläche an dieser zentrale Stelle wäre städtebaulich falsch. Die Gastronomie soll generationenübergreifend Leute erreichen. „Wir wollen ein trendresistentes Angebot, damit die Leute nicht mehr nach Mühldorf zum Brunchen fahren.“

Carsten Schwunck: „Wir müssen auf neue Entwicklungen reagieren.“ Waldkraiburg werde weitere Wohnungen bekommen und einen Zuzug aus dem Speckgürtel um München. Im Übrigen sehe er „viele ältere Herrschaften“ am Stadtplatz, die sich dort wohl fühlen.

Christian Böhm: Der Stadtplatz sollte ein räumlich geschlossener Platz sein. „Es ist gut, wenn er auch auf der nordwestlichen Seite geschlossen wird.“ Dann habe Waldkraiburg einen zentralen Platz, der von Gebäuden umstanden ist „und wo das Leben spielt“. Von dort gebe es einen Durchlass zu dem ruhigeren Sartrouville-Platz. „Dem Sartrouville-Platz tut es gut, wenn er kleiner wird.“ Bei der Begrünung des Sartrouville-Platzes sei die Frage auch, „wie viel auf der Tiefgarage geht“.

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