Taufkirchen – Es hört sich romantisch an: Mit Sherpas im Himalaya-Gebirge rund um ein Lagerfeuer sitzen und plaudern. Der gewaltigste Gebirgszug der Erde ist von Taufkirchen aus betrachtet aber nicht direkt um die Ecke. Um so eine strapaziöse Reise ins ferne Südasien auf sich zu nehmen, braucht es daher schon Lust und Leidenschaft für dieses Land.
Josef Stellners Traum war es seit Langem, eines Tages nach Nepal zu reisen. Aber weniger aufgrund touristischer Ambitionen, sondern vielmehr aus dem Aspekt heraus, den Alltag der Einwohner zu erkunden. „Anlässlich meines 40. Geburtstages schenkte mir meine Frau Barbara eine Reise. Das Ziel durfte ich selber auswählen“, erzählt Josef Stellner, der als kaufmännischer Geschäftsführer bei Byodo in Mühldorf tätig ist.
In welche Richtung das Flugzeug abheben soll, war dem Geburtstagskind rasch klar. Ende März dieses Jahres ließ der 41-Jährige dann tatsächlich den Schreibtisch für über drei Wochen hinter sich und reiste nach Kathmandu. Freilich sollte bei dieser Reise auch ein privates Urlaubsvergnügen nicht zu kurz kommen, doch in erster Linie interessierten den Managing Director die Projekte der Himalayan Care Foundation e.V., für die er sich einsetzt.
Seine soziale und entwicklungspolitische Ader entdeckte der Familienvater schon recht früh. Bereits während seines Studiums übernahm er in München die Buchhaltung eines Dritte-Welt-Ladens. „Der Inhaber infizierte mich damals mit dem sogenannten Dritte-Welt-Virus, den ich nie mehr abschütteln konnte.“ Drei Monate verbrachte Stellner schon mal in Bolivien.
Sein Trip nach Nepal toppt alle seine bisherigen Auslandsaufenthalte. Stellner spricht von einer Reise ins Land der Menschlichkeit. Er erklärt es so: „Ehrlich gesagt gibt es uns Mitteleuropäer in Kathmandu erstmal einen Stich. Schlechte Luft gepaart mit Dreck und Schmutz, das ist gewöhnungsbedürftig“. Dann berichtet der Familienvater aber begeistert von seinen Begegnungen mit den Einheimischen, die ihn mit ihrer Demut, ihrer Zufriedenheit und Dankbarkeit tief beeindruckten. Diese Eigenschaften strahlen auch die Sherpas aus, die als „Lastesel“ für die Bergsteiger zwar ein anstrengendes Leben führen müssen, aber dennoch gelassen in sich ruhen. Das stellte der Taufkirchner bei den Lagerfeuer-Gesprächen mit den Männern schnell fest.
Und noch etwas erlebte der 41-Jährige hautnah: Die Spenden, die durch die Himalayan Care Foundation e.V. München gesammelt werden, gehen zu einhundert Prozent in die Projekte vor Ort. „Was diese Organisation leistet, hat Hand und Fuß“, davon ist der Geschäftsführer überzeugt. Er machte sich selbst ein Bild und stattete der Siddhartha Behindertenschule einen Besuch ab. Dort werden 15 körperbehinderte Kinder in einem Internat betreut. Weil behinderte Kinder in Nepal nicht im Fokus der staatlichen Schulpolitik stehen, benötigen sie zusätzliche Unterstützung, die mit einer Kinderpatenschaft von rund 30 Euro pro Monat abgegolten wäre. Behinderte Kinder und Waisenkinder fallen in Nepal oft durchs Raster.
„Bildung ist und bleibt aber der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb braucht es auch für diese Buben und Mädchen qualifizierten Schulunterricht, damit sie später ein selbstbestimmtes Leben führen können“, ist die Meinung Stellners.
Er sieht sich als Multiplikator und möchte die Begeisterung für die Himalayan Care Foundation in seinem Umfeld wecken, aber auch für Transparenz im Hinblick auf die geförderten Projekte sorgen. Landwirte beraten und Straßen bauen könne er nicht, meint der Kaufmann, aber wo die Not am größten ist und was die Bevölkerung wirklich braucht, erfährt man aus Gesprächen mit den Einwohnern. Dann ist Handeln angesagt und zwar in Form von Hilfe zur Selbsthilfe. Und exakt diese Hilfe leistet nach Darstellung des Taufkirchners die Himalayan Care Foundation.
Der Verein kümmerte sich schon vor dem Erdbeben 2015 um den Aufbau von Schulen sowie um Berufsausbildungen und stellte darüber hinaus ein Landwirtschaftsprogramm auf die Beine.
Eine Reise nach Nepal geht in der Regel nicht ohne Bergsteigen über die Bühne. Das war auch bei Josef Stellner der Fall. Bevor der Geschäftsmann in Nepal endgültig seine Zelte abbrach, bestieg er mit zwei Führern den Sechstausender Mera Peak.
Von dieser atemberaubenden Bergtour sowie von den Projekten und den interessanten Begegnungen mit Einheimischen stellte der 41-Jährige einen Diavortrag zusammen, den er bereits im Gasthof Maier in Gallenbach vorführte. Weitere Termine sind in Planung und werden in der Zeitung bekannt gegeben. Der Vater von zwei Töchtern engagiert sich ehrenamtlich jedoch nicht nur in der fernen Welt, sondern auch in seinem Heimatort. Er ist Lektor und Kommunionspender in der Kirche.