So ist das Leben

von Redaktion

Waldkraiburger Wochenschau

Was ist der Unterschied zwischen Streusalz und Flockungsmittel? Beides ist hell! Im Ernst: Seit dieser Woche ist die Differenz nicht nur Mitarbeitern von Winterdiensten wie dem Maschinenring ein Begriff, sondern beinahe allen Menschen in Waldkraiburg und drum herum. So viel steht fest: Wenn Flockungsmittel auf schneebedeckten Flächen aufgebracht wird, gibt es eine Mordsgaudi. Und einen spektakulären Einsatz, der in die Geschichtsbücher von Feuerwehren eingeht. Zum Glück ist nach der folgenreichen Verwechslung von Streumittel auf Waldkraiburger Parkplätzen niemand gravierend zu Schaden gekommen. Deshalb: Schwamm drüber! Genug gerutscht. Genug gespottet!

Wir bleiben beim selben Element, wechseln nur den Aggregatszustand.

Waldkraiburg im Winter 2018. Und keine Woche ohne das Thema Schwimmbad! Diesmal haben Stadträte öffentlich gegrummelt wegen eines Flyers, der im Wahlkampf um den Bürgerentscheid in Aschau kursiert und sogleich den Verdacht weckte, die Aschauer wüssten womöglich mehr über das interkommunale Schwimmbad als die Waldkraiburger. Dabei stehen in dem Flugblatt so unspektakuläre Informationen wie „Sportbecken mit acht Bahnen“, „ausreichend Parkplätze“ oder „Steigerung der Attraktivität des Wohnortes“, jedenfalls keine Sensationsmeldungen, die nicht auch schon vor dem Waldkraiburger Bürgerentscheid im Frühjahr die Runde machten.

Nicht ganz zu Unrecht haben sich die Ratsherren allerdings darüber beschwert, dass in der Nachbargemeinde von einigen der Eindruck erweckt werde, dass entweder ein interkommunales Freibad kommt oder gar keins mehr. Dabei ist es öffentlich erklärter Wille des Stadtrats, der Waldkraiburger Bevölkerung so oder so, wenn irgend möglich, ein Freibad als Freizeitangebot zu erhalten.

So ist das Leben: Die Berichterstattung der vermutlich wasserscheusten Zeitungsredaktion im Freistaat kreist – gefühlt – seit mehr als einem Jahr um Schwimmbecken und Sprungtürme. In zwei Wochen – das steht schon fest – ist wieder Badetag. Bürgerentscheid in Aschau. Nächste Woche, so schien es, könnte schwimmbadfrei werden. Bis die Einladung für den Gemeinderat Kraiburg in der Redaktion ankam. Mit dem Tagesordnungspunkt „Bauanträge 4 a: Markt Kraiburg: Errichtung eines Naturbads“. Da sage noch einer, Journalisten könnten sich die Themen aussuchen…

Kommunalpolitiker können sich die Themen, die sie beraten und über die sie entscheiden (müssen), wahrscheinlich noch viel weniger aussuchen. Wer hängt sich schon freiwillig ein marodes Rathaus und eine Tiefgarage ans Bein, die auf Baumstämmen steht. Da gibt es sicherlich Angenehmeres.

Nur hilft das halt nichts. Wenn was vor sich hingammelt und bröckelt, muss – Sanierung oder Neubau? – irgendwann eine Weichenstellung her. Auf dem Weg dazu hat sich der Bürgermeister beim Waldkraiburger Rathaus entschieden geschickter angestellt als beim Waldbad. Damals stand das Prozedere von Anfang an in der Kritik. Diesmal wurde die Bürgerschaft informiert, vor der Entscheidung im Stadtratsgremium ins Bild gesetzt. Wie sich das bei einem so schwer wiegenden Beschluss gehört.

Schließlich geht es um das „Erste Haus am Platz“, um das Rathaus, das nicht den Ratsherren, sondern in Wirklichkeit den Bürgern gehört, die sich damit identifizieren sollen. Die Stadtplaner, die in der Bürgerversammlung drei Alternativen vorstellten, haben gute Arbeit geleistet. Schlüssig und nachvollziehbar argumentiert, auch wenn es sicher die ein oder andere Vision gibt, die im Stadtrat und in der weiteren Diskussion noch auf den Prüfstand muss. Von der Finanzierung nicht zu reden.

Die Empfehlung der Architekten für den Abriss des alten Rathauses und einen Neubau am Stadtplatz war durchaus überzeugend. Eine Sanierung würde dem Rathaus der 1970er-Jahre viel von seinem unverwechselbaren Erscheinungsbild nehmen. Und der ganz große Schnitt – ein Rathaus an einem neuen Standort – ist nicht vermittelbar. Solange keine bestechende Alternative für den Platz im Stadtzentrum gewährleistet ist.

Der Neubau am Standort wäre wohl ein guter Kompromiss. Und wie ein Fingerzeig in die Zukunft. Er steht für Aufbruch, den sich viele Waldkraiburger wünschen. Die Sanierung fühlt sich dagegen wie Bestandswahrung an. Doch grade im Zentrum, das vor 50 Jahren mit so viel Euphorie geplant wurde, ist das nicht zwingend positiv besetzt. Viele Waldkraiburger hadern mit dem Stadtzentrum aus vielen bekannten Gründen.

Und trotzdem kommt das eindeutige Stimmungsbild der Bürger für den Abriss und Neubau am Stadtplatz in dieser Versammlung überraschend. Nach den kontroversen Diskussionen, die zum Beispiel im ISEK-Prozess aufflammten.

Zum guten Schluss: Bald kommt das Christkind. In diesen turbulenten Zeiten könnte man es glatt vergessen, hätte die Kollegin nicht eine Meldung über das Wichteln mit der Ortsmarke „Weihnachten“ statt „Waldkraiburg“ versehen.

Waldkraiburg – Weihnachten? War da was? Ach ja, nächste Woche ist Christkindlmarkt. Man sieht sich, diesmal – noch? – am alten Rathaus.Hans Grundner

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