Waldkraiburg – Es war eine gelungene Mischung von Musik und Gedanken zur Vorweihnachtszeit, die für die zahlreichen Besucher zum „Advent in Waldkraiburg“ vom Team um Ulrike Marczynski und Hermann Hartenstein zusammengestellt worden war.
Vikarin Nun trug aufwühlende Geschichte vor
Schon der erste Eindruck stimmte erwartungsvoll und besinnlich im fast nur von Kerzen erleuchteten Kirchenraum. Nach dem Orgelvorspiel von Natalya Lorenz fühlte man sich sofort heimisch bei der „Pollinger Weihnachtsmusik“ des Obertaufkirchner Volksmusikensembles unter der Leitung von Gertraud Gaigl, das vom „Advent in Waldkraiburg“ nicht mehr wegzudenken ist. Diese Vertrautheit verstärkte Pfarrer Lars Schmidt mit seinen Begrüßungsworten: „In dieser Stunde sind wir wie jedes Jahr wieder voller froher Erwartung darauf, dass Gott als Mensch zu uns kommt“.
Nach dem heiteren „Weinberger Walzer“ des Obertaufkirchner Oktetts lauschten alle dem ersten Teil der Lesung „Der Ring“ aus dem Buch „Und Weihnachten ist überall“ des Siebenbürger Autors Hans Bergel, beeindruckend vorgetragen von Vikarin Inga Nun.
Eine Mutter, die 1943 mit ihren vier Kindern auf die Rückkehr des Mannes aus dem Russlandfeldzug wartet, verliert beim Betten- machen ihren Ehering. Verstärkt wird die Sorge der Familie um den Vater, als sie die Nachricht erhält, dass er seit dem Tag als vermisst gilt, als der Ring verloren ging. Noch in Gedanken bei der Geschichte, faszinierte klarer, reiner Sologesang von der Orgelempore mit „Die bunten Blumen sind erwacht mit ihrem Blatt aus Schnee“ und so mancher Kirchenbesucher drehte sich verwundert um.
Wunderbarer Sopran von Wittmann erfüllt den Kirchenraum
Katharina Wittmann, diplomierte Konzertsängerin und Sologitarristin, versetzte mit ihrem wunderbaren Sopran alle in adventliche Stimmung.
Nach der „Almweise“, einem langsamen Walzer mit Blockflötenparts, eine weitere Einstimmung auf die „stade Zeit“ mit „Wochnlang tua i scho wartn“ des kleinen, aber sehr feinen Kirchenchors unter der Leitung von Natalya Lorenz, die richtige Einstimmung auf den zweiten Teil der „Ring“-Geschichte. In überzeugender Weise schilderte Inga Nun, wie für die Familie Wochen ins Land gehen, die Mutter klaglos ihren Pflichten nachkommt, immer mit der Hoffnung: „Wir werden den Ring finden, wenn die Zeit gekommen ist.“
Die Buchauer Polka leitete über zur Motette „Nascere, dive puellule“, mit dem Katharina Wittmann den Kirchenraum stimmgewaltig erfüllte.
Der anschließende Adventswalzer und Kurt Muthspiels „S`is finster drausst“ des Chors brachten eine weitere Aufforderung an das Publikum: „Tua auf, wann `s klopft, tua auf!“
Gespannte Erwartung vor dem dritten Teil der „Ring“-Geschichte: Was alle insgeheim gehofft hatten, wurde Wirklichkeit. Der Goldreif tauchte als Krone eines kleinen Engels wieder auf und am nächsten Tag kehrte der Vater aus dem Krieg zurück. Danach konnten die Obertaufkirchner mit ihrem Steyrischen Tanz und der „Marienweis“ besinnlich- heiter aufspielen und ein letztes Mal lauschte man Katharina Wittmann mit „In the bleak midwinter“.
Der Chor leitete mit „Es wird ein Stern aufgehen“ über zum gemeinsamen Singen aller Beteiligten mit „Seht, die gute Zeit ist nah“ und dem Abschlusslied „Macht hoch die Tür“.