Kraiburg/Waldkraiburg/Rosenheim – Dass Alexander Platsch einmal mit der Kabarettistin Martina Schwarzmann und dem Frontmann der Spider-Murphy-Gang auf derselben Veranstaltung geehrt werden würde, hätte er sich nicht träumen lassen. Doch es ist wahr geworden, im Münchner Kesselhaus zählte der 26-jährige Wirtschaftsingenieur zu 38 Künstlern und Wissenschaftlern, die die Auszeichnung heuer erhielten. Verliehen wird sie von der Bayernwerk AG und Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die diesen Preis seit 2005 vergeben.
Alexander Platsch erhielt die Auszeichnung als bester Absolvent der Technischen Hochschule Rosenheim für seine Masterarbeit „Selection of Methods for Material Requirements Forecasting and their Effect on Purchasing Strategy“.
Dass ausgerechnet seine Arbeit von den Professoren für den Preis vorgeschlagen wurde, freut ihn, wobei er sicher ist, dass auch andere Studierende der TH Rosenheim ihr Studium mit sehr gut abgeschlossen haben. „Es ist zumindest für Außenstehende auch ein sehr trockenes Thema“, wiegelt der 26-Jährige ab. Statt Kabarett und Rock’n’Roll befasste er sich mit dem Zusammenhang zwischen Materialbedarfsprognosen und strategischen Entscheidungen im Einkauf eines Unternehmens. Die Arbeit ist in Zusammenarbeit mit dem Gummiwerk Kraiburg entstanden.
Im Einkauf der Firma müssen Hunderte Artikel und Materialien beschafft und auch gelagert werden: „Mithilfe von Prognosen sollen die Mitarbeiter bei der Materialbedarfsplanung unterstützt werden und Empfehlungen bekommen, wann welcher Artikel in welcher Menge bestellt werden soll“, vereinfacht es der Wirtschaftsingenieur. Den Bedarf könne man mit verschiedenen Methoden ermitteln, unter anderem mit einer deterministischen, einer quantitativen und einer heuristischen Herangehensweise. Die Prognosegenauigkeit hat er beispielhaft anhand von einigen Artikeln berechnet. Im zweiten Teil seiner Arbeit hat er untersucht, welcher Zusammenhang zwischen Prognosen, Beschaffungsentscheidungen und einer Einkaufsstrategie besteht.
Dass er aus dem Thema so viel rausholen konnte, lag auch daran, dass er das Waldkraiburger Unternehmen bereits gut kannte. Im Bachelorstudium hatte er dort sein Praxissemester verbracht und auch seine Abschlussarbeit geschrieben. Als man ihm anbot, den Master dual zu studieren, sagte er zu: „Ich kannte die Struktur des Unternehmens. Wenn man sechs Monate Zeit hat, eine wissenschaftliche Abschlussarbeit fertigzustellen, ist das natürlich ein großer Vorteil.“ Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird weiter fortgesetzt: Seit seinem Abschluss arbeitet er im Einkauf des Gummiwerks Kraiburg und kann die Theorie in die Praxis umsetzen.
Dass er seine Arbeit auf Englisch verfasst hat, war eine freiwillige Leistung: Technisches Englisch hatte er als Studienfach, nach dem Bachelor war er für sechs Monate in den USA an der San Diego State University in Kalifornien, im Master verbachte er ein Semester in Florenz an der Uni.
Der Kulturpreis Bayerns ist mit 2000 Euro und einer Bronzestatue, dem „Gedankenblitz“, dotiert. Außerdem, so Platsch, sei es ein sehr schöner Abend gewesen. Die Spider-Murphy-Gang hat gespielt, BR-Radiomoderator Thorsten Otto gab dem Ganzen einen feierlichen Rahmen.