Rechtes Weltbild

„Menschenrechte gelten für alle“

von Redaktion

Antimuslimischer Rassismus beleuchtet – Matthias Lorenz: „Inhaltlich keine Zugeständnisse an Rechtsextreme machen“

Waldkraiburg – „Wir haben bewusst den 10. Dezember als Termin für unsere Veranstaltung von ,Mühldorf ist bunt’ gewählt, denn es ist der „Tag der Menschenrechte“, der vor 70 Jahren von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde mit dem Leitsatz: Es darf keine Unterschiede geben“, so Vorsitzende Kristin Hüwel in ihrer Begrüßung in der Schenkerhalle.

Dies galt dem Thema des Referats von Matthias Lorenz, der von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Bayern nach Waldkraiburg gekommen war, um über „Antimuslimischen Rassismus“ zu sprechen (siehe auch Kasten). In einer Befragung zum Rechtsextremismus bejahten 35 Prozent der Deutschen die Behauptung, Aus-länder kämen nur her, um den Sozialstaat auszunutzen. Auf die Frage, wem sie denn bei einer Wahl ihre Stimme geben, war ihre Antwort CDU/CSU und AfD. Charakteristisch für die rechtsextreme Haltung ist – so Lorenz – eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mit einer abwertenden und ausgrenzenden Einstellung, was sich beispielsweise in Homophobie, Islam-, Behinderten- und Obdachlosenfeindlichkeit äußert, besonders aber im antimuslimischen Rassismus.

Dies sei auch ein Merkmal der europäischen Kultur, die sich nach außen, besonders Richtung Orient abgrenzt. Bei 50 Prozent der Europäer ist Fremdenfeindlichkeit, bei 40 Prozent Antisemitismus und bei 30 Prozent Rassismus festzustellen.

Eine bundesweite Diskussion flammte auf mit der Aussage des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, ,der Islam gehört zu Deutschland‘, die Kanzlerin Angela Merkel wiederholte. Andreas Scheuer entgegnete: „Gut integrierte Muslime ja; insgesamt gehört der Islam nicht zu Deutschland.“

Die FAZ formulierte ,Droht uns eine Islamisierung?‘ und die renommierte ,Welt’ behauptete „Wir islamisieren uns schleichend“. Noch massiver forderte Thilo Sarrazin, eine weitere Zuwanderung aus dem Mittleren und Nahen Osten und aus Afrika generell zu verbieten.

Viele Muslime (2018 rund 56 Prozent) fühlen sich hier wie Fremde. Mädchen werden angefeindet wegen ihres Kopftuchs, man hat Schwierigkeiten bei der Suche nach Wohnung oder Arbeit. Diese Haltung wird untermauert durch die AfD, die etwa beim Moscheenbau starke Beschränkungen und vor allem auch islamfreie Schulen fordert und behauptet, unsere Gesellschaft sei durch die muslimische Zuwanderung dem Untergang geweiht. Für sechs Prozent der Deutschen ist es inzwischen legitim, massiv dagegen vorzugehen.

Dass solche Ausschreitungen auch in der Region festzustellen sind, zeigen nicht nur die Verunglimpfung und gewalttätigen Angriffe auf ein türkisches Lebensmittelgeschäft in Mühldorf. „Das kann man nicht kleinreden“, so der Referent und sehr wohl könne man gegen diesen Rassismus etwas tun, wenn es auch ein mühsames Unterfangen sei. So dürfe man keine inhaltlichen Zugeständnisse machen, müsse solidarisch handeln und Betroffene und Opfer rechter Gewalt unterstützen.

In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde wurde deutlich, dass bei Leuten, die sich kennen, die Ausgrenzung nicht so stark ist. Rechtsextrem werden manche, die selbst keine Anerkennung erfahren und dann versuchen, sie sich zu besorgen, indem sie andere abwerten.

Verführerisch seien zudem die scheinbar einfachen rechtsextremen Erklärungsmuster für komplexe Lebensprobleme, so Lorenz. Deshalb müsse man sich ständig ein objektives Bild machen, etwa bei der Frage: „Bin ich schon ein Rassist, wenn ich die gegenwärtige Politik Israels nicht verstehe?“

Kirstin Hüwel ergänzte: „Für so manchen ist rassistische Haltung eine Stellvertretersache. Man kann so seine Ängste irgendwo abladen. Wir müssen aktiver, kritischer werden und Menschen zu erreichen versuchen, die hier einen gedanklichen Austausch brauchen.“

„Ich bin der Beste“

Matthias Lorenz ging auf das rechte Weltbild ein, das rechtsautoritäre Diktaturen wie etwa den Faschismus befürwortet, die chauvinistische Meinung ,Ich bin der Beste‘ an den Tag legt, ausländerfeindliche Haltung zeigt, besonders antisemitisch und sozialdarwinistisch eingestellt ist und zudem den Nationalsozialismus verharmlost. Lorenz gehört der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Bayern an.

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