Waldkraiburg – Seine Amtszeit endet offiziell am 31. Januar. Aufgrund von Urlaub und Überstunden ist der Verwaltungsamtsrat aber quasi jetzt bereits im Ruhestand. Der Waldkraiburger leitete vier Jahrzehnte das Einwohner-, Pass- und Wahlamt. Von 2010 bis 2018 war Hanesch auch Chef des Bereiches Renten und Soziales. Außer Waldkraiburgs Gründungsbürgermeister Hubert Rösler diente der gebürtige Tittmoninger unter allen anderen bisherigen Rathauschefs der Stadt.
Wie mit den einzelnen Herren die Zusammenarbeit funktionierte, darüber wollte Siegfried Hanesch nichts ausplaudern. Nur soviel: „Jeder Bürgermeister hatte seinen eigenen Stil und ich bin mit allen klar gekommen.“
Als Leiter des „Einwohnermeldeamtes“ wie es im Volksmund heißt sind an manchen Tagen Gelassenheit und Nerven wie Drahtseile von großem Vorteil gewesen. Haneschs Devise: Rechtlich immer sauber arbeiten, aber den Ermessensspielraum zugunsten des Kunden nutzen. Trotz dieser Einstellung mussten Hanesch und sein Team so manche verbale Attacken einstecken, gerade dann, wenn Bürger Dinge forderten, die einfach nicht machbar sind. „Da gab es Kunden, die daraufhin regelrecht explodierten, sodass ich sogar vom Hausrecht Gebrauch machen musste“, erzählt er.
Die Tür zu seinem Büro stand 80 Prozent des Tages offen. Der Grund dafür: „Damit ich gleich eingreifen kann, sollten die Damen an der Front unserer Abteilung mit Problemen konfrontiert werden.“ Siegfried Hanesch sieht es daher als ideal an, dass sein Nachfolger wieder ein Mann ist. Zukünftig wird das Einwohnermeldeamt von Robert Heinfeldner angeführt.
Und was macht Hanesch mit seiner neu gewonnenen Freiheit? Sein langjähriges Hobby „Bayerisches Rotes Kreuz“ pflegt er natürlich nach wie vor. Er übernimmt jetzt weitere Aufgaben und soll sich beispielsweise um den Schriftverkehr der BRK-Bereitschaft kümmern.
Außerdem sind da noch die sechs Enkelkinder, die ihren Opa regelmäßig besuchen. Ehefrau Karin spielt selbstverständlich eine ganz besondere Rolle im Leben des Pensionärs. „Es ist wunderbar, nun mehr Zeit mit meiner Liebsten verbringen zu können. Wir sind begeisterte Thermengänger. Das Bäderdreieck in Niederbayern hat es uns besonders angetan.“
Karin lernte Siegfried im Jahre 2002 auf dem Waldkraiburger Volksfest kennen. Beide sind Eishockey-Fans. So verabredete sich das Paar mehrere Male im Eisstadion. Obwohl es dort ziemlich kalt ist, flammte im Stadion ihre Liebe so richtig auf, die 2004 dann vor das Standesamt führte.
Karin war es auch, die ihren Sigi letztes Jahr auf eine Anzeige in den Waldkraiburger Nachrichten aufmerksam machte. Das Amtsgericht Mühldorf suchte neue Schöffen. Hanesch bewarb sich erfolgreich für diesen Posten. Er darf jetzt seit Anfang des neuen Jahres sogar als Hauptschöffe bei Verhandlungen am Amtsgericht teilnehmen.
Hilft der Verwaltungsamtsrat in seinem Ruhestand eigentlich auch bei Hausarbeiten? Da fällt die Bilanz mittelmäßig aus. „In Sachen Kochen ist nicht viel los. Höchstens Spiegeleier braten oder Würstl warm machen“, verrät die Gattin, aber sie verwöhnt ihren Mann ja gerne, sodass hier keine Streitereien zu befürchten sind.
Dann schwenkt Siegfried Hanesch doch noch mal vom Privaten ins Berufliche über und erzählt von der Brandkatastrophe, die sich im April 2018 in der Adlergebirgsstraße ereignete. Die Tragödie berührte Hanesch nicht nur persönlich, sondern auch als Chef des Bereiches „Soziales“. „Ich bin heute noch froh, dass wir alle betroffenen Bewohner relativ rasch anderweitig unterbringen konnten.“ Hanesch war auch Mitinitiator bei der Eröffnung eines Spendenkontos beim BRK für jene Waldkraiburger, die ihr Dach über den Kopf verloren hatten. Menschen zu helfen so gut es geht, ist von jeher ein großes Anliegen des frischgebackenen Pensionärs gewesen. Sein Interesse am politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt bleibt selbstverständlich weiterhin bestehen.
Trommelwirbel und Torte am 15. Januar
In den nächsten Wochen ist das Ehepaar Hanesch schon mal auf verschiedenen Waldkraiburger Faschingsbällen zu finden. „Wir sind halt gerne unterwegs“, gibt der Pensionär zu. Trommelwirbel und Torte sind am 15. Januar angesagt. Und warum? Nun, an diesem Tag wird Karins Sigi 64 Jahre jung.