Suchet die Wahrheit!

von Redaktion

„Wie viel Politik verträgt Freundschaft?“ Auf so einen Ansatz für einen Zeitungsbericht kommt man nicht ohne Vorbelastung. Seit 2015 sind die Flüchtlinge zu einem Reizthema geworden. In Familien, unter Freunden, Kollegen, in Schulen, Vereinen, am Stammtisch – und natürlich in politischen Gremien. Die gesellschaftliche Herausforderung ist riesengroß. Die Zerreißprobe gilt es auch, in freundschaftlichen Beziehungen zu bestehen. Manche Freundschaften halten so viel Politik aber eben nicht aus. Unterschiedliche Meinungen sind dabei nicht das größte Problem. Oft ist es Unsachlichkeit, manchmal Hysterie oder unnötige Emotionalisierung, da nehme ich mich gar nicht aus. Seit 2015 habe ich so einiges dazugelernt. Es gibt eben keine einfache Wahrheit.

Häufig ist es fast egal, um welches Streitthema es geht. Ist man gegensätzlicher Meinung, fliegen halt mal die Fetzen. Schwierig wird es allerdings, wenn es unmenschlich wird. Gerade wenn es sich um Geflüchtete dreht, scheinen manche Leute zu vergessen, dass es um Menschen geht, die Würde und Rechte haben. Jeder Mensch ist per se wertvoll. Egal, ob er in Deutschland etwas verloren hat oder nicht. Die Wurzel allen Übels ist, dass manche Personen denken, sie können aus einer nicht existierenden Erhabenheit heraus entscheiden, wer etwas wert ist – und wer nicht.

Den Sachverhalt zu kritisieren, dass Menschen ohne echten Fluchtgrund zu uns kommen und Probleme mit sich bringen, ist legitim. „Ab ins Gas“ zu sagen, „im Mittelmeer absaufen lassen“, ist es nicht. Das ist einfach nur widerlich. Freunde, die so denken, so reden, will ich nicht. Freunde, die sich für „Herrenmenschen“, für was Besseres halten, als andere, brauche ich nicht. Schon Nietzsche nutzte diesen Begriff zum Bewerten und Unterscheiden, den später die Nationalsozialisten nur zu gerne für ihre Ideologie gebrauchten.

Abscheulich ist auch, wenn Freunde einem wünschen, von einem Flüchtling vergewaltigt zu werden, weil man nüchtern konstatiert, dass die Mehrheit der Geflüchteten nicht zu den Sexualverbrechern gehört. Die meisten sexuellen Übergriffe auf Frauen finden im privaten Umfeld statt. Die Frauenhäuser in Deutschland sind seit 40 Jahren voll – dazu brauchte man bisher keine Flüchtlinge, um das fertigzubringen.

Jemandem sexualisierte Gewalt an den Hals zu wünschen, ist das Letzte. Freundschaften wurden aussortiert – unter Schock. Man fragte sich, „wer bist du, was hast du mit meinem guten alten Kumpel gemacht?“ Woher kommen diese Abgründe? Mit wem glaubte ich, da befreundet zu sein? Zum Glück weniger als eine Handvoll Härtefälle. Bei anderen, die mit Angst, Argwohn und sehr kritischen Augen auf die Migrationslage blicken, lohnte es sich zu kämpfen. Um die Freundschaft. Denn Andersdenkende können befreundet sein – das geht.

Am politischen Stammtisch war ich beeindruckt. Da saßen sehr bunt gefächerte Leute, mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Prägungen und politischen Ansichten. Und es ging sowas von gesittet und respektvoll zu. Diese Runde schaffte es, ohne verbissene Rechthaberei und ohne Geplärre nach Wahrheit zu suchen. Vielleicht ist das der Punkt: Sie suchen noch nach ihrer Wahrheit, behaupten augenscheinlich nicht, dass sie sie schon gefunden und dadurch die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Georg Milly, der den Stammtisch moderiert, gab mir sinngemäß mit auf den Weg, „Hüte dich vor denen, die denken, die Wahrheit gefunden zu haben“. Ich packe mich auch an der eigenen Nase. Und nehme mir das zu Herzen. Als Journalistin entspricht es ohnehin meinem Naturell, „eine Suchende“ zu sein. Danke Herr Milly, für diesen Tipp.

Vielleicht haben Sie auch einen für all jene, die ständig eine Verschwörung wittern, glauben, dass sie als Bürger nur belogen und verarscht werden. Wie etwa beim Thema „Waldkraiburg ist eine sichere Stadt“. Die entsprechenden Zahlen der Kriminalitätsstatistik der Polizei wurden vor einem halben Jahr vorgestellt. Das subjektive Sicherheitsempfinden vieler Bürger schert sich jedoch nicht um Statistik. Wie sich etwa bei der Diskussion am Fall der Messerattacke vor Silvester in einer Wohnung am Kalander zeigt. Ein Mann (kein Migrant) hat seine Ex in der Wohnung verletzt. Eine zweite Frau wollte ihr helfen und bekam auch Schnitte ab. Die Ermittler gehen von einem Beziehungsdrama aus. So tragisch der Vorfall für die Beteiligten ist – mit den restlichen Waldkraiburgern hatte es nichts zu tun. Deren Sicherheit war nicht in Gefahr. Regt Euch doch bitte lieber mal darüber auf, dass häusliche Gewalt in unserem Land immer noch ein viel zu großes Thema ist.

Das subjektive Sicherheitsgefühl kann man nicht mit gutem Zureden beschwichtigen, ich weiß. Die Kommunen reagieren mit Videoüberwachung und etwa Sicherheitswachten. Was kann man selber machen, um sich da besser zu fühlen? Zum Beispiel einen Selbstverteidigungskurs. Und dabei steht noch nicht mal das sich selbst verteidigen können im Vordergrund. Sondern Psychologie, Selbstbehauptung, das richtige Auftreten, das Vermeiden von brenzligen Situationen. Karatemeister Adnan Akgün lehrt das seine Schüler. Und natürlich wie man richtig tritt und schlägt, wenn es sein muss.

Eine, die das ganz gut kann, ist unsere Faschingsprinzessin Chantal Hapfelmeier. Sie ist Karateka und eine hervorragende Tänzerin. Ihr Prinz, Termet, läuft wohl keine Gefahr, von ihr eine gewischt zu bekommen, wenn er ihr beim Walzer auf die Zehen tritt. Aber Bürgermeister Robert Pötzsch sollte sich in Acht nehmen. Schon am 11.11. äußerte er seine Furcht vor einem blauen Auge, wegen ungeschicktem „Holzfußtanzens“, wenn er Durchlaucht herumwirbeln soll. Das war ein Fehler, lieber Bürgermeister. Sie wissen schon: Man darf dem Gegner keine Angst zeigen. Sensei Akgün erklärt es Ihnen gerne. Andrea Klemm

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