Viel Lärm um nichts: Frau hat niemanden angefahren

von Redaktion

Amtsgericht Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung hat sich nicht bestätigt

Mühldorf/Waldkraiburg – Die Erleichterung war groß, als der Freispruch verkündet wurde. Eine dreifache Mutter aus Waldkraiburg, Ende dreißig, sportlich, gepflegte Erscheinung, musste nach der Urteilsverkündung erst einmal ein paar Tränen wegdrücken. Sie war wegen eines Vorfalls im Mai 2017 angeklagt: Der Vorwurf lautete gefährliche Körperverletzung.

Damals soll sie einen jungen Mann angefahren haben, der daraufhin auf die Motorhaube ihres Fahrzeugs aufgeprallt sein soll. So lautete zumindest die bei der Polizei zu Protokoll gegebene Version des jungen Mannes. Die Mutter wiederum behauptete, der junge Mann habe mit der Faust kräftig auf ihre Motorhaube geschlagen, dann gegen die Beifahrertür gehauen und sich schließlich vor ihren Wagen gelegt, um sie zum Anhalten zu bewegen.

Das Ganze hatte natürlich auch eine Vorgeschichte: Die Familie war mitten im Umzug. Ihre beiden Söhne halfen, Waschmaschine und Kisten vor der Tiefgarage ihres Wohnblocks ins Auto zu laden und auf einem Anhänger zu verstauen. Als auf dem Parkplatz nebenan ein lautstarker Streit zwischen einem Paar entbrannte, ging die Mutter auf die Streitenden zu und fragte die Frau, ob sie Hilfe benötige. Hilfe war nicht erwünscht und so lud die Familie weiter ihre Kisten ein.

Kurze Zeit später kam es dann aber zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen dem jungen Mann, der in dem Streit verwickelt war, und dem ältesten Sohn der Angeklagten, der sich in der Zwischenzeit wohl in das Geschrei des Paares eingemischt hatte.

Handgemenge zwischen jungen Männern vor Jugendgericht verhandelt

Der Sohn hatte ein Messer in der Hand, was dem streitenden jungen Mann aber nicht weiter imponierte. Er schlug mit seinem Motorhelm nach dem Sohn. Die Lage beruhigte sich dann aber wieder. Während dieses Handgemenge bereits vor einem Jugendgericht verhandelt wurde, kam es später auch zu einer Anzeige gegen die Mutter.

Als diese mit ihren beiden Söhnen nach dem Umzug mit dem Auto samt Hänger abfahren wollte, kam der junge Mann laut der Aussage der Mutter auf ihren Wagen zu, schlug mit der Faust zuerst gegen die Motorhaube, dann gegen die Beifahrertür und legte sich schließlich vor das Auto. Er wollte sie wohl am Wegfahren hindern.

Als Zeuge vor Gericht ist der junge Mann aber nicht erschienen. Das hielten am Ende aber weder die Staatsanwältin noch Richter Florian Greifenstein für notwendig: Sämtliche Zeugenaussagen ergaben keinerlei Hinweis darauf, dass die Mutter den jungen Mann angefahren und dabei verletzt haben könnte. Die Delle auf der Motorhaube stammt nicht von einem Aufprall, sondern wohl von einem Faustschlag, so das Gericht.

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