Waldkraiburg – Das ganze Jahr war er fit. Doch zwischen den Jahren hat es den Bürgermeister erwischt. „Ich hatte Urlaub. Am ersten Weihnachtsfeiertag waren wir noch Ski fahren. Danach bin ich vier Tage flachgelegen, mit Fieber“, verrät Robert Pötzsch eingangs des Interviews zur Jahreswende 2018/19 in seinem Büro im Rathaus. Und auf seine typisch trockene Art setzt er hinzu: „Das muss auch mal sein.“
Vermutlich ist es so. Vermutlich hat der Körper Signale gegeben und eine Auszeit eingefordert. Das kennt jeder, nach einem besonders intensiven, anspruchsvollen, stressigen Zeitabschnitt. Und als solcher kann das Jahr 2018 in der Stadtpolitik sicher gewertet werden. Großprojekte haben dieses Jahr bestimmt und kontroverse, emotionale Debatten um Waldbad, Rathaus und andere schwierige Themen.
Zum ersten Mal gab es einen Bürgerentscheid in Waldkraiburg und wenige Monate später einen in Aschau, der noch knapper und nicht nach dem Geschmack des Waldkraiburger Bürgermeisters ausging.
Jetzt gehe es darum, mit dem Ergebnis so umzugehen, dass eine gute Lösung für Waldkraiburg herauskommt. Pötzsch ist nach wie vor davon überzeugt, dass er das mit dem Stadtrat, der Verwaltung und den Bürgern hinkriegt. Den Bürgerentscheid wertet er als ein Signal. Damit werde eine grundlegende Frage aufgeworfen: Wie können heute in der Kommunalpolitik Entscheidungsprozesse unter Einbeziehung der Bürger so gelingen, dass es erst gar nicht zu Bürgerbegehren kommt. Beim Rathaus, so findet Pötzsch, sei das bestens gelungen. Die Variante Neubau am Stadtplatz, auf die sich der Stadtrat verständigt hat, sieht er als Top-Lösung und den Entscheidungsprozess als Vorbild für das Waldbad.
Ohne Wenn und Aber verteidigt er im Interview den Kurs beim Geschosswohnungsbau, der Kritikern zu schnell geht, den sie für überdimensioniert halten. Waldkraiburg brauche Zuzug von jungen Leuten. Und Waldkraiburg komme mit den damit verbundenen Herausforderungen in Schulen und Kitas zurecht. Das habe sich nicht nur bei der neuen städtischen Kita gezeigt. Endlich gehe die Stadt auch den Sanierungsstau bei den Schulen an.
Eine große Enttäuschung bleibt für ihn bislang das angekündigte Forschungszentrum. Noch immer gebe es dazu keine ausreichenden Informationen. Und Pötzsch äußert den Verdacht, es habe sich da wohl um „Wahlkampfgeplänkel“ vor der Landtagswahl gehandelt.
Das Interview mit dem Waldkraiburger Bürgermeister, der bekräftigt, bei der Bürgermeisterwahl 2020 erneut für die UWG anzutreten, lesen Sie auf der folgenden Seite.