Jeder Erinnerungsarbeit wohnt ein Schritt zur Versöhnung inne

von Redaktion

Es gibt Ereignisse, die können nicht aus dem Gedächtnis gestrichen werden, ja selbst dann nicht, wenn nur mehr wenige da sind, die sie erlebt haben. Darum begeht man in Waldkraiburg den Gedenktag der Zwangsverschleppung Rumäniendeutscher nach Russland im Januar 1945.

Waldkraiburg – Die Fahnenabordnungen der Egerländer, der Banater Schwaben, der Krieger- und Soldatenkameradschaft, der Siebenbürger Sachsen, der Böhmerwäldler und die Banater Bläsergruppe haben sich am Vertriebenendenkmal eingefunden, um dieser Gedenk- feier einen würdigen Rahmen zu geben.

Eingeladen hatte Georg Ledig, Kreisvorsitzender und Vorstand der Banater Schwaben in Waldkraiburg, um an die Frauen und Männer zu erinnern, die mit Beginn des 15. Januar 1945 Opfer der Zwangsverschleppung Rumäniendeutscher nach Russland geworden waren.

Das Banat, begrenzt durch Donau, Theis, Marosch und der Ostgrenze Siebenbürgens, war damals besonders betroffen. Von den dort seit 1720 siedelnden Deutschen konnten im August 1944 noch 70000 evakuiert werden oder flüchteten nach Österreich und Deutschland.

Zu Beginn der Jahres 1945 wurden 40000 Menschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt, von denen weniger als die Hälfte zurückkehrte.

„Betroffen von dieser Evakuierung waren die Deutschen in ganz Südosteuropa und erst nach Jahrzehnten kehrten die letzten Überlebenden zurück“, so Ledig in seinen einführenden Worten. „Vor die Tür gesetzt zu werden war das Schicksal vieler heimatvertriebener Bürger Waldkraiburgs“, erinnerte Bürgermeister Robert Pötzsch in seinem Grußwort. Doch was die nach Russland Verschleppten erdulden mussten, sei unfassbar. Ihrer zu gedenken heißt deshalb, sich gegen das Schicksal zu wehren, in Vergessenheit zu geraten.

Ein solches Gedenken sei auch in unserer Zeit angebracht, beispielsweise an die Soldaten der Bundeswehr, die bei Auslandseinsätzen ums Leben kamen. „Wir müssen uns der Verpflichtung stellen, uns zu erinnern und nach Erkenntnissen zu fragen, die die Geschichte bereit hält“, so der Bürgermeister.

In seiner Gedenkrede forderte Landrat Georg Huber auf: „Unrecht darf niemals mit Unrecht vergolten werden, auch das nicht an den zahllosen Menschen aus Jugoslawien, Ungarn und den Gebieten östlich von Oder und Neiße, was weniger bekannt ist.“

Wie die Rumäniendeutschen fielen tausende Menschen den Reparationsforderungen Stalins zum Opfer. Ohne Ankündigung in Viehwaggons abtransportiert, verbrachten sie Jahre des Martyriums in sowjetischen Zwangslagern. Fast jeder Sechste kam dabei um und die Rückkehrer fanden ihre Heimat, von Fremden besetzt. Sie kamen zu Familien und vor allem zu Kindern, die jedes Urvertrauen verloren hatten, zurück.

„Deshalb ist das grundlegende Prinzip das friedliche Miteinander gerade beim Wiederaufkommen nationalistischer Strömungen“, so Huber. Jeder Erinnerungsarbeit liege vor allem auch ein Schritt zur Versöhnung inne.

„Die Heimatvertriebenen Waldkraiburgs und in ganz Bayern sind dafür das beste Beispiel: Es wurden neue Gemeinschaften gegründet zum Wohl der gesamten Region“, ist der Landrat überzeugt.

Nach einem gemeinsamen Gebet und dem Segen forderte Pater Walter Kirchmann auf, jedem Unrecht gegenüber wachsam zu bleiben und er wünschte Frieden in Deutschland, Europa und der Welt.

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