Aschau/Waldkraiburg – Geht ein Cowboy zum Frisör….. Egal, ob der Witz wirklich lustig ausgeht, oder nicht, zumindest ein Schmunzeln sollte drin sein. Zum Lachen braucht man eigentlich keinen Grund. Kinder tun es dauernd, finden es unglaublich witzig, in einer Pfütze rumzuspringen und sich von oben bis unten einzubären. Und lachen sich über sich selbst scheckig.
Lachen ohne Grund – darum geht es beim Lachyoga. Die vom indischen Arzt Dr. Madan Kataria im Jahr 1995 entwickelte Methode besteht aus Atem- und Dehnübungen, pantomimischen Gesten und dem Hoho-Hahaha-Klatschen. Man lacht, bis das Gehirn Glückshormone ausschüttet.
Expertin auf diesem Gebiet ist Dagmar Löbbert. Im Haus ihrer Familie in Aschau wird viel gelacht. Seit Dagmar Löbbert (42) vor etwa acht Jahren mit dem Lachyoga begonnen hat, hat sich vieles in ihrem Leben zum Positiven verändert. „Viele Menschen kommen durch schwere Schicksalsschläge zum Lachyoga“, so Löbbert, die 2011 einen Bericht über Lachyoga im Fernsehen sah und daraufhin sofort Feuer und Flamme war.
Obwohl sie mit ihrer Tochter im achten Monat schwanger war, nahm sie aktiv am Lachyogatraining teil. „Geschadet hat es meinem Kind nicht. Bei uns wird viel und gerne gelacht“, lächelt sie und erklärt, die Verfassung der Mutter während der Schwangerschaft überträgt sich auf das ungeborene Kind.
2015 absolvierte sie in München ihre Ausbildung zur zertifizierten Lachyogatrainerin. Dass Lachen medizinisch auch für echte Wunder sorgt, bestätigt die Gelotologie (Wissenschaft des Lachens).
Auch Löbbert selbst kann dies bestätigen, denn die studierte Psycholinguistin wendet dies auch in ihrer Tätigkeit in einer logopädischen Praxis an. Positive Auswirkungen des Lachens auf den Körper sind zum Beispiel Stärkung der Abwehrkräfte, Aktivierung der Stimmbänder, Erhöhung des Lymphflusses, Stimulation des Stoffwechsels, Normalisierung des Blutdrucks, bessere Durchblutung der inneren Organe und Senkung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels. Für die Psyche ist Lachen purer Balsam.
Durch die vermehrte Ausschüttung von Neurotransmittern werden vermehrt Glücksgefühle ausgeschüttet. Lachen also ist ein Stress- und Schmerzhemmer.
Positive Emotionen nehmen zu, während negative Emotionen wie Angst und Depressionen nachweislich abnehmen, erklärt sie. Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Kreativität und Problemlösungsstrategien nehmen zu. Die Lernleistungen verbessern sich und es fällt leichter, Stress zu bewältigen.
Laut Löbbert fördert Lachen kooperatives Verhalten und verstärkt die Gruppenidentität. Kurzum: Lachen verbindet, baut Blockaden ab und bringt Menschen einander näher. „Gerade bei Prüfungsstress kann es sehr effektiv sein, wenn man vor der Prüfung ein paar Lachübungen macht. Das baut Stress und Ängste ab“, so Löbbert. In ihren Lachyogakursen bekommt sie durchweg positive Rückmeldungen.
Die fröhliche Aschauerin vermittelt den Menschen in ihren Kursen die Grundregeln des Lach-Yogas. „Wir lachen nicht, um zu unterhalten. Wir lachen für unsere Gesundheit“, lautet eine der Regeln. Auch vertritt Löbbert die Meinung, dass jeder lachen kann. Vor allem miteinander.
Eine weitere Grundregel lautet „Lache mit jedem Menschen, frage nicht, ob er klug oder dumm, ob er arm oder reich ist. Frage nicht nach seinem Glauben, seiner Hautfarbe oder seiner Nationalität.“
Löbbert möchte die Menschen glücklich machen. 2017 absolvierte sie eine Clownausbildung. Sie plant, künftig als Clown in Krankenhäuser zu gehen und Menschen aufzumuntern.
„Es ist mir ein Herzenswunsch, dass vor allem Kliniken die Wirkung des Lachens erfolgreich in der Medizin anwenden. Aber auch im Berufsleben ist Lachen so enorm wichtig, was Arbeitgebern leider zu wenig bewusst ist“, sagt die fröhliche Frau. „Fakt ist schließlich, dass glückliche Mitarbeiter gute Mitarbeiter sind“, setzt sie fort.
Versteht es ein Chef, Lach-Yoga-Veranstaltungen in seinem Unternehmen zu ermöglichen, bekommt er eine Erhöhung der Motivation und Leistungsfähigkeit sowie eine Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeiter. Von einer Verbesserung des Betriebsklimas ganz zu schweigen. Es wirkt wie eine Teambuilding-Maßnahme und erhöht die Arbeitszufriedenheit. Das wiederum steigert die Kreativität und reduziert am Ende auch die Mitarbeiterfluktuation.
Ihr Tipp für den Joballtag: Lauthals lachen. Das gibt der Produktivität einen Schub und lockert die Gedankenmuster. In vielen Ländern werde Lachyoga bereits erfolgreich in Organisationen und Unternehmen eingesetzt, weiß sie zu berichten.
Jeder kann lachen – auch ein Griesgram
Wer seinem Geist und Körper etwas Gutes tun möchte, kann sich bei Löbbert zum Lachyogakurs anmelden. Willkommen ist jeder, egal ob er eine Frohnatur ist oder eher griesgrämig. Sobald die Aschauerin mit ihrer Trainingseinheit beginnt, fallen die Vorbehalte.
„Zur Teilnahme beim Lachyoga benötigt man keine Vorkenntnisse. Jeder kann lachen“, sagt Löbbert. Ihre Kurse sind humorvoll aufgebaut. Es werden pantomimische Lachübungen gemacht, Klatschübungen und intensiver Blickkontakt wird hergestellt. Das bringt das Eis schnell zum Schmelzen. Selbst ernste und zurückhaltende Menschen können sich irgendwann nicht mehr verkneifen, doch mitzulachen.
Löbbert strapaziert gerne die Lachmuskeln ihrer Mitmenschen. „Ein Lächeln kostet nichts, aber es bewirkt Großes“, sagt sie.