Aschau – Welche Hochzeitsgesellschaft macht das mit: Nach 22 Uhr dürfen die Fenster des Festsaals nicht mehr geöffnet werden, weil es der Immissionsschutz verbietet. Auch das Zuschlagen der Autotüren und das An- und Abfahren vom Parkplatz nach dieser Uhrzeit ist inzwischen ein großes Problem. Vor allem für den Wirt, der das Haus betreiben soll. Gibt es einen Gastronom, der seinen Umsatz zwischen 17 und 22 Uhr machen kann, um davon zu leben?
Diese Thematik macht letztendlich auch dem Pichlmeier den Garaus. Der Betrieb ruht seit Herbst 2015. Der Gemeinderat diskutierte in der Sitzung, wie es mit dem Wirtshaus, das nun der Gemeinde gehört, weitergehen soll. Mit drei Gegenstimmen (Daniela Reingruber, Ernst Doleschal und Michael Niedersüß) beschloss das Gremium, die Wiederaufnahme eines Gaststättenbetriebes nicht weiterzuverfolgen.
Bürgermeister Alois Salzeder hatte zuvor aus der Stellungnahme des Landratsamtes bezüglich der Überschreitung der Immissionswerte nach 22 Uhr zitiert. Zudem müsste ein Parkplatz für 60 Autos geschaffen werden – der Abstand zu Wohnungen muss mindestens 15 Meter groß sein.
Es ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, Millionen für ein Wirtshaus auszugeben
Anschließend debattierten die Gemeinderäte, ob ein Wirt mit der 22-Uhr-Begrenzung, die einer Sperrstunde gleichkommt, überhaupt eine Chance hat.
Thomas Wintersteiger sagte, aufgrund des Lärmschutz-Gutachtens sehe er an diesem Standort keine Zukunft für einen Gaststättenbetrieb. „Wir haben im Ort ja eine Wirtschaft“, sagte er mit Hinblick auf die Brauerei Ametsbichler, „mal sehen, was da in Zukunft geht“.
Ernst Doleschal stellte fest: Die kritische Zeit ist ja erst nach 22 Uhr. Er verwies auf einen Brief, den Bräu Georg Ametsbichler an die Gemeinde geschrieben habe. Der befürworte, dass an dieser Stelle wieder ein Wirt sei. Er verwies auch auf die Möglichkeit, einen Verein zu gründen und die Gastronomie bis 22 Uhr zu betreiben; ihr einen kulturellen und historischen Anstrich zu geben, wo etwa alte Techniken der Lebensmittelherstellung gepflegt werden.
„Es ist doch unrealistisch, dass die Veranstaltungen in Saal und Gaststube so getrimmt werden, dass sie um 22 Uhr enden“, sagte Bürgermeister Salzeder und verwies auf Hochzeiten oder Disco-Partys, die auch noch einen hohen Stellplatzbedarf haben.
Er nannte die verschiedenen gastronomischen Möglichkeiten, die es sonst noch in Aschau gebe – was mancher Bürger eher als Provokation empfindet. Was hilft eine Burger-Bar, wenn man eine „Greamess‘“ hat?
Salzeder sagte, die großen Hochzeiten im Ort gehen zurück. Im vergangenen Jahr gab es nur noch drei kirchliche Eheschließungen. „Ich sehe den großen Wirtshaus-Bedarf nicht“.
Hans Baumgartner räumte ein, es sei schwierig, einen Wirt zu finden, der so ein Konzept mit einem Schluss um 22 Uhr mitmache. „Viele Wirte machen ja auch erst um 17 Uhr auf.“
Daniela Reingruber berichtigte: „Das ist kein Gutachten, sondern eine Ersteinschätzung des Landratsamtes.“ Man sollte dringend nach allen Möglichkeiten suchen, wie man den Veranstaltungssaal im Ort erhalten kann. „Es ist blöd, wenn man zum Leichenmahl nach Rattenkirchen ausweichen muss. Von so einer Einschätzung des Landratsamtes muss man sich nicht beeindrucken lassen“, sagt sie.
Walter Kirsch: „Ich sehe keinen Grund, warum wir das Schreiben des Landratsamtes nicht als Entscheidungsgrundlage nutzen sollten.“ Es scheitere an den Parkplätzen und dem Lärm.
„Wir operierten beim Landratsamt ja mit anderen Zahlen, sprachen von einem Saal für 200 Leute. Vielleicht gibt es Abstufungen“, entgegnete Reingruber. Statt alles umzureißen, könnte man den Innenhof so gestalten, dass er dem Lärmschutz gerecht wird. „Wir können doch nicht einfach ,Nein‘ sagen, nur weil es der einfachere Weg ist.“
Warum gibt es noch keine Bürgerinitiative „pro Wirt“?
Wintersteiger betonte, es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, ein paar Millionen Euro auszugeben, um ein Wirtshaus zu stellen. Günther Manz, dem auch ein Gasthaus am liebsten wäre, warf ein, dass sich die Wirtshauskultur stark verändert habe. Er wollte vor ein paar Jahren mit seinem Firmling zum Essen zum Pichlmeier. „Wir waren alleine da drin.“ Er fragte, ob die Aschauer, die so vollmundig sagten, „einen Wirt bringen wir jederzeit her“, etwas dergleichen taten. Salzeder schüttelte den Kopf. Generell habe es einen ernsthaften Interessenten gegeben. „Was er sich erdachte, ließ sich aber nicht realisieren.“
Josef Edtmüller sagte, das Wirtshaus sei nach dem Krieg auf alten Fundamenten errichtet worden. Das Areal müsste anders genutzt werden, um einen Parkplatz für 60 bis 70 Autos zu schaffen, was teuer werde. Eine Tiefgarage – die für ihn nicht infrage käme – wäre erforderlich und sehr kostenintensiv.
Der Stadl müsste beispielsweise weg und weitere Maßnahmen seien erforderlich. „Da wär man schnell bei fünf Millionen Euro. Die Gemeinde hat nicht die Aufgabe, für einen Wirt so viel Geld auszugeben.“
Gertraud Langbauer hätte am liebsten auch einen Wirt. Aber sie verstehe die Zwänge. „Bei so einer engagierten Bürgerschaft wundere ich mich, dass es noch keine Bürgerinitiative pro Wirt gibt. Etwas, das man unterstützt und nicht verhindert“, stichelte sie.
Salzeder sagte, dass man sich nicht verschließe, wenn bei einem Architekten-Wettbewerb herauskomme, dass eine kleine Gastro-Nutzung wie ein Alten-Café – vielleicht im Gewölbe sinnvoll und machbar wäre.
Das Thema „Heimatmuseum im Stadl“, das Bert Brunner angeregt hatte, war schnell vom Tisch. Einstimmig. „Das, was der Bert und sein Team bei den Geschichtstagen auf die Beine gestellt haben, war toll. Aber sehr zeitaufwendig. Ich sehe nicht, dass außer diesem kleinen Team sich Leute finden, die sich in einem Museum engagieren.“
Reingruber kritisiert Pläne: Sind wir alle total verblendet?
Bärbel Bischoff regte an, die vielen schönen alten und erhaltenswerten Gegenstände einzulagern, damit man sie in irgendeiner Form Kindern noch zeigen könne.
Reingruber sehe nicht die Möglichkeit für ein Museum und sprach vom „staubigen Charakter“. Sie schlug vor, besondere Exponate in die neue Planung zu integrieren. Bürgermeister Salzeder warf in die Runde, erst mal alles in einem Depot aufzubewahren. Vielleicht könne man mit der neuen Planung ein Museumsstüberl schaffen und den alten Sachen dort einen Platz geben.
Langbauer sagte, in Amerang und Massing habe man nach einer halben Stunde Fahrtzeit, alles was man Kindern zeigen will, in einem tollen Bauernhausmuseum. Bert Brunner zeigte sich einsichtig. Ihm würde das Depot reichen.
Wie geht es nun weiter? In der Sitzung – hitzig. Die künftige Nutzung wurde kontrovers diskutiert. Am Ende einigte man sich darauf, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die alle Themen und Ideen erörtert, auch Anregungen der Bürger aufnimmt. Und am Ende Vorgaben auflistet, die die Rahmenbedingungen für den Architektenwettbewerb werden.
Bürgermeister Salzeder wies auf die Möglichkeit hin, ein Wohnbauprojekt für betreutes Wohnen, aber auch für Familien, und eine Begegnungsstätte (eventuell kleines Café) zu schaffen. Das kommunale Wohnbauförderprogramm biete hier 30 Prozent Zuschüsse.
„Sind wir alle total verblendet? Ich bin entschieden gegen Wohnungsbau, vor allem sozialen Wohnungsbau. Das ist ein Platz der Öffentlichkeit in der Ortsmitte. Da kann man doch nicht alte Bauten wegreißen und neue Wohnungen hinstellen“, kritisierte Reingruber.
Stefan Kirchbuchner widersprach. Es handle sich nicht um sozialen Wohnungsbau, sondern um kommunale Wohnbauförderung. Salzeder sagte, es gebe Architekten, die können Altbau und Neubau schön kombinieren. „Darum ja ein Wettbewerb“, so Bischoff. Reingruber fürchtet, das Areal werde so „greislig, wie das an der Hauptstraße“. Kirsch rügte sie dafür. Schließlich werden die Ideen erst mal im Arbeitskreis erarbeitet. Doleschal fürchtet, der Ortsteil verliere seine Identität. „Wenn irgendjemand eine andere zündende Idee hat, bin ich nicht abgeneigt“, so der Bürgermeister.
Manz verwies auf die Aussage eines Architekten, der sagte, man könne den Charakter des Gebäudes erhalten. Baumgartner ergänzte, man könne heute so bauen, dass es der alten Kubatur sehr ähnlich sehe.
Gertraud Langbauer möchte das Thema nicht übers Knie brechen und dem nächsten Gemeinderat überlassen. Salzeder erklärte, wenn man sich im Arbeitskreis nicht einigen könne, rutsche das Thema sowieso in die nächste Periode.