Wintermärchen ist vorbei

von Redaktion

Kennen Sie das auch? Trotz bester Vorsätze zum Jahreswechsel wird doch nicht alles anders: Melden sich Probleme und andere Misslichkeiten im neuen Jahr wieder, wie im Märchen der Igel dem verdutzten Hasen: „Ich bin schon hier!“ Das ist im politischen Leben nicht anders als im privaten. Frag nach bei der Waldkraiburger SPD, bei der die fraktionsinterne Kommunikation gar nicht mehr reibungslos funktionieren mag.

Besonders schwierig, fast unmöglich ist das offensichtlich beim Waldbad. Da war eine Mail zur weiteren Vorgehensweise des Stadtrates in dieser Thematik nachweislich am Donnerstagnachmittag vergangener Woche von Fraktionssprecherin Engelmann an die SPD-Stadträte gegangen. Und der Zweite Bürgermeister und SPD-Stadtrat Richard Fischer will die Information bis zum Donnerstagabend noch immer nicht erhalten haben, weshalb er mit zwei Fraktionskollegen forsch mit einem Antrag zur Sanierung des Waldbads vorpreschte. So ein Malheur! Und noch ein Argument, um schnelles Internet in Waldkraiburg zu beschleunigen.

Ein anderer Fall von Altlasten aus dem Vorjahr, die sich mit Silvester und Neujahr nicht einfach in Luft auflösen: Der EHC Waldkraiburg hat sich das böse Erwachen für das neue Jahr aufgespart. Im dritten Jahr nach dem Aufstieg in die Oberliga ist klar: Das Waldkraiburger Wintermärchen ist vorbei. Jetzt gilt die Devise: Retten, was zu retten ist! Aufgrund der sportlichen Misere und des Zuschauerschwunds musste der Verein die Notbremse ziehen und Spieler ziehen lassen. Um nicht den Eishockeysport in Waldkraiburg insgesamt an die Wand zu fahren.

Nun kann man sicherlich der Vereinsführung, die sich seit vielen Jahren mit großem Zeit- und bisweilen auch Finanzaufwand ehrenamtlich engagieren, in dieser Saison ankreiden, dass sie bei den Verpflichtungen nun wirklich nicht immer ein glückliches Händchen hatte. Eines aber kann man ihnen nicht vorwerfen: vor der Saison ein Risiko eingegangen zu sein. Alles andere als eine realistische Chance auf die Meisterrunde hätten die Zuschauer nämlich von vorneherein nicht mehr akzeptiert.

Heute weiß man: Das Risiko war zu hoch. Und wird es auch bleiben, so lange der Club keinen Hauptsponsor an Land ziehen kann. Denn allein über die Zuschauereinnahmen lässt sich selbst in guten Jahren Eishockey in der dritthöchsten Liga nicht mehr finanzieren. In dieser kranken Klasse kriselt es bei einigen Clubs.

In der Vergangenheit sind die „Löwen“ in solchen Situationen ins Bodenlose abgestürzt. Wenn die Vorstandschaft, die sich nicht aus der Verantwortung stiehlt, einen geregelten Abstieg in die Bayernliga hinkriegt, wäre das nicht nur eine Waldkraiburg-Premiere, sondern aller Ehren wert. Vieles spricht dafür, dass sich der Verein in der Bayernliga bald wieder fangen kann.

Ein Auf und Ab – auch in der Stadtpolitik wird das im neuen Jahr so bleiben wie bisher. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass es eines Tages drei Hotels in der Stadt geben könnte. Jahrzehntelang sind alle Initiativen gescheitert, die Bettenkapazität zu erhöhen. Weil der Bedarf so ungünstig eingeschätzt wurde. Jetzt hat ein mutiger privater Investor in wenigen Jahren ein zweites Hotel am Stadtplatz etabliert. Da klopft schon ein weiterer an, der ein Hotelprojekt in der Berliner Straße vorantreiben will.

In Waldkraiburg sind oft besonders dicke Bretter zu bohren. Welch enge Grenzen der Entwicklung gesetzt sind, zeigte sich in dieser Woche an den Planungen für ein Gewerbe- und Wohngebiet beiderseits der Prießnitzstraße. Unter schwierigsten Voraussetzungen, vor allem im Hinblick auf den Lärmschutz, müssen diese Grundstücke entwickelt werden. Denn da gibt es keine großen Reserveflächen am Stadtrand. Mangels Alternativen muss die Stadt dieses Areal zwischen Volksfestplatz, Einkaufsmärkten und Feuerwehr anfassen.

Apropos dicke Bretter: Die witzigste Eröffnung einer Gremiensitzung im neuen Jahr kann zweifellos der Kraiburger Bürgermeister Heiml für sich reklamieren. Eine Dreiviertelstunde wurde im Rathaus nicht öffentlich im Gemeinderat diskutiert, ach was, gestritten. So laut, dass es nur den Schwerhörigsten unter den wartenden Besuchern vor der Tür entgehen konnte. Dann stellte Heiml Öffentlichkeit her und scherzte: „Der erste Punkt der Tagesordnung ist der Einbau von schalldichten Türen im Sitzungssaal.“ Hans Grundner

Artikel 3 von 11