Waldkraiburg – „Wie will man das wieder gutmachen?“, fragt die Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion, die den Weg am Kanal wie viele andere Waldkraiburger und Landkreisbürger als Naherholungsbereich für Sport und Freizeit nutzt. „Umweltzerstörung ersten Ausmaßes“ hat sie dort ausgemacht.
Ein „wunderbares Gebiet“ für Kleintiere und Pflanzen sei verloren, seit der VERBUND die Böschung bis oben hin zubetoniert. „Es treibt einem die Tränen in die Augen.“ Dabei – davon geht die Stadträtin aus – führe der Kanal nur für einige Wochen mehr Wasser. Natürlich gebe es Ausgleichsmaßnahmen, weiß Engelmann. „Aber was hilft es uns, wenn irgendwo anders aufgeforstet werde.“ Sie fordert Kompensation „auf unserem Stadtgebiet“.
VERBUND
nimmt Stellung
Ihrer Forderung, der VERBUND müsse Stellung nehmen, erklären, welche Maßnahmen das Unternehmen nun einleitet, kommen Vertreter des Kanalbetreibers nach. In der nächsten Stadtratssitzung am 26. März werden sie Rede und Antwort stehen.
Und auf Anfrage unserer Zeitung stellte Wolfgang Syrowatka, der beim VERBUND für die Projektkommunikation zuständig ist, die Baumaßnahmen in den größeren Zusammenhang. Die Wasserkraft, das ist erklärtes politisches Ziel, soll ausgebaut werden. Zum Beispiel durch eine Steigerung der Effizienz der Bestandsanlagen. Eine Stellschraube ist die Erhöhung der Wassermenge im Kanal. Und dazu sei es notwendig, die Betonwände hochzuziehen und die Böschungen abzudichten, damit das Wasser nicht zur Seite wegläuft.
Weil dadurch ökologisch sehr wertvolle Magerstandorte verloren gehen, muss das Unternehmen im Verhältnis 1:1 anderswo – auf einer weniger wertvollen Fläche – zumindest gleichwertigen Ersatz schaffen. Das Unternehmen treffe da die „volle Härte“ des Gesetzes, konkret der Bayerischen Kompensationsverordnung. Die Baumaßnahme hätte erst gar nicht beginnen dürfen, ohne dass der VERBUND diese Ausgleichsflächen im Verfahren benannt und als Kompensationsmaßnahmen eingebracht hätte. Laut Syrowatka geht es im Fall des Innkanals um einen dauerhaften Kompensationsbedarf von etwa einem Dutzend Fußballfeldern.
„Es ist sichergestellt, dass die wertvollen Flächen auch in der Region erhalten bleiben.“ Zu einem erheblichen Teil auch in unmittelbarer Nähe des Kanals. Syrowatka nennt als Beispiel einen Maisacker hinter dem Damm, den das Unternehmen gekauft habe und nun entsprechend herrichte. „Nicht mit billigem Saatgut, sondern mit dem Humus und dem Druschgut, das wir vor Ort gewonnen haben.“
Ausgleichsfläche in unmittelbarer Nähe
Was die Höhe des Wasserspiegels angeht, widerspricht Syrowatka der Stadträtin. „In Summe wird sich die Wasserspiegellage höher darstellen, und das ganzjährig.“ Sehen werde man die Betonwände etwa ein halbes Jahr, „dann wenn man nicht genügend Wasser in den Kanal lassen kann“, glaubt Gerd Ruchlinski. Eine vorgegebene Restwassermenge muss bekanntlich im Inn verbleiben.
Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz und Umweltreferent des Waldkraiburger Stadtrates: „Mir gefallen die Wände auch nicht.“ Für Ruchlinski sind die Maßnahmen allerdings nicht überraschend. Das habe der VERBUND nicht anders angekündigt. Der Bund Naturschutz hatte Nachbesserungen angeregt, etwa damit Kleintiere, die ins Wasser fallen, sich leichter tun, wieder rauszukommen. Durch die raue Ausführung der Kanalböschungen werde dies erleichtert, sagt Unternehmenssprecher Syrowatka. Allerdings gehe es da um einen Teilaspekt. Denn die gewählten Maßnahmen seien das Ergebnis von Abwägungen aus ökologischen Verbesserungen, sicherheitstechnischen Anforderungen und dem Erhalt der Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit.
Die Arbeiten an der Böschung laufen laut Angaben des Unternehmenssprechers mit Rücksicht auf die Lebensräume und -zyklen der Tiere und Pflanzen noch bis April und werden im September wieder aufgenommen. (Siehe Kasten über den Konflikt zwischen Bund Naturschutz und VERBUND um einen seltenen Falter.)