Jungfräuliche Nasenlöcher auf der Alm

von Redaktion

Was es auf der Welt nicht alles gibt. Sogar jungfräuliche Nasenlöcher. Davon zumindest erzählen Otto und Bert vom Stammtisch der Schnupferer auf der Scheuerer-Alm. Die zwei Mannsbilder ziehen ihren Schmalzler nämlich immer nur in ein Nasenloch.

Aschau – Der Bert war es, der in seinem Wirtshaus vor einigen Jahren den Schnupftabak-Stammtisch gegründet hat. Jeden Dienstag treffen sich dort Gleichgesinnte, denen der Schnupftabak-Konsum offenbar bekommt. Die Männer schauen alle gesund und munter aus. Auch der 82-jährige Otto Schönstetter schwärmt vom Schmalzler und weiteren Tabaksorten, die er seit rund 50 Jahren begeistert schnupft.

Er liebt jeden Schnupftabak, nur nicht den in der stilechten Dose des FC Bayern München. „Die rote Dose fasst er als eingefleischter 1860er-Fan gar nicht an“, verraten seine Kumpane am Stammtisch. „Schuld“ an der Schnupferei beim Otto ist übrigens ein ehemaliger Kollege aus der Aschauer Blasmusik. „Der ließ nicht locker, bis ich mir ab und zu eine Prise genehmigte und irgendwann wurde die ganze Sache zur Gewohnheit“, gibt der Rentner rückblickend gerne zu. Schlitzohr Bert Wimmer glaubt gar, seine robuste Gesundheit hätte mit dem Schnupftabak zu tun: „Auf den Dosen und Packungen steht doch, der Tabak schadet nicht und macht tüchtig. Zumindest lese ich das so“.

Ein anderer in der Runde trumpft mit einer weiteren Weisheit auf, die da lautet: „Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker“. Mit derlei Einstellungen lässt es sich auf alle Fälle beruhigt leben. Der Sepp möchte jedoch festhalten, dass er nicht oft schnupft und der „Schmai“ ihm sowieso erst ab der dritten Halbe schmeckt. Bei einem anderen Stammtischbruder schaut es leider etwas, nun ja, brenzlig aus.

Dieser Mensch, der namentlich nicht genannt wird, fällt in den Augen der Scheuerer-Schnupfgesellschaft unter die Kategorie Weichei. Den Grund dafür liefert Otto: „Der nimmt das tabakfreie weiße Pulver. Dieses Zeug ist doch höchstens was für Weiberleut aber nicht für Männer“.

Männer mit Testosteron im Blut greifen selbstverständlich zum scharfen Tabak und schnupfen gleich mehrere Prisen hintereinander. Nach der Schnupfaktion dauert es ein bisschen, bis sich das Bedürfnis zum erlösenden Schnäuzen einstellt. Freilich verwenden die Männer hierfür ausschließlich Papiertaschentücher. Sie sind nämlich einhellig der Meinung: Den Ehefrauen sei das Waschen von Schnupftabaktüchern auf Dauer nicht zuzumuten.

Die Schnupfbatterie am Dienstagsstammtisch kann sich sehen lassen. Um die 30 verschiedene Sorten stehen den Gästen kostenlos zur Verfügung. Den Wirt freut’s, wenn der eine oder andere Stammtischbruder im Internet wieder neue Mixturen entdeckt, die dann gleich eingekauft werden. Es gibt ja viele verschiedene Zusammensetzungen und Aromen, die hervorragend als Nasenkitzler dienen.

„Einen geweihten Tabak haben wir auch“, scherzt einer in der Runde und zeigt auf den „Kloster Andechs snuff“. Der Schmalzler, eine bayerische Spezialität, ist neben dem ursprünglich aus England stammenden „snuff“ der bekannteste Schnupftabak. Der Schmalzler wurde früher mit Butterschmalz verfeinert, daher rührt auch sein Name.

Die Freunde des Schnupftabaks haben auf der Scheuerer-Alm jedenfalls keinen Anlass, die Nasen zu rümpfen. „Hier gibt es alles, was wir brauchen“, meint Wolfgang zufrieden. Nur eines brauchen sie bei Gott nicht – und das ist eine Schnupfmaschine. „In unsere Nasenlöcher finden wir auch ohne Maschine hinein“, beteuern die Mannsbilder. Sie bekräftigen ihre Aussage gleich mit einer neuen Pris‘´, die schneller weg ist, als man schauen kann.

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