Schiff ahoi!

von Redaktion

Preisfrage: Was haben David Hasselhoff und Robert Pötzsch gemeinsam? Zu wenig, findet der Bürgermeister. Und deshalb ist er beim Stadtball unter dem Motto „Die 80er-Jahre“ dann doch nicht als muskelbepackter Wassermann in den Großen Saal im Haus der Kultur gesurft.

„Schauen Sie mal, wie der damals aussah“, sagte er im schwarzen Anzug. Und zeigte auf ein weit verbreitetes Foto von der legendären Baywatch-Truppe, das wir neulich – leicht verfremdet – auch mal in der Zeitung hatten. Pötzsch zog die Konsequenzen und entschied sich stattdessen für einen Auftritt als langhaariger Inntal-Ballerino.

Ach ja, die 80er. Was waren das für Zeiten! Der Bürgermeister ließ sie noch einmal aufleben, für die Politprominenz: Landrat Georg Huber, der als Bürgermeister von Schwindegg in dieser Dekade erste Erfahrungen in der Kommunalpolitik sammelte; Landtagsabgeordneter Marcel Huber, der damals seinen Tierdoktor zum Thema „Untersuchungen über Klauenparameter an Jungbullen in den bayerischen Eigenleistungsprüf-anstalten“ machte und dabei vermutlich schon hilfreiche Erkenntnisse für die bayerische Landespolitik im Allgemeinen und den Umgang in der CSU im Besonderen sammelte; oder Innenstaatssekretär Stephan Mayer, der sich wie der Bürgermeister selbst trotz Falco und Flippern, Breakdance und BMX auf Schule und Ausbildung konzentrieren sollte.

Nach der Schule war Pubertät, erste Liebe. Das hat Robert Pötzsch auch noch angedeutet, ehe er die Gelegenheit nutzte, seiner Frau Marion vor versammelter Schwarz-Weiß-Mannschaft die romantischste öffentliche Liebeserklärung zu machen, die der Stadtball in der jüngeren Geschichte gesehen hat.

Bürgermeister müsste man sein! Das denkt man sich auch bei der Waldkraiburger CSU. Je näher die Wahlen rücken umso mehr.

Neulich in der Jahreshauptversammlung der Partei fühlte es sich phasenweise fast so an wie früher. Als hätten einige bereits wieder den Kampfanzug angelegt, besser, die Schwimmwesten, um das große Dampfschiff Waldkraiburg zu entern.

Denn noch gibt das Bild, an dem sich Konrad, Stocker und Co. abarbeiten, der Bürgermeister vor. Es ist sein Lieblingsmotiv: der festgefahrene Kommunaltanker, der auf der Sandbank lag, bis er von der neuen UWG-Besatzung und Käptn Pötzsch auf der Brücke wieder flott gemacht wurde.

Ein Ozeanriese, der nach den Vorstellungen der CSU im nächsten Jahr wieder unter schwarzer Flagge fahren soll. Denn vielen „Schwarzen“ gilt das Ergebnis der Kommunalwahl 2014 bis heute als eklatanter Verstoß gegen die Regeln der christlichen Seefahrt. Ein klassischer Fall von Piraterie.

Ob es 2020 spannend wird auf dem Waldkraiburger See, darüber hat die Jahreshauptversammlung, in der viel Zuversicht zur Schau gestellt wurde, noch keinen Aufschluss geben können. Das hängt vor allem davon ab, ob die CSU einen Neustart und Generationenwechsel schafft und vor allem den Bürgern überzeugende Kandidaten präsentieren kann.

Doch eines steht fest: Wäre die Stadt nicht schon 2018 in See gestochen, die Kreuz-Fahrt im Wahljahr hätte ein zündendes Motto für den Stadtball 2020 abgegeben.Hans Grundner

Artikel 2 von 11