Schule und Wirtschaft in einem Boot

von Redaktion

Lernen vor Ort: Neujahrsempfang des Gymnasiums Gars – zugleich Bildungspakt

Gars – Die erwartet große Resonanz fand der Neujahrsempfang des Gymnasiums Gars, der wieder im Rahmen des Bildungspakts stattfand und als „Bildungsmesse“ ausstellende Firmen, Schüler der Oberstufe, Lehrer und eine interessierte Öffentlichkeit zusammenführte.

Seit seiner Gründung auf 50 mitwirkende Firmen angewachsen, hat der am Garser Gymnasium entwickelte und in seiner Art einmalige Bildungspakt, dessen Anfänge bis ins Jahr 2001 reichen, Modellcharakter für eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft: Einerseits kommen Schülerinnen und Schüler schon in der Oberstufe mit späteren Arbeitsfeldern in Kontakt und andererseits können Firmen informieren, Interesse wecken und sich als potenzielle Arbeitgeber präsentieren. Die erste Zielsetzung wird von den Garser Schülern sehr begrüßt, denn laut einer Umfrage waren 97 Prozent der Meinung, dass sie durch ihre Schule gut auf die spätere Berufsausbildung vorbereitet würden. Das zweite Ziel wird zweifelsfrei durch den Umstand bestätigt, dass heuer neben den staatlichen Institutionen Finanzamt und dem Landkreis mit „Lernen vor Ort“ schon 18 Firmen die Gelegenheit wahrnahmen, mit Informationsständen präsent zu sein und die Schüler, vorwiegend aus der 11. Jahrgangsstufe, qualifiziert zu beraten. Schließlich waren diese in ihren Kursen im Rahmen der Berufsorientierung eigens auf die Veranstaltung vorbereitet worden und hatten dazu individuelle Rechercheaufträge bekommen, eine Aufgabe, die sie sichtlich engagiert übernahmen.

Schulleiter Gunter Fuchs hob in seiner Begrüßung die Offenheit und Bereitschaft der Firmen der Region hervor, sich auf die Kooperation einzulassen und sie zu nachhaltigem Erfolg zu führen. Eingebettet in den Messebetrieb waren drei Impulsreferate, die nun schon zum dritten Mal von ehemaligen Abiturienten des Gymnasiums Gars gehalten wurden. Vom Schulleiter nicht zu Unrecht als hochinteressant und spannend angekündigt, erfüllten sie die beim Publikum geweckten Erwartungen in vollem Umfang.

Diplom-Ingenieur Stefan Högenauer, Bereichsleiter Straßenbau im Bauamt Rosenheim, beschrieb seinen beruflichen Werdegang nach dem Abitur im Jahr 1993, der ihn zum Studium nach München und Paris, als Baureferendar wieder nach München, dann in das Staatsministerium als Referent eines Staatssekretärs und schließlich als Bereichsleiter Straßenbau in das Staatliche Bauamt Rosenheim führte. Praxisnah und mit lokalem Bezug berichtete er über mehrere Projekte, die seine Behörde im Gemeindebereich Gars durchführte: die Sicherung der Staatsstraße nach Hangrutsch bei Daumoos durch das Referat Straßenbau und die Stabilisierung von Turm und Gewölbe der Klosterkirche Gars durch das Referat Hochbau.

Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin Sabine Sternischa, Abiturjahrgang 2004, referierte zunächst über die Grundthemen des fünfjährigen Psychologiestudiums, die sowohl den gesunden wie den kranken Menschen betreffen, und ging dann auf die vielfältigen Berufsfelder ein, zum Beispiel in der Werbung, in der Personalberatung, in der Klinik bis hin zur Beratung in Partnerschaft, Erziehung und neuerdings auch in der Flüchtlingsarbeit. In weiteren fünf Jahren könne man sich zum Psychotherapeuten ausbilden lassen und dann auch in der Psychiatrie arbeiten, so Sternischa.

Eine praktische Anwendung ihres fachlichen Wissens gab sie gleich dazu, indem sie die persönliche Situation der Schüler nach dem Abitur aufgriff und Chancen und Risiken der „neuen Freiheit“ in Ausbildung und Studium vor Augen führte. Schließlich gab sie wertvolle Tipps zur Berufsfindung und machte mit der Aufforderung „Geht euren Weg!“ den Schülern Mut, zu sich selbst und den eigenen Zielen zu stehen.

„Fernsehen ist das Wichtigste, was der Mensch nicht braucht“, war die provokante Feststellung von Stefan Otter, Executive Producer bei einer Münchner Firma für TV-Produktionen. Damit wies er auf die rasanten Veränderungen der Medienwelt hin, die unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben und auch auf Abläufe in Ausbildung und Berufsleben der in diesen Bereichen Tätigen hätten.

Konkret ließ er das Publikum an seinem Werdegang seit dem Abitur im Jahr 1999 teilhaben und ermöglichte einen Blick hinter die Kulissen seines Metiers. „Wir machen Programm, beim Sender wird es eher verwaltet“, so Stefan Otter. Ein wichtiger Arbeitsbereich sei für ihn „Factual entertainment“, also Fernsehproduktionen, die Unterhaltung mit „ernsten“, zum Nachdenken anregenden Inhalten verknüpften.

Als Beispiel zeigte er einen kurzen Videoausschnitt aus einer Sendung, die im Mai ins ARD-Programm kommen werde: Alfred Hirschhausen besucht ein Hospiz: Schwerkranke und Sterbende werden interviewt, und die Kamera steuert ungewöhnliche Bilder an der Schwelle zwischen Leben und Tod bei. Das Beispiel beeindruckte das Publikum, zugleich aber räumte der Referent ein, dass man sich immer wieder die Frage stellen müsse, ob Grenzen unzulässig überschritten würden. Abschließend empfahl er den Oberstufenschülern, auf dem Weg zum eigenen Beruf drei Phasen zu durchlaufen: Scheitern und Ausprobieren, Netzwerke knüpfen und schließlich: Experte werden. „Der Weg ist das Ziel“, so Stefan Otter überzeugt und mit dem Kierkegaard-Zitat: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts“, konnte er sich wohl der Zustimmung der Zuhörer sicher sein.

Die gute Organisation des Empfangs lag wieder in den Händen der Lehrkräfte für Wirtschaft, Andrea Dreßel und Norbert Ziche. Eindruck machte der überzeugende Auftritt des Vokalensembles, das drei Songs, einstudiert mit Musiklehrerin Simone Volkmann-Ziche, vortrug.

Für die Bewirtung sorgte in bewährter Weise der Elternbeirat, das reichhaltige Buffet hatten drei der beteiligten Firmen gesponsert.

„Bildungspakt Gymnasium Gars“

Der „Bildungspakt Gymnasium Gars“ besteht seit 17 Jahren und umfasst die Kooperation des Gymnasiums mit derzeit 50 Unternehmen der regionalen Wirtschaft. Aufgrund großen Interesses kommen alljährlich weitere Firmen hinzu, neuerdings das Ingenieurbüro Furch und die Firma Zosseder. Neben dem alljährlichen Neujahrsempfang, in dessen Rahmen seit mehreren Jahren eine kleine „Bildungsmesse“ stattfindet, ergeben sich für die Schüler während des ganzen Schuljahres zum Beispiel Möglichkeiten, die teilnehmenden Betriebe zu besichtigen, von Firmen zur Verfügung gestellte Praktikumsplätze zu bekommen oder auch betriebs- und unternehmensorientierte Seminararbeiten zu schreiben. Ehemalige Schüler sind an den Messeständen der Firmen tätig und beraten die angehenden Absolventen. Manche Firmen fördern auch schulische Projekte, die ohne ihre ideelle und materielle Unterstützung nicht verwirklicht werden könnten.

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