Waldkraiburg/Kraiburg – Mit drei Kipperladungen voller Erdaushub von der Schützenau in Kraiburg fing alles an. Alfred Hinterwimmer aus dem Waldkraiburger Ortsteil St. Erasmus ließ sich 1998 den Aushub nach Hause bringen, in dem man Jahre zuvor das Mosaik einer römischen Stadtvilla gefunden hatte, das heute in der archäologischen Staatssammlung in München gezeigt wird.
„Natürlich habe ich die erforderliche Genehmigung beim Eigentümer eingeholt, damit alles rechtlich einwandfrei war“, erklärt er. Er selbst fand damals in dem unscheinbaren Berg aus Erdreich zahlreiche Wandputzfragmente, Terra Sigillata, Terra Nigrascheiben, Mosaiksteinchen verschiedenster Farben und Größen, eine Silberdenare sowie verbogene Fibeln. Diese Funde sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was er im Laufe der Jahre entdeckte. Es folgten zahlreiche Münzen, Fibeln und noch vieles mehr.
Ausgerüstet mit einem hochwertigen Metalldetektor, einer Schaufel, einer kleinen Harke für harten Boden und einem Pinpointer, der bei Kleinfunden anschlägt, macht sich der passionierte Sondengänger aus St. Erasmus auf die Suche nach alten Schätzen beiderseits des Inns, aber auch im weiteren Umkreis.
Zu seinen historischen Funden zählen unzählige Münzen aus der Römer- und Keltenzeit, aber auch Zeugen späterer Jahrhunderte, Bajonette, viele Hufeisen, Bruchteile von Musketen und kleine Kanonenkugeln. Eine seiner ganz besonderen Entdeckungen, ein Signalhorn aus der Schlacht in Hohenlinden vom 3. Dezember 1800, wurde im Haager Museum ausgestellt.
„Man darf nicht glauben, dass man mit der Sondensuche den ganz großen Schatz findet. Das meiste ist wertloser Schrott und Müll“, erzählt er. Mühsam und anstrengend ist die Suche nach historischen Objekten, und doch bis heute eine Leidenschaft von Alfred Hinterwimmer geblieben.
Wie er zum leidenschaftlichen Sucher wurde? Seine Mutter habe früher schon im heimischen Garten nach Scherben und Münzen gesucht. 1996 kam der Trasener dann bei einem Flohmarkt mit einem Sondengänger ins Gespräch. Das führte dazu, dass auch er in seiner Heimat Geschichte entdecken wollte – und fand. Besonders stolz ist er auf „ein kobaltblaues Glasarmringfragment, gerippt mit Resten von gelben Fadenauflagen“ aus der Keltenzeit, der erste Fund auf Waldkraiburger Boden, den er dem Landesamt für Denkmalpflege meldete.
Dass Schatzsuche im wahrsten Sinne des Wortes eine bombenstarke Beschäftigung ist, davon weiß der 59-Jährige ein Lied zu singen. Im Laufe der Jahre spürte sein hochsensibler Detektor auch Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg auf. „Da wurde dann nicht das Landesamt verständigt, sondern die Polizei“, damit das ordnungsgemäß entschärft wird. Passiert ist nie etwas. Unterschätzen sollte man solche Funde aber nie. „Man muss grundsätzlich damit rechnen, dass sie auch scharf sein können.“
Hinterwimmer, der Krankenpfleger von Beruf ist, ist auf dem Gebiet der Sondensuche mittlerweile zum Experten geworden. Reich wird er durch seine Funde jedoch nicht, denn er arbeitet ehrenamtlich und hält sich strikt an die strengen Vorschriften, die bei der Schatzsuche zu beachten sind. „Es müssen Genehmigungen eingeholt werden und natürlich müssen die Funde gemeldet werden.“
Das frei zugängliche Informationssystem Bayern-Viewer-Denkmal gibt Auskunft, in welchen Gebieten nicht gesucht werden darf. Diese verbotenen Areale sind rot gekennzeichnet und für Sondensucher absolut tabu. Wer sich nicht daran hält, muss mit saftigen Geldstrafen rechnen“, weiß Hinterwimmer.
Jeden einzelnen Fund dokumentiert er genau und meldet ihn den Behörden. Die prüfen das Stück und fertigen ein Gutachten. Hinterwimmer arbeitet schon seit den 1990er-Jahren eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen.
Anerkennung für sein beeindruckendes Engagement erntet er auch vom Kraiburger Bürgermeister Herbert Heiml. „Das verdient großes Lob. Die Funde, die er der Gemeinde übergeben hat, sind vor allem hervorragend dokumentiert und fotografiert. Sicherlich sind auch schöne und alte Stücke dabei“, so Heiml. Zu der Wertigkeit der Funde könne er allerdings nichts sagen.
Ob der fleißige Sammler auch noch in Zukunft weiter nach Schätzen graben wird, steht in den Sternen, denn er weiß, dass es immer schwieriger für Leute wie ihn wird, Gebiete zu durchforsten. „Ich suche in meinem nächsten Leben weiter. Jetzt reicht es erst einmal.“