Narrengilde-Urgestein Karl Lehmann.
Kraiburg – Im Foyer wurden die Gäste mit einem Glas Sekt empfangen, bevor sie den dekorierten Saal betraten. Viele „Ehemalige“ mischten sich unter die kostümierten Besucher und genossen den Festabend, den die Hofmarschälle Christian Hausperger und Sepp Sax moderierten. „De junga Grünthaler“ lockten die Tanzlustigen aufs Parkett und mit einer Bilderpräsentation wurde Rückschau auf fünf Jahrzehnte gehalten.
Ihre flotte Parade mit Hebefiguren präsentierte die Marschgarde, und das Prinzenpaar Theresia I. und Andreas III. zeigte, was es kann. Einige Orden wurden vergeben: Für den „Weitpreis“ ging er an ein Pärchen, das aus Australien angereist war. „Narrengilde-Oma“ Gabi Kunz verlas ein Geburtstags-Gedicht und ihre gardetanzenden Enkelinnen Franziska und Magdalena Harrer präsentierten eine „Torte mit 50 Kerzen“.
„Biblisches Alter“ für Faschingsgesellschaft
Viele ehemalige Prinzenpaare marschierten dann mit dem „Narrengilde-Urgestein“ Karl Lehmann ein. In bewährter Manier hielt die „Faschingslegende hoch 3“ eine Geburtstags-Laudatio. Als „einer der Geburtshelfer“ gratulierte er dem „wunderbar chaotischen Haufen“ zu dem für eine Faschingsgesellschaft „fast biblischen Alter“. Dabei dankte er der Familie Alberer für die Anfangszeit, Anneliese und Schorsch Fischer für „über 40 Jahre Narrengilde“ und „unserem unglaublichen, sagenhaften Düsentriebwerk mit Turbolader und Nachbrenner“ Lieselotte Hofer sowie allen, die für „50 Jahre Narrengilde“ ihren Beitrag leisteten.
Lehmann wünschte weiterhin die Fähigkeit zur Veränderung und guten Zusammenhalt und kündigte dann „die schnellsten Mäuse von Mexico – die heißesten Bienen der letzten 50 Jahre“ an: Die extra gegründete Jubiläumsgarde „Golden Girls“ mit 27 Mädels und fünf jungen Männern – manche tanzten schon 1992 mit – brannte ein brillantes Show-Feuerwerk ab. Auch das „Heben und Fliegen“ hatten sie nicht verlernt. „Das reißt uns ‚Altnarren‘ vom Hocker“, grinste der Karl. Ebenso lieferte die „amtierende Garde“ eine grandiose Show mit prachtvollen Kostümen, Tanz-, Hebe- und Flugfiguren.
Zwei Prinzenpaare erinnern sich
Karl Lehmann, Ehrenhofmarschall und (mit seiner Frau Roserl) 1971 auch der erste Faschingsprinz der Narrengilde: „Ich war zur Anfangszeit der ‚Narrengilde‘ elf Jahre lang Hofmarschall, Vorstand, Kassier – alles in einem. Insgesamt war ich 25 Jahre hier aktiv. Die ersten zehn Jahre stand das ‚Leute derblecken und die Gaudi‘ im Vordergrund, Hofnarren und Hofstaat waren dabei – es war noch lustiger. Die Leute sind jetzt ‚dünnhäutiger‘ geworden. Die Garde war damals eigentlich nicht so wichtig. Dann ist immer mehr der Gardetanz gewachsen – was natürlich auch toll ist. Es ist jetzt gleich schön wie früher – bloß halt anders! Wir haben hier eine grandiose Garde; man sieht, dass es ihnen Spaß macht – ein besonderer Haufen! Für uns Ältere ist es schön, dass wieder viele junge Leute auf die Bälle gehen. Unserer phantastischen, unglaublichen, sagenhaften Kraiburger Narrengilde wünsche ich auch für die Zukunft alles Gute und Bestand! Eicha Karl, da oide Kraiburger Ehrengeneralhofmarschall!“
Heute sind Leute dünnhäutiger
Einige ehemalige Prinzenpaare kamen zum Festabend und brachten viele Erinnerungen mit, zum Beispiel:
Ingrid und Sepp Lamprecht (links), das Kraiburger Prinzenpaar 1972: „Es war früher – zu unserer Zeit – mehr ‚Gaudi und Freid‘ als jetzt, es wurden viele Witze erzählt. Heutzutage ist alles Show – was natürlich toll aussieht. Damals gab es ja nur eine Marschgarde, Motto war auch noch keines. Wir haben alles selbst gemacht, sogar die Orden, Dekoration und so weiter. In unserer Faschings-Regenten-Zeit hatten wir etwa 60 Auftritte – wir waren auch im ‚Narhalla‘ in München, im ‚Mirabell‘ in Salzburg oder in Burghausen auf der Bühne. Die Kraiburger Bälle fanden hier im ‚Deutschen Haus‘ statt.“
Sieglinde und Fred Huber (rechts) – Kraiburger Prinzenpaar 1975: „Zu unserer Prinzenpaar-Zeit war im heutigen BB-Haus nichts los – die Veranstaltungen fanden in der Schul-Aula statt. Mit der Marschgarde waren wir bei dem sehr kurzen Fasching, der nur etwa fünf Wochen dauerte, jedoch trotzdem zu rund 50 Auftritten in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs. Das Garde-Festival war ja früher im Waldkraiburger Zappe-Saal. Es war lustig damals im Fasching 1975, da fand auch zum ersten Mal der große Kraiburger Kappenabend statt.“Foto bac