Waldkraiburg – „Begrüßen Sie Ihren rechten Nachbarn laut und deutlich, dann einen, den Sie nicht so gut kennen, indem Sie ihn kühl anschauen.“ So eine der Aufforderungen des Kabarett- Duos Kahl und Aua an die zahlreichen Besucher, die die Bunkerkirche füllten – und schon war der Bann gebrochen. In der Folgezeit schauten die Zuhörer, frei nach Martin Luther, den beiden Kabarettisten bei ihrem Programm „Grenzhüpfen“ gebannt „aufs Maul“, um über ihre Sprüche und Lieder bei flotter Gitarrenmusik zu schmunzeln oder lauthals loszulachen.
Mr. EDV, alias Aua, alias Martin Mehltretter, gab seine Richtung vor: „Ich kenne mich gut mit Frauen aus, deswegen frage ich gleich, ob sie etwas von mir wollen.“ Dem hielt Pfarrer Günter Nun, alias Kahl, mit einem Blick auf seine Tochter, Vikarin Inga Nun, entgegen: „Ich gelte ja schon als evangelischer Aufzuchtpfarrer“, und ließ sofort den Song vom „Road Missioner“ folgen, bei dem ein vierstimmiger Publikumsgesang entstehen sollte.
Nahtlos ging es nach dem nachdenklich stimmenden Cowboy-Song weiter mit der siebenfachen Vertonung des 23. Psalms. Ob zu einer Howard-Carpendale-Melodie, zu Buckleys „Halleluja“ oder Bruce Channels „Hey Baby“ – stets erfolgte der selbstironische Hinweis: „Oh Schaf, bleib bei deinem Hirten“ und gipfelte in der Aufforderung: „Atemlos durch das Gras, doch dem Hirten macht das Spaß“. Selbst die 95 Luther-Thesen wurden mit „Sola gratia, sola fide“ in Kurzform eingebaut.
Durch und durch realistisch aus dem Pfarrerleben die Songs vom gestörten Heiligabend und „Leg sie (ihm, dem Pfarrer) einfach vor die Tür“, ob die zu entsorgende Couch oder die nicht verwertbare Apfelernte. Wieder mitten aus dem Leben der anwesenden „Schäfchen“ gegriffen die folgenden Songs: „Wenn mich einst Gott befragt, sag ich: Schau doch bei Facebook nach!“ und der „Automatische Fragenbeantworter“ in der Kirche und mit Physioübungen ging es weiter: „Weil ich ein Schäfchen bin!“.
Spitz ins Visier genommen, aber auch verständnisvoll betrachtet, einige politische Zustände: „Mr. Seehofer, was fühlst du, wenn du die Toten im Mittelmeer siehst und wie kannst du sagen, die Türkei sei ein verlässlicher Partner?“ An die Jahreslosung „Frieden“ knüpfte das Duo an mit „Hallo Jesus, da will ich partout nicht friedlich bleiben, wenn mein Nachbar beim Bäcker um die Ecke per SUV seine Brötchen holt!“ Nach der Liebeserklärung an seine Partnerin und dem sehr besinnlichen „Weil du mir so viel bedeutest“ der Klingelbeutelsong „Er nimmt`s dir weg“, mit dem eine charmante Aufforderung an das Publikum verbunden war: Der Spendenerlös aus der Veranstaltung kommt dem Projekt „Wir gewinnt“ von Vikarin Inga Nun zugute, einer Gemeinschaftsfahrt der Kirchengemeinde im September 2019.
Nach lebhaftem Gedankenaustausch am Buffet konnte sicher jeder mit dem Gefühl nach Hause gehen, durch „Kahl und Aua“ etwas glücklicher geworden zu sein. fis