Kraiburg – „Für mehr Blüten sorgen – diese Botschaft ist längst bei uns Landwirten angekommen“, sagt Margot Mitterreiter. Eine gesetzliche Regelung sei aber problematisch und funktioniere nicht bei jedem landwirtschaftlichen Betrieb auf die gleiche Art. „Ein Gesetz ist der falsche Weg. Es braucht einen freiwilligen, bayerischen Weg“, pflichtet ihr Mann Josef bei.
Gemeinsam bewirtschaften die beiden einen Hof in der Nähe von Kraiburg. Sie haben einen Milchviehbetrieb mit etwa 70 Kühen, dazu noch eine Bullenmast. 87 Hektar landwirtschaftliche Fläche gehören dazu.
Die Landwirtsfamilie nimmt den Naturschutz ernst. „Wir haben bereits Gewässerrandstreifen angelegt, in der vierfachen Breite als nötig und auch an Stellen, an denen es nicht vorgeschrieben ist“, zählt Josef Mitterreiter auf. Entlang seiner Flächen sind Blühstreifen zu finden. Beides Maßnahmen, für die Landwirte jetzt Fördergelder bekommen.
„Wenn etwas gesetzlich gefordert wird, wird dann überhaupt noch etwas gefördert“, fragt er sich. Blühstreifen, Gewässerrandstreifen – an seinen Naturschutzmaßnahmen will die Familie Mitterreiter auch in diesem Jahr festhalten. Außerdem sind sie in der Überlegung, eine Hecke anzulegen.
Rund 20 Hektar ihrer Flächen sind Grünland, die unterschiedlich bewirtschaftet werden. Da gibt es zum Beispiel in der Nähe von Maximilian eine Biotop-Fläche, ein Steilhang, der mit viel Handarbeit gepflegt werden muss. Dann gibt es noch die Flächen zum Silieren, die ab 1. Mai bis zu sechsmal pro Jahr gemäht werden. „Die Kühe sind auf das Eiweiß angewiesen“, erklärt Margot Mitterreiter. Eine intensive Nutzung lasse eben nichts blühen. Aus Raps- und Sojaschrot können die Tiere zwar ebenfalls ihren Eiweißhaushalt decken, aber: „Wir füttern lieber mit heimischem Gras. Der Bio-Bauer macht das im Übrigen nicht anders“, erklärt Margot Mitterreiter. Flächen für Heu werden später und weniger oft gemäht.
Rechts neben der Hofzufahrt ist eine Streuobstwiese. Genau solche wolle das Volksbegehren schützen. „Was aber sollen wir machen, wenn wir zum Beispiel unseren Hof erweitern wollen“, fragt sich Margot Mitterreiter. Im Gegensatz zu Privatpersonen müsse man sich als Landwirt daher genau überlegen, wo was gepflanzt werde. „Landwirtschaftliche Betriebe seien auch Wirtschaftsbetriebe, die innovativ bleiben wollen. Wenn sich die Betriebsstruktur ändere, sei eine Änderung aber aufgrund von Vorgaben nicht immer möglich“, sagt ihr Mann.
Das Volksbegehren gibt als Zielvorgabe für den Staat 20 Prozent Ökolandbau an, bis 2030 sollen es sogar 30 Prozent sein. „Wenn wir unseren Hof auf Bio umstellen würden, müssten wir für alle Tiere die Ställe neu bauen“, erklärt Josef Mitterreiter. Finanziell sei dies aber nicht tragbar. Er kritisiert, dass im Volksbegehren eine Öko-Quote verankert werde, bislang aber zuwenig Käufer hinter Bioprodukten stehen würden. Viele Produkte seien zudem importiert. „Es braucht mehr Abnehmer, dazu müssten Anreize geschaffen werden“, nimmt Josef Mitterreiter Verbraucher und Staat in die Pflicht.
Artenschutz sei wichtig, auch die Familie Mitterreiter wolle, dass es weiterhin in ihrem Garten summt und brummt. Aber: „Das Volksbegehren macht uns Angst, es betrifft schließlich nur uns Landwirte. Wir werden als Kaputtmacher dargestellt“, sagt Margot Mitterreiter. Für alle anderen sei der Gesetzesvorschlag zu wenig verpflichtend. „Landwirte bewirtschaften 40 Prozent der Landesfläche. Wieso aber werden nicht die restlichen 60 Prozent miteinbezogen“, fragt sich Josef Mitterreiter. Für kleinere Betriebe kann das Volksbegehren der „Todesstoß“ sein.