Ruhig Blut

von Redaktion

Wer tut so was? Wer bringt es übers Herz, ein Tier auf diese Weise zu quälen? Ja, diese Fragen stellen sich vermutlich viele Menschen, die die Geschichte vom Schäferhund Rex in unserer Zeitung gelesen haben und fassungslos sind. Sicher, noch liegt der Laborbefund nicht vor, gibt es keine letzte Gewissheit über die Ursache. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass der Rüde durch Gift zu Tode kam. Helmut Huber, der Hundesportler, der mit Rex noch viele Erfolge feiern wollte und um seinen Hund trauert, sagt: „Gift ist hinterfotzig.“ Menschen manchmal auch.

Und manchmal holen sie den Himmel auf die Erde oder umgekehrt. Neulich zum Beispiel die Realschule, mit einem ganz besonderen Winterkonzert, dem letzten, bei dem Hans Hautz als beliebter und geschätzter Schulleiter dabei war. Bald sitzt er auf dem Austragsbankerl, das ihm an diesem Abend geschenkt wurde. Der Rektor, der viele Jahre für die größte Realschule im Freistaat verantwortlich war, von sich aber nie großes Aufhebens gemacht hat, wurde bei dieser Gelegenheit von himmlischen Chören, Petrus, Engel und dem Herrgott verabschiedet. Das kann nicht jede Schule aufbieten.

Im siebten Faschingshimmel sind die Narren in der Faschingshochburg Kraiburg: 50 Jahre Narrengilde wird im Markt gefeiert. Ein biblisches Alter für so einen Verein. Fasching können die anderen schon auch. Aber in Kraiburg hat die fünfte Jahreszeit einen ganz besonderen Stellenwert im Ort. Es gibt Familien, die haben bereits in der dritten Generation „Gaudi und Freid“ im Blut. Und das dürfen sie ruhig ordentlich feiern, die Kroaburger.

Wie sie künftig Silvester verbringen, ob mit oder ohne, mit wie viel oder wenig Feuerwerksraketen, das sorgt sicher noch für Diskussionen im Ort und im Gemeinderat. Das Thema Feuerwerksverbot an Silvester steht auch in Kraiburg auf der Agenda. In immer mehr Orten melden sich Gegner der Knallerei. Aus verschiedenen Gründen. Wegen der Brandgefahr, weil’s den Tieren nicht guttut. Wegen der gigantischen Feinstaub-Belastung, weil’s kracht und am nächsten Morgen mancherorts ausschaut wie auf der Müllkippe.

Ich kann all diesen Gründen eine Menge abgewinnen. Auch auf die Gefahr hin, dass meine Kinder daheim ein ernstes Wort mit mir reden: Ja, ich sympathisiere mit den Stadträten, die das Schießen und Böllern lieber in geregelte Bahnen lenken würden und statt dessen ein zentrales Feuerwerk vorgeschlagen haben.

Aber vorstellen kann ich mir beim besten Willen nicht, wie ein generelles Böllerverbot in Waldkraiburg funktionieren sollte. Selbst ich habe ein Herz für kleine und große Raketenmänner. Wenn sie nicht über die Stränge schlagen. Und überhaupt: Wer sollte ein Verbot denn kontrollieren? Ob es da nicht erst recht böses Blut gäbe?

Blut ist reichlich geflossen, neulich im Stadtrat. Der Blutspendedienst des BRK hätte seine Freude dran gehabt. Zum Glück wurde der Lebenssaft nur verbal vergossen. Zuerst von der CSU-Fraktion, deren Herz am Forschungszentrum hängt. Und die deshalb die Verwaltung aufforderte, Herzblut für die Ansiedlung dieser Einrichtung zu opfern. Dabei bluten der Bürgermeister und seine Verwaltung eh schon für die Entwicklung der Stadt, wie Robert Pötzsch entgegnete.

Bis aufs Blut wurde nicht gestritten. Doch die Bandagen, mit denen im Rat gekämpft wird, werden härter. Wahlkampf, ick hör dir trapsen. Gut ein Jahr vor dem Urnengang zeichnen sich die Fronten ab, an denen die Kämpfe ausgetragen werden. Zum Beispiel beim Kita-Umbau, wo die Verwaltung kein gutes Bild abgab, als sie von nicht ganz neuen Fragen kalt erwischt wurde. Oder beim Haushalt, wo es zwischen UWG und CSU sicher nicht zum letzten Mal um die Deutungshoheit ging. Dabei liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte.

Wenn heute die CSU kritisiert, das vermeintlich positive Jahresergebnis des städtischen Haushalts werde durch das Verschieben von Maßnahmen erkauft, besteht zu Vorsicht größter Anlass. Dem ein oder anderen Bürger könnten diese Maßnahmen nämlich bekannt vorkommen, weil sie schon die CSU auf die lange Bank geschoben hatte. Und die UWG musste in den vergangenen fünf Jahren schmerzlich erfahren und dazu lernen, dass es halt nicht immer nur eine Frage des guten oder bösen Willens war und ist, ob man eine Straßenerneuerung oder Schulhaussanierung gleich oder später umsetzt. Sondern auch eine Frage des frei verfügbaren DiriDari. Wo nicht viel ist, ist Schmalhans Küchenchef, ob er nun bei der CSU oder bei der UWG ist. Hans Grundner

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