„Schläge mit dem Gürtel normal“

von Redaktion

Amtsgericht Rumäne muss sich wegen Körperverletzung verantworten

Gars/Mühldorf – Körperverletzung unter Rumänen: V. U. aus Oberau bei Garmisch-Partenkirchen muss sich vor dem Mühldorfer Amtsgericht für seine Taten am 9. Juni 2018 verantworten. Er soll in der Wohnung seines Bruders M. in Gars, im Zuge eines Trennungsstreits mit dessen damaliger Freundin L., zwei andere Rumänen übel zugerichtet haben.

Dass es in Gars zu einer Auseinandersetzung gekommen ist, beweisen Fotos der Polizeiinspektion Haag, die von den beiden geladenen Zeugen im Zuge der Ermittlungen gemacht wurden. Die Anklageschrift beschreibt Platzwunden, Hämatome und Prellungen.

Bereits am Vorabend der Tat waren die Dinge in der gemeinsamen Wohnung aus dem Ruder gelaufen. Die hinzugerufene Polizei hatte den Bruder M. U., nachdem in der Wohnung schon Gegenstände zu Bruch gegangen waren, über Nacht in einer Ausnüchterungszelle untergebracht.

Die beiden Zeugen und späteren Opfer, die von der Frau, L., vorab um Unterstützung gebeten worden waren, nächtigten hingegen in der Wohnung. Am Abend des 9. Juni 2018 kam es dann zur Auseinandersetzung, die von beiden Parteien völlig unterschiedlich beschrieben wird.

Beschwerlich wird die Sache vor Gericht, weil die Beteiligten ausschließlich rumänisch sprechen und auf eine Dolmetscherin angewiesen sind. „Irgendetwas ist damals zweifellos passiert, aber wir haben hier heute dreimal Müll gehört!“, betonte Verteidiger Christian Langhorst aus Garmisch-Partenkirchen mehrfach.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu fünf Jahre Haft.

Fest steht, dass die Freundin von M. U. ihn am Morgen des 9. Juni selbst wieder von der Polizei abgeholt hat. Ebenfalls noch am Vormittag erhielt der Angeklagte V.U. einen Anruf seines Bruders M. U., dass Männer in seiner Wohnung seien, vor denen er Angst habe und die ihn geschlagen hätten. Der Angeklagte habe sich dann sofort auf den rund eineinhalbstündigen Weg gemacht, um seinen Bruder samt seines Hab und Gutes mitzunehmen. Über die Dolmetscherin ließ er zu Protokoll geben, dass er sich, in der Wohnung in Gars angekommen, vor drei fremden Personen, darunter den beiden Zeugen, rechtfertigen musste, wer er sei. Anschließend sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, bevor die bereits in Umzugskartons lagernden Habseligkeiten seines Bruders ins Auto gebracht werden konnten. Die blutigen Nasen der Opfer, die auf den Polizeiaufnahmen zu sehen sind, könne er sich aber nicht erklären: „Die müssen sich die Verletzungen selbst zugefügt haben.“

Als die Polizei am Abend des 9. Februar nun zum zweiten Mal innerhalb 24 Stunden an der Wohnung in Gars eintraf, war das Brüderpaar schon auf dem Weg Richtung Garmisch-Partenkirchen. Dort wurde der Angeklagte dann auch zu den Vorwürfen verhört.

Die Zeugen und Opfer hingegen erinnern sich ganz anders an den Vorfall vor gut sieben Monaten. Beide für einen Paketdienst tätigen Rumänen hätten nach den Vorgängen des 8. Juni in besagter Wohnung übernachtet und seien dann am Abend des 9. Februar vom Angeklagten mit Schlägen, Tritten und der wiederholten Aussage: „Warum habt ihr meinen Bruder geschlagen?“ höchst unsanft geweckt worden.

Über eine Stunde lang sei der Angeklagte immer wieder in das Zimmer gekommen und habe die beiden verängstigten jungen Männer attackiert, so Zeuge D. Auch einen Gürtel habe der Angeklagte zum Schlagen verwendet. „Schläge mit dem Gürtel sind in Rumänien ganz normal“, versuchte die Dolmetscherin gegenüber Richter, Staatsanwalt und Verteidiger zu erklären.

Den Staatsanwalt interessierten Details. Beispielsweise, ob auch mit der Gürtelschnalle zugeschlagen wurde oder „nur“ mit dem Leder, und ob die Zeugen heute noch vor dem Angeklagten Angst hätten.

Letzteres verneinte Zeuge D. zwar, doch gibt der schmächtige Mann auch zu Protokoll: „Ich hatte in der Arbeit dann tagelang Schmerzen beim Atmen und konnte nur mit dem Strohhalm trinken.“ Einen Antrag auf Schmerzensgeld hatten die Zeugen jedoch nicht gestellt. Auf Nachfrage des Verteidigers Christian Langhorst berichteten beide Zeugen von einem Tattoo, das der Angreifer am Unterarm trage, sowie von weiteren Personen im Flur der Wohnung: „Da war noch ein glatzköpfiger Mann, der hat zuallererst zugeschlagen!“ Dies wiederum bestreitet der Angeklagte, der nur mit dem Cousin angereist sein will, welcher aber im Auto gewartet habe.

Am 22. Februar soll der Prozess fortgesetzt werden.

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