Früher war Hubert Aiwanger überzeugt, dass vor allem die Infrastruktur in seiner Heimat Niederbayern zu wünschen übrig lässt. Neuerdings kommt der Mann als bayerischer Wirtschaftsminister und einer der gefragtesten Neujahrsempfangsredner des Freistaats natürlich viel rum. Zum Beispiel in Oberbayern. Seitdem ist er sich nicht mehr ganz sicher, ob Niederbayern wirklich die schlechtesten Straßen hat. Wie er beim Besuch der heimischen Industrieverbände im Waldkraiburger Haus der Kultur bekannte.
Wie er die Infrastruktur speziell in und um Waldkraiburg weiterentwickeln will, darauf hat er sich in seiner Rede vor 350 Besuchern des Industrieempfangs erwartungsgemäß nicht festgelegt. Nun, das mag der ein oder andere hiesige freie Wähler bedauern, der sich Beistand vom Superminister erhofft hatte. Für eine Pürtner Umgehung etwa oder einen strahlenderen Hochschulstandort. Die angeborene Geografieschwäche vieler Münchner, die den Landkreis schon Niederbayern zuschlagen, könnte sich in der neuen Konstellation aber noch als Standortvorteil erweisen. Unter Niederbayern sollte man da und dort doch leichter auf gemeinsame Nenner kommen.
Freibäder fallen nicht ins Ressort eines bayerischen Wirtschaftsministers, auch dann nicht, wenn ihn die Freien Wähler stellen. Freibäder, das heißt ein ganz spezielles Freibad bleibt in Waldkraiburg aber Top-Thema. Und da halten Bürgermeister Pötzsch und die Stadtratsfraktionen Kurs. Das ist nicht selbstverständlich. Es bleibt dabei: Auch nachdem die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aschau geplatzt ist, sollen alle möglichen Optionen für ein zukünftiges Bad, zwischen der Sanierung des Waldbads und einem Neubau, noch einmal ergebnisoffen geprüft werden.
Das Besondere daran: Die Einbeziehung der Bevölkerung in den Prozess ist nicht nur Gerede, jetzt ist sie institutionalisiert. Es wird eine Projektgruppe unter Einschluss von Vertretern des Fördervereins Waldbad, weiterer Interessenverbände in der Stadt sowie engagierter Bürger gebildet. Bürgermeister und Verwaltung haben aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das ist der richtige Weg, ein Weg mit Modellcharakter: So könnten – nicht nur beim Waldbad und nicht nur in Waldkraiburg – wichtige Entscheidungen über Großprojekte vorbereitet werden, unter Einbeziehung der Bürger, transparent, mit Aussicht auf breite Akzeptanz.
Seit einem Monat stehen die Mieter in einer sechsstöckigen Wohnanlage an der Prager Straße ohne funktionstüchtigen Aufzug da und wissen nicht, wann es der Lift wieder tut. Was gäben sie wohl für einen hiesigen Vermieter, bei dem sie einfach mal vorsprechen könnten, für einen Hausbesitzer aus Waldkraiburg, aus dem Landkreis oder, sagen wir, wenigstens aus Niederbayern. So schlecht können die Straßen gar nicht sein, dass man da nicht mal vorbeifahren würde. Das ist bei einer anonymen Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg eine andere Nummer. Da gibt’s keinen kurzen Dienstweg. Da stoßen die modernsten Kommunikationsmittel an ihre Grenze. Und die Erfahrungen, die andere, ehemalige gewerbliche Mieter, in der Anlage mit Luxemburg gemacht haben, verheißen nix Gutes.
Das Volksbegehren zur Artenvielfalt hat mit einer überaus großen Bürgerbeteiligung Zeichen gesetzt, auch in Waldkraiburg. Für eine Stadt, die als eine Hochburg der Wahl- und Abstimmungsverweigerer gilt, fällt die Quote beinahe schon sensationell aus: 15 Prozent! Mehr als im Regierungsbezirk Niederbayern!
Wer könnte was gegen Artenvielfalt haben? Naja, selbst da gibt es Grenzen. Wer braucht die Hasen, die sich jedes Jahr kurz nach Weihnachten explosionsartig zu vermehren scheinen? Die frech aus den Regalen beim Discounter um die Ecke grinsen und weit vor dem Faschingsdienstag Ostergefühle verbreiten wollen? Tierwohl hin, Tierwohl her. Bei diesen Viecherln plädiere ich für eine deutliche Ausweitung der Lagerhaltung. Zwei Wochen mit freiem Auslauf in den Supermärkten würde völlig reichen.Hans Grundner