Kraiburg – Schlamm besudelte dreibeinige Hunde im Polizeikombi, zwei sehr charmante Polizisten und ein junger EAV-Fan: Das sind die Zutaten eines tierischen Feierabendeinsatzes einer pendelnden Reporterin.
Sie kamen wie aus dem Nichts. Zwei Hunde sprangen mir Donnerstagabend auf dem Heimweg nach Kraiburg kurz vor Kolbing vors Auto. Zum Glück hatte ich die Geschwindigkeit bereits gedrosselt, weil ein Wagen vor mir auf dieser Landstraße abgebremst hatte. Schrecksekunde, Vollbremsung und dann sah ich im Scheinwerferlicht: Beide Tiere hatten nur jeweils drei Beine.
Den ersten Gedanken – sie wurden angefahren – verwarf ich sofort. Denn dafür waren der Schäferhund und der weiße Mischling zu agil und wuselig. Chaotisch rannten sie auf der Straße und im Feld hin und her und in den Gegenverkehr, der glücklicherweise auf dieser Rennstrecke zumindest zu diesem Zeitpunkt vorsichtig fuhr. Mehrere Wagen hielten und hatten die Warnblinkanlage an.
Ich verständigte die Polizei Waldkraiburg. „Wirklich, beide Hunde haben nur drei Beine?“ fragte der Beamte am Telefon etwas ungläubig. Knapp zehn Minuten später traf ein Polizeikombi mit zwei jungen Polizisten ein. Bis dahin hielt ich gemeinsam mit einer jungen Frau aus Schnaitsee die Tiere in Schach.
Sie war auf dem Weg nach Deggendorf zum EAV-Konzert. „Das hier ist mir jetzt aber wichtiger“, sagte die Tierfreundin. Sie hatte den weißen, überdrehten Dreibeiner im Blick, pfiff ihn immer wieder zurück, wenn er sich in wirrem Zickzack-Kurs über die Felder und die Straße davon machen wollte. Der Schäferhund hörte auf mein Kommando. Legte sich bei „Platz“ auf meine Füße im Ackerschlamm. Das mit dem „Bleib“ wollte nicht so recht klappen. Aber „ja fein, du bist a Braver“ schien er zu verstehen.
Schließlich trafen die Ordnungshüter ein. Über Funk wollte ein Kollege aus der Zentrale wissen: Haben die wirklich nur drei Beine? Beide? Die Bestätigung stellte meine Glaubwürdigkeit wieder her. Zumindest waren die Viecherl tatsächlich unverletzt. Einer der jungen Männer hatte eine Bonbondose dabei – mit Hunde-Leckerlis. Sehr überzeugende Verhandlungsstrategie. Mit vereinten Kräften und viel Geduld versuchten die Männer, die Tiere in den Kombi zu locken. Kaum war der eine drin, hüpfte der andere wieder raus. Also setzte ich mich in den Wagen, der Schäfer hatte ja Vertrauen zu mir gefasst. Nur der Weiße zögerte und wirkte unentspannt. Er hatte mich auch schon ins Wadl gezwickt. „Ich bin ja eher der Katzenmensch“, sagte einer der Beamten.
Wirklich anfassen traute sich den weißen Hund keiner von uns. Beherzt zog sich der Beamte seine dicke Lederjacke an. „Dann tut es nicht so weh, wenn er mich wirklich schnappt.“ Er packte ihn, hob ihn hoch und schob ihn in den Kombi. Flugs kletterte ich da wieder raus und die Tür war zu. Über die Schlamm besudelten Hunde in dem Polizeiwagen freut sich wohl am meisten der, der ihn dann wieder sauber machen muss.
Einstweilen hatte sich auf der Inspektion ein Beamter ans Telefon geklemmt und rausgefunden, dass die dreibeinigen Vierbeiner zu einem Hof in der Nähe gehören. Die Ausreißer wurden der Familie übergeben, welche die Tiere bereits vermisste.
Ob die Schnaitseerin noch rechtzeitig zum Konzertbeginn ihrer Lieblingsband ankam, ist mir nicht bekannt. Andrea Klemm