Eine starke Stimme für die Natur ist verstummt

von Redaktion

Nachruf auf Gerd Ruchlinski, Stadtrat, Umweltreferent und BN-Kreisvorsitzender

Waldkraiburg – In der Stadtratssitzung am Dienstagabend hat er noch einmal das Wort ergriffen. Und natürlich ging es um ein grünes Thema, um die Umwandlung von Grünflächen in ökologisch wertvolle Blumenwiesen. In der Nacht darauf ist Gerd Ruchlinski, Stadtrat, Umweltreferent und Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, völlig unerwartet verstorben. Mit ihm ist einer gegangen, der sich kompetent, engagiert und sachorientiert für die Belange der Natur einsetzte, einer der als starke Stimme für die Umwelt fehlen wird.

Als kleiner Bub kam Gerd Ruchlinski mit seinen Eltern aus Sachsen-Anhalt nach Bayern, in den Landkreis Mühldorf. In den 1950er-Jahren zog die Familie in eines der ersten Reihenhäuschen in Waldkraiburg, der Stadt, der er von nun an sehr verbunden bleiben sollte. Der studierte Volkswirt, der von seinem Vater eine Handelsvertretung übernahm, brachte sich ehrenamtlich in Politik und Gesellschaft ein.

Sein besonderes Interesse galt stets der Natur. Ruchlinski eignete sich großes Wissen über Schmetterlinge an, das er seit den 1980er-Jahren beim Bund Naturschutz einbrachte, zunächst als Vorsitzender der Ortsgruppe Waldkraiburg, später – seit 1994 – als Leiter der Kreisgruppe.

Entschieden, aber nie ideologisch trat der Waldkraiburger in diesem Amt für Natur und Umwelt ein. Wichtig war ihm die Kommunikation mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Er initiierte unter anderem den Umwelttaler, mit dem die Kreisgruppe Personen, Gruppen und Firmen für außergewöhnliche Leistungen im Natur- und Umweltschutz auszeichnet. Ein besonderes Anliegen war ihm die Förderung der Kindergruppen und die Unterstützung der Aktivitäten der Ortsgruppen. Auch auf Landesebene war er vielfältig engagiert. Für große Projekte der Kreisgruppe, die Wasserbüffelweide in Jettenbach und den Kauf der BN-Kiesgrube, hat er den Grundstein gelegt und sich gefreut, dass Landwirte und Naturschützer hier bei der Biotoppflege an einem Strang ziehen. In der Inn-Allianz hat er sich sehr für die Renaturierung des frei fließenden Inn im Landkreis eingesetzt. Zuletzt hat ihn die Sanierung des Innkanals und die damit verbundene Bedrohung seltener Arten, darunter „seiner“ Schmetterlinge, intensiv beschäftigt.

Seit 1996 wählten ihn die Bürger viermal in den Stadtrat. Seit 2002 war er dessen Umweltreferent. Obwohl er nicht immer bequem war, bequem sein konnte, erwarb sich der 74-Jährige in diesem Amt über Fraktions- und Parteigrenzen hinweg Anerkennung. Im Bau-, Verkehr- und Umwelt- sowie im Stadtentwicklungsausschuss war der Stadtrat ein Aktivposten.

In der Familie hat Gerd Ruchlinski Kraft getankt für sein Engagement, bei seiner Frau Brigitte, den drei Kindern und ihren Familien mit sechs Enkelkindern, die ihm eine große Freude waren.

Für den Erhalt der Natur in der Stadt hat er sich stets engagiert, zuletzt mit der Aktion „Waldkraiburg blüht auf“. Im Herbst wurden 25000 Blumen gesetzt. Ihr Erblühen durfte er nicht mehr erleben.hg

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