Waldkraiburg – Wo er war, ragte er heraus: Wolfgang Anders, der Sportsmann mit dem Gardemaß von 1,96 Metern, der als aktiver Handballer und als engagierter Ehrenamtler Akzente gesetzt hat. Der Mann, der viele Jahrzehnte lang auch freier Mitarbeiter dieser Zeitung war, ist am Mittwoch nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren verstorben.
„Mister Handball“ – irgendwann ist einer auf die Idee gekommen, Wolfgang Anders diesen Namen zu verpassen. Und der Mühldorfer, der nach seiner Heirat zum bekennenden Waldkraiburger wurde, ist diesen inoffiziellen Ehrentitel nicht mehr losgeworden. So groß waren die Verdienste, die er sich um den Handballsport, um den Vereinssport insgesamt, in Waldkraiburg erworben hatte.
Der Bundesbahner gehörte in den 1960er-Jahren zu den Gründern der rührigen VfL-Handballabteilung. Er war Torhüter und Rückraumspieler, Schriftführer, Jugendtrainer, Schiedsrichter, Verbandsfunktionär. Die Geschichte des Waldkraiburger Handballs ist ohne Wolfgang Anders nicht denkbar.
Über 500 Spiele absolvierte er für die erste Mannschaft. Über 40 Jahre gehörte er dem Vorstand der Abteilung an, deren Leiter er 26 Jahre lang war. Noch einmal kehrte er nach einem ersten Abschied auf diesen Posten zurück, als Not am Mann war, und bereitete einen geregelten und erfolgreichen Übergang auf die nächste Generation vor.
„Wenn du es machst, musst du es hundertprozentig machen.“ An dieses Motto hat er sich konsequent gehalten. Auf Wolfgang Anders war Verlass. In vielen Aufgaben und Funktionen hat er das bewiesen. Auch als Spielleiter des Handballkreises Inn/Chiem, als Pressewart, der die regionalen Medien mit Handballberichten versorgte und allein in unserer Zeitung eine vierstellige Zahl von Artikeln veröffentlichte, später als Zweiter Vorsitzender des VfL-Gesamtvereins.
Die Jugendarbeit war ihm ein besonderes Anliegen. Für den Sport in seiner wichtigen sozialen und integrativen Dimension, als Bereich, in dem junge Leute wichtige Werte lernen und pflegen können, ist er eingetreten, hat auch Konflikte nicht gescheut.
Das internationale Handball-Jugendturnier, eines der größten dieser Art weit und breit, hat er zusammen mit anderen aufgebaut und zu einem Fest des Sports und der Jugendbegegnung entwickelt. An Anders kam keiner vorbei, das galt Jahr für Jahr auch bei der Weihnachtstombola für die VfL-Jugend. Niemand hat so viele Lose verkauft wie er.
Mit zahlreichen Ehrungen haben der Bayerische Handballverband, der Landessportverband, die Stadt, der Landkreis, sogar der Ministerpräsident die Verdienste von Wolfgang Anders gewürdigt, der sich seit einigen Jahren aufgrund seiner Krankheit aus der Öffentlichkeit zurückzog. Mit den Familienangehörigen trauern viele, die ihn als tadellosen Sportsmann und engagierten Ehrenamtler kannten und schätzten. hg