…und ihr evangelischer Nachbar, die Martin-Luther-Kirche, die in den 60er-Jahren gebaut wurden.Fotos Grundner
Waldkraiburg – „Ein Denkmal ist eine vom Menschen geschaffene Sache aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.“ So heißt es in Artikel 1 des Denkmalschutzgesetzes. Den darin genannten Kriterien entsprechen nach Einschätzung des Landesamtes auch die beiden Stadtpfarrkirchen. Beide Kirchengebäude wurden Mitte der 1960er-Jahre gebaut und eingeweiht.
•Katholische Stadtpfarrkirche Christkönig: In der Form eines Oktogons prägt dieser Kirchenbau des Architekten Franz Xaver Gärtner das Stadtbild. An das Oktogon aus Sichtziegelmauerwerk mit einer flachen Betongitterkuppel auf acht Betonstützen und einer Unterkirche schließt – eingeschossig – die Sakristei und ein Gemeindesaal an. Unverwechselbar macht das Ensemble auch der freistehende Beton-Campanile.
• Evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche: Nach den Plänen von Gustav Gsaenger, der sich einen Namen als Schöpfer vieler protestantischer Kirchenbauten machte, ist diese Kirche entstanden: ein zentralisierender Bau über einem unregelmäßig-fünfeckigen Grundriss mit mehrfach gebrochenem Zeltdach und fünfeckigem Glockenturm. Die Hauptfassade wird als Einfriedungsmauer eines Pfarrgartens weitergeführt, ein Verbindungsbau mit Sakristei (eingeschossiger Pultdachbau) schließt daran an.
Beide Kirchen sind in die Denkmalliste aufgenommen. Darüber wurde die Stadt bereits informiert, die in einem sogenannten Benehmensverfahren fachliche Korrekturen und Einwände vorbringen könnte, dies aber nicht vorhat. Künftig muss damit vor jeder Veränderung eine denkmalrechtliche Erlaubnis bei der Unteren Denkmalschutzbehörde eingeholt werden. Gleichzeitig kann der Status Vorteile im Hinblick auf eine Förderung bringen.
Während in manch anderem altehrwürdigen bayerischen Ort bisweilen der Denkmalschutz als Last und Hindernis für eine zeitgemäße Entwicklung erfahren wird – man schaue nur über den Inn nach Kraiburg –, wird der Denkmalschutz in der jungen Nachkriegsstadt weniger kritisch wahrgenommen.
Denkmäler sind rar in Waldkraiburg: Es gibt nur drei im eigentlichen Stadtgebiet. Neben den beiden Kirchen ist dies der sogenannte Falkenring. Bei diesem Ensemble im Ortsteil Föhrenwinkel handelt es sich um den zentralen Bereich des ehemaligen Frauenlagers. Dieses wurde im Zusammenhang mit dem im Hart getarnt angelegten nationalsozialistischen Rüstungswerk Anfang der 1940er-Jahre errichtet. Die erdgeschossigen Satteldach-Zeilenbauten sind dreiseitig um eine zentrale Freifläche angeordnet. Nördlich davon befindet sich der ehemalige Gemeinschaftsbau (unter anderem Lagerkantine), der nach Sanierung und Umbau als Verwaltungsgebäude der städtischen Gesellschaften genutzt wird.
Übrigens: Die vielen Bunker im Stadtgebiet, die noch aus der Zeit des Rüstungswerks stammen, zum Teil verbaut, zum Teil im Original, sind nicht als Denkmäler gelistet. Wenn eine Baumaßnahme ansteht, die einen solchen Bunker betrifft, mache der Denkmalschutz zwar darauf aufmerksam, dass es sich um einen der letzten Bunker dieser Art handelt, so Carsten Schwunck, Leiter der städtischen Bauabteilung. Es gibt aber keine Auflage, sie zu erhalten. Zuletzt wurde bei Räumen des WSGW-Grundstücks an der Berliner Straße ein solcher Bunker freigelegt und beseitigt. Dort entsteht eine neues Wohn- und Bürogebäude. (Siehe auch Kasten.)