Eishockeyvereine: Krach um Nachwuchs

von Redaktion

„EV Wildcats Waldkraiburg“: So heißt ein neuer Verein, der die Nachwuchsarbeit im Waldkraiburger Eishockey im Handstreich übernehmen will und damit Riesenwirbel auslöst. Das Präsidium des EHC fiel aus allen Wolken, als es von der Gründung erfuhr.

Waldkraiburg – 50 Jahre EHC Waldkraiburg, das Jubiläumsjahr des Waldkraiburger Eishockeys wird langsam zum verflixten Jahr. Sportlich läuft es in der Oberliga alles andere als gut, der Abstieg lässt sich nicht mehr vermeiden. Mit Mühe hat der Vorstand den Spielbetrieb bis Saisonende wirtschaftlich gesichert und damit die Voraussetzung geschaffen, den Klub in der Bayernliga zu halten.

Und jetzt gibt es auch noch Ärger um den Nachwuchs: Unter Federführung von Armin Lorenz, der bis vor zwei Jahren im erweiterten Vorstand mitarbeitete, haben sich unzufriedene Eltern zusammengetan, um einen neuen Verein zu gründen, der sein Hauptaugenmerk auf die Jugendarbeit legt.

„Das hat eine enorme Dynamik entwickelt“, sagt Lorenz. Aus einer Informationsversammlung zur „Neustrukturierung des Eishockey-Nachwuchses“ in Waldkraiburg wurde am Freitagabend eine Gründungsversammlung und eine Satzung beschlossen. Gut 60 Personen, darunter viele Eltern von Nachwuchsspielern, kamen zu der Besprechung. 23 haben laut Lorenz ihre Mitgliedschaft im Verein erklärt. Für mehr als 20 Spieler sollen nach Informationen unserer Zeitung bereits schriftliche Absichtserklärungen vorliegen, dass sie ab der nächsten Saison bei den Wildcats spielen. Armin Lorenz spricht sogar von der Hälfte aller EHC-Nachwuchsspieler. 70 sind das nach Angaben des Klubs, davon 51 in den Altersstufen von der U7 bis zur U13. In fünf Altersklassen ist der EHC derzeit mit einer Mannschaft vertreten.

Hauptamtlicher Trainer für jedes Team

Lorenz will den Kindern bei den Wildcats den Einstieg bei der U7 und U9 erleichtern und schnell einen breiten Unterbau für das Nachwuchs-Eishockey schaffen. Und er ist überzeugt: Die Eltern seien bereit, mehr Geld einzubringen, „wenn sie wissen, dass das wirklich unmittelbar ihrem Kind zugutekommt“.

Ein hauptamtlicher Trainer, der in jeder Mannschaft von einem zweiten Trainer oder Übungsleiter unterstützt wird, soll ein hohes sportliches Niveau sichern. Trainer seien bereits angefragt. Namen könne er noch nicht nennen, so Lorenz, ebenso wenig Sponsoren, die nach seinen Worten bereitstehen, den neuen Klub zu unterstützen. Auf diese Weise will er die Kosten für Trainings- und Spielbetrieb der U7 bis zur U15 decken, die er bei etwa 65000 Euro pro Saison ansetzt.

Diese Zahl hält man auch im EHC-Präsidium für realistisch. Viele andere Versprechungen von Lorenz seien dagegen nicht seriös. Seit Jahren fahre der Jugendbereich im Eishockey ein Minus ein. Das ist nicht nur in Waldkraiburg so. 8000 Euro waren es laut Schatzmeister Thomas Höfner 2017, sogar ein fünfstelliger Betrag 2016. Das gleiche der Hauptverein aus.

Ohne die erste Mannschaft ist aus seiner Sicht ein Nachwuchsbetrieb gar nicht denkbar. Woher will der neue Verein die namhaften Sponsorensummen generieren? Alle Werbeflächen im Stadion seien an den EHC vergeben.

Geltungsbedürfnis wirft die EHC-Führung Lorenz vor, der in Sachen „Wildcats“ allerdings auch von der Co-Jugendleiterin Birgit Molter unterstützt wird. Der Vorstand habe Konsequenzen gezogen und Molter von ihren Aufgaben entbunden, bestätigt Präsident Wolfgang Klose auf Anfrage. Molter war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

Die Kritik, der Jugendbereich sei vernachlässigt worden, weist Klose zurück. Seit einer Talsohle vor sechs Jahren habe der EHC sukzessive Aufbauarbeit geleistet und heute eine spielfähige U9, U11 und U13, „nächste Saison auch eine U7. Da kann uns doch niemand vorwerfen, wir hätten nichts getan.“ Nur bei der U15 hakt es. Auch in der nächsten Saison werde ein hauptamtlicher Trainer beim EHC arbeiten. „Wir halten unseren Standard weiter“, so Schatzmeister Höfner. „Bei uns ist der Nachwuchsbetrieb gesichert.“ Bei den „Wildcats“ stehe Vieles nur auf dem Papier, so die EHC-Präsidenten, aus deren Sicht das neue Projekt zum Scheitern verurteilt ist.

Verein müsste in die unterste Meldeklasse

Ihre Befürchtung: Der Streit werde auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Ein neuer Verein müsste mit allen Jugendmannschaften in die niedrigste Meldeklasse, so Horst Pitter. Am Ende könne keiner der beiden Vereine bestehen, so Kurt Aupperle. „Viele Eltern seien sich der Tragweite ihres Tuns nicht bewusst.“

Für den EHC könnte der Konkurrenzverein ein existenzielles Problem werden, wenn der Klub den Unterbau im Nachwuchs verliert. Denn: Eine U9, eine U11 und zwei weitere Jugendmannschaften braucht ein Verein, um mit der Ersten Mannschaft in der Bayernliga antreten zu dürfen. Das gibt der Verband vor.

An ein solches Szenario mag Michael Lode, EHC-Jugendleiter, nicht denken. Lode, der „gefragt wurde, aber für die Wildcats nicht zur Verfügung steht“, hört zum Saisonende als Jugendleiter auf, weil sein Sohn auf dem Sprung in die Erste Mannschaft ist. Ein Streit um den Nachwuchs könnte genau diese sportliche Perspektive gefährden. Lode hofft, dass es noch zu einer Lösung des Konflikts kommt. Denkbar wäre auch eine Kooperation zwischen beiden Vereinen. Der eine macht die Erste Mannschaft, der andere die Jugendarbeit. So läuft das mit dem Segen des Verbands zum Beispiel in Dorfen und Gebensbach.

Armin Lorenz schließt eine derartige Zusammenarbeit nicht von vorneherein aus. „Das ist vorstellbar. Wir verweigern uns nicht.“ Zu einer Informationsversammlung für alle Eltern, die der EHC am morgigen Mittwoch um 20 Uhr in der Stadiongaststätte angesetzt hat, wird Lorenz allerdings nicht kommen. Er sei beruflich verhindert. Ob er eine Vertretung schickt, blieb gestern offen.

Schon am Sonntagabend hatte Schatzmeister Thomas Höfner einen Kompromissvorschlag gemacht: Künftig sollte für den Nachwuchsbereich ein eigener Kassier benannt werden. Präsident Klose ergänzte gestern, der Vorstand werde ein neues Preis- und Umlagenmodell zur Diskussion stellen.

„Ich hoffe, dass man sich noch verständigen kann“, appelliert Andreas Marksteiner an alle Beteiligten. Der Sportreferent des Stadtrates, der die Aktion der „Wildcats“ kritisch sieht, signalisierte dem EHC seine Unterstützung. „Für zwei Eishockey-Vereine sind in Waldkraiburg nicht genug Kinder da. Man sollte nicht die gute Arbeit des EHC kaputt machen. Der Verein bleibt für mich Ansprechpartner Nummer eins“.

Warum der ganze Wirbel? Armin Lorenz nennt drei Gründe

Erstens: Viele Eltern seien mit den sportlichen Ergebnissen der Nachwuchs-Arbeit in den vergangenen Jahren nicht zufrieden. Das Niveau entspreche nicht annähernd der vorhandenen Infrastruktur und den Eiszeiten.

Zweitens: „Wir wollen keine gehälterfinanzierte Seniorenmannschaft.“ Der Fokus der ehrenamtlichen Vereinsführung und aller Helfer müsse vielmehr voll auf der Jugendarbeit liegen.

Drittens: Die „Wildkatzen“ verlangen mehr Kostentransparenz und separate Kassen für alle Jugendmannschaften. Es brauche ein neues Umlageverfahren: In den unteren Altersstufen, wo die Kinder nur wenige Turniere bestreiten und kurze Fahrten haben, sollen die Beiträge deutlich geringer sein als bei den Älteren, die weite Fahrten und mehr Spiele bestreiten.

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