Erpresser drohen mit Videoaufnahmen

von Redaktion

Es geht um Erpressung: Per E-Mail drohen Cyberkriminelle damit, ein kompromittierendes Video zu veröffentlichen, das angeblich mittels einer gehackten Webcam aufgenommen worden ist. Auch in Waldkraiburg haben Bürger solche E-Mails erhalten.

Waldkraiburg – Geld bezahlen oder ein peinliches Video aus einer Webcam gerät in Umlauf? Mit einer solch weltweiten Masche drängen aktuell Erpresser via E-Mail die Empfänger dazu, hohe Beträge zu bezahlen. Die Polizei warnt davor, auf solche Forderungen einzugehen. Auch in Waldkraiburg sind jüngst solche E-Mails bekannt geworden.

„Es geht um ihre Sicherheit“ – dieser Satz soll die Empfänger dazu verleiten, die E-Mail zu öffnen. Doch was darin zu lesen ist, hat mit der eigenen Sicherheit nichts zu tun. Es geht schlichtweg um Erpressung. Die unbekannten Absender schreiben nach Angaben der Polizei an offenbar wahllos ausgewählte Empfänger, dass sie deren Webcam gehackt, und die Betroffenen beim Pornoschauen gefilmt hätten. Wer nicht will, dass Familien oder Freunde von diesem Video erfahren, soll bezahlen. Die geforderten Beträge sind unterschiedlich hoch: Zwischen 500 und 600 Euro, zu zahlen in der virtuellen Währung Bitcoins. Wer nicht weiß, wie man mit Bitcoins bezahlt, dem soll ein mitgeschickter Link weiterhelfen, erklärt Christian Weiß, Leiter der Arbeitsgruppe Cybercrime der Kriminalpolizei Traunstein.

In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Bürger bei der Polizei Waldkraiburg gemeldet, dass sie von unbekannten E-Mail-Absendern erpresst wurden. Allen Betroffenen war allerdings schnell klar, dass es sich um eine Betrugsmasche handelt: In allen Fällen war entweder keine Webcam vorhanden oder eine solche abgeklebt. „Die Leute sollen mit der E-Mail verunsichert und somit zur Zahlung gedrängt werden. Es braucht keiner Angst haben, gefilmt worden zu sein“, sagt Weiß. Es seien reine Behauptungen.

Bei den Erpresser-E-Mails handle es sich um ein weltweites Phänomen. Bislang hätten die Behörden nur kleine Erfolge gehabt: Der Täterkreis sei unbekannt, die Absenderadressen seien nur schwierig nachzuforschen und würden keine Ansätze liefern. Den Weg des Geldes zu verfolgen, wenn mit Bitcoins bezahlt wurde, ist für die Behörden ebenfalls schwer.

Die Erpressung per E-Mail ist ein Massenspam-Phänomen. Genaue Zahlen kann die Polizei nicht nennen, da viele Nutzer entweder die E-Mails sofort löschen oder bezahlen. Nur die wenigsten erstatten tatsächlich Anzeige. Die Dunkelziffer sei hoch. Für die Cyber-Erpresser soll es aber ein lukratives Geschäft sein: Die Polizei geht davon aus, dass bislang Beträge in Millionenhöhe gezahlt worden seien.

Auf die Forderungen sollten Betroffene keinesfalls eingehen, rät die Polizei. E-Mail-Anhänge sollte man nicht öffnen, dem Absender auch nicht antworten. Auch wenn es schwierig sei, die Täter zu ermitteln, sollten Betroffene dennoch Anzeige erstatten, rät Christian Weiß.

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