Einmal Prinz oder Prinzessin sein

von Redaktion

Einmal Prinz oder Prinzessin sein – davon träumen viele Menschen. Dank der Faschingsgesellschaft Waldburgia, die seit 30 Jahren besteht, hat sich für fast ebenso viele Paare dieser Traum erfüllt. Ein Paar konnte gar nicht genug kriegen – und hat später noch einmal in Kraiburg regiert.

Waldkraiburg – Das große Lampenfieber vor den ersten öffentlichen Auftritten, den Stress, von einer zur nächsten Veranstaltung zu jagen, haben sie fast alle kennengelernt. Über kleine und große Pannen schmunzeln sie heute. Und alle verbindet die Erinnerung, an eine schöne Zeit, die sie nicht missen wollen: Prinzen und Prinzessinnen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten einmal im Waldkraiburger Fasching regierten.

Zum Beispiel Conny und Josef Reichthalhammer, die 1997 regierten. „Mein Mann ist durch mich zwangsläufig reingerutscht“, lacht die 45-Jährige aus Polling, die immer schon Spaß am Fasching hatte. „Es war eine unvergesslich schöne Zeit, das Zusammensein mit der Garde, das tolle Publikum, das Miteinander innerhalb des Vereins, die ganze Atmosphäre war einfach klasse“, schwärmt die Perfektionistin, die bei den Showtänzen ihrem Mann immer die Schrittfolge leise ins Ohr geflüstert habe. „Nur schöne Erinnerungen“ hat auch Klaus Weiß an den Fasching 1990, den er mit seiner damaligen Frau Katja erlebte. Sie waren das erste erwachsene Prinzenpaar. Weiß gefiel es in der Waldburgia so gut, dass er im Anschluss gleich für sieben Jahre das Amt des Präsidenten der Faschingsgesellschaft übernahm.

Der 52-Jährige, der heute nicht mehr im Fasching aktiv ist, möchte diese Erfahrungen nicht missen. „Man lernt sehr viele interessante Menschen kennen. Man lernt das Sprechen und Auftreten vor großen Menschenmengen. Das ist vor allem für junge Menschen eine tolle Sache. Schließlich kann man das auch im Beruf sehr gut brauchen. Das Selbstbewusstsein wächst.“ Wie er so blieben auch viele andere Prinzen und Prinzessinnen später im Fasching aktiv. Manche machten auch außerhalb von sich Reden. Der Bekannteste ist sicherlich: Kay Rainer, der Prinz von 1999, der heute als Modedesigner erfolgreich ist. Auch Kathrin Aigner, die später als „Miss Waldkraiburg“ die Stadt bei überregionalen Schönheitswettbewerben repräsentierte, hat sicherlich von den Erfahrungen im Fasching profitiert.

Eigentlich sollte Peter Müller im Fasching 1996 mit einer anderen Prinzessin regieren. Sindy Schiller, heute Müller, war davon absolut nicht begeistert. Also übernahmen die Beiden, die Herrschaft gemeinsam. Beide hatten mit Fasching eigentlich nicht viel am Hut. „Aber es war eine tolle Zeit. Wir hatten viel Spaß.“ Und für Sindy, die aus Vilsbiburg kam und niemanden in Waldkraiburg kannte, war der Fasching wie ein Sesam-öffne-Dich. „Ich lernte schnell viele neue Leute kennen und durfte auf einmal sogar mit dem Bürgermeister tanzen.“ Das heißt, wenn sie es rechtzeitig zu den Bällen schafften. Denn der Fasching 1996 versank fast im Schnee. „Wir dachten manchmal, wir kommen nie zu unserem Auftritt.“

Pannen, ach ja, die gab es, jede Menge, in 30 Jahren. Auch den GAU, den jede Faschingsgesellschaft in ihrer Geschichte mindestens einmal durchleiden muss: eine Saison – 2010 – ohne Prinzenpaar und Garde. 2014 hatte die Waldburgia, bei der schon einige Jahre zuvor die Garde wegen Schnulleralarms stark dezimiert war, ein nettes Prinzenpaar. Doch Stephanie und Florian Stephan konnten ihre Show nicht präsentieren. Die Prinzessin war kurz nach der Proklamation schwanger geworden. Prinz Willi Richter setzte 2005 eine Lungenentzündung außer Gefecht. Tim Pollmann kämpfte im Vorjahr wochenlang tapfer gegen eine Grippe an. Klaus Weiß ist der Prinzessin beim Ball aufs Kleid gestiegen. „Es riss. Wir lächelten und tanzten weiter, so als wäre gar nichts gewesen.“

Was bleibt vom Fasching? „Viele tolle Leute, wundervolle Freunde, nette Bekanntschaften“, sagt Fritz Stamp, der zusammen mit seiner Erika 1998 den Prinzenwalzer tanzte. „Wir treffen uns noch heute und reden gerne über die guten alten Zeiten“, zu denen der 56-Jährige auch ein Ritual zum Abschluss der närrischen Tage zählt: die Beerdigung des Faschings, damals noch in der Gaststätte Zappe.

„Meine Frau und ich wurden in einen riesigen Schweinetrog gesteckt. Darin mussten wir ausharren und uns mit sämtlichen Dingen übergießen lassen. Schließlich musste der Trog gefüllt werden. Sie gossen Öl, Eier, Mehl und sonstige klebrige, staubige und flüssige Sachen über uns“, lacht der Waldkraiburger. Bis heute gibt es diesen Brauch. „Aber in der heutigen Zeit kommt das Prinzenpaar sehr milde davon.“

Einige Prinzenpaare wären gar nicht abgeneigt, noch mal für eine Saison das Zepter zu übernehmen. Conny und Josef Reichthalhammer haben es tatsächlich gemacht. 20 Jahre nach ihrem großen Auftritt in Waldkraiburg haben sie sich 2017 in Kraiburg noch mal als Prinzenpaar in den Fasching gestürzt. „Die Spannung war noch genauso da wie beim ersten Mal“, sagt die Prinzessin, die klarstellt: Es bleibt bei der Doppelmonarchie. Ein drittes Mal werden sie den Faschingsthron nicht besteigen: „Jetzt sollen die jungen Leute das machen.“

Morgen ist Faschingszug

Conny und Josef Reichthalhammer waren 1997 auch das erste Faschingsprinzenpaar, das beim großen Faschingszug vom Wagen der Waldburgia grüßte. Seitdem ist der Gaudiwurm einer der Höhepunkte der närrischen Zeit. Am Faschingssamstag ist es wieder so weit. Ab 13.30 Uhr ziehen über 2000 Teilnehmer vom Volkesfestplatz durch die Stadt, vorbei an vielen tausend Schaulustigen. Danach ist Faschingstreiben am Sartrouville- Platz.hg

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