Blinder Bombenalarm auf dem Weg zur Bundespräsidentenwahl

von Redaktion

Vor 50 Jahren Diskussionen um evangelische Schulklassen – Wegen pornografischer Filmvorführungen: Gastwirte angezeigt

Waldkraiburg und die Welt – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Im Fall des Waldkraiburger SPD-Landtagsabgeordneten Josef Ruttmann, der vor 50 Jahren als einziger Delegierter aus dem Landkreis den neuen Bundespräsidenten mitwählen durfte, war das ganz sicher so. Er hat bei dieser Gelegenheit nicht nur die Politprominenz der Partei, Brandt, Wegner oder Schiller getroffen, sondern auch einen Bombenalarm am Flughafen erlebt. Die Zeitung berichtete in der Woche vor 50 Jahren darüber: Ein Anrufer hatte angegeben, in die Düsenmaschine am Münchner Flughafen Riem eine Bombe eingeschmuggelt zu haben. Nach der Durchsuchung der Maschine war klar: Blinder Alarm. Dennoch wollten nicht mehr alle Passagiere mitfliegen.

Das geplante EDV-Rechenzentrum in Waldkraiburg macht Kopfzerbrechen. Denn die Kosten für die beteiligten Firmen sind verhältnismäßig hoch. Für einen Alleingang einer einzelnen Firma dürfte die Datenverarbeitung zu kostspielig werden, schreibt die Zeitung. Allein die monatliche Miete beträgt 20000 bis 30000 Mark, dazu kommen Personal- und Nebenkosten. Trotzdem könnte sich die EDV im Hinblick auf rationelles, schnelles und präzises Arbeiten als rentabel erweisen, mutmaßt die Zeitung.

Um die Bildung von evangelischen Klassen zu ermöglichen, wendet sich die Stadt an die Regierung mit der Bitte, die bereits abgesegnete Schulsprengellösung noch einmal zu korrigieren. Mit einer Zusammenlegung der beiden Volksschulen und der Schulsprengel der Watzlik-Schule (heute: Diesel-Grundschule) und der Eichendorff-Schule (heute die Heimat des Förderzentrums) wäre die Voraussetzung, reine evangelische Klassen zu erreichen. Doch die Elternbeiräte der Waldkraiburger Volksschulen sprechen sich dagegen aus. Sie wollen keine „Mammutschule“ mit 26 Klassen.

13 Männer des CSU-Ortsverbandes um den Vorsitzenden Jochen Fischer spüren bei einer Aktion dunkle Stellen im Stadtgebiet auf. Sie kontrollieren sämtliche Straßen hinsichtlich der Beleuchtung und erarbeiten ein Maßnahmenprogramm: Besonders schlecht kommen der Andreas-Hofer-Weg, der Barbara-Uttmann-Weg, der Gutenbergweg, der Kuhländlerweg, der Raiffeisenweg und die Paul-Becker-Straße weg. Dort findet sich nicht eine Straßenlampe. Kurios: Die Riesengebirgsstraße ist mit Leuchten überbesetzt und so hell ausgeleuchtet, dass es die Anlieger störend empfinden und einige Lampen mit schwarzer Farbe abgedeckt wurden.

Wegen der „Verbreitung unzüchtiger Darstellungen“ erhalten vier Waldkraiburger Gastwirte eine Strafanzeige. Die Wirte hatten nach der Sperrstunde pornografische Filme gezeigt und dafür bei durchschnittlich 20 bis 25 Stammgästen Eintritt kassiert, beziehungsweise gesammelt.

Nach der ersten Saison der neuen Faschingsgesellschaft Bohemia Bavaria ist die Laune gut, die Kasse leer.

Die Jugendbildungsstätte „Haus Sudetenland“ stellt einen Rekord mit über 14300 Übernachtungen im Jahr 1968 auf. Dazu kommen 2700 Übernachtungen auf dem Zeltplatz. Die Besucher kommen aus elf Nationen, darunter Chile, Südafrika, Brasilien, USA und Israel.

Der Schlachthof der Süddeutschen Fleischverwertung GmbH, der auch in Waldkraiburg im Gespräch war, wird in Pfarrkirchen gebaut.

Die Wetten im Vorfeld stehen 60:40 für Verteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU). Doch in der Bundesversammlung setzt sich im dritten Wahlgang sein Kabinettskollege, Bundesjustizminister Gustav Heinemann (SPD), durch. Mit 512:506 Stimmen wird Heinemann zum dritten Präsidenten in der Geschichte der Bundesrepublik gewählt. Die Zeitung schreibt von einem „dramatischen Schauspiel in Berlin“. Und titelt tags darauf: „Linksruck der FDP löst Alarm aus“. Die Liberalen hatten den SPD-Kandidaten unterstützt und nähren damit je nach Zugehörigkeit zu einem der politischen Lager Hoffnungen oder Befürchtungen, nach den Bundestagswahlen im Herbst mit den Sozialdemokraten zu koalieren. hg

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