Ritter aus Leidenschaft

von Redaktion

Das Mittelalter zieht noch heute viele in seinen Bann. Dass jeder ein Ritter sein kann, das zeigt die Kraiburger Ritterschaft – egal ob mit Schwert, Lanze oder Stock. Hier kämpfen Jung und Alt, Männer und Frauen. Besuch bei einem Training der Ritter.

Kraiburg – Mit großer Wucht holt Walter Hartlmeier mit seinem altertümlichen Schwert zum Schlag aus. Sein Rivale hält einen Speer in seiner rechten Hand und versucht, sich gegen den Angriff zu wehren. Die Waffen treffen aufeinander. Es folgt ein Schlag nach dem anderen. Was auf den ersten Blick gefährlich aussieht und dem einen oder anderen gar das Blut in den Adern gefrieren lässt, ist nur Show – das Geheimnis eines richtig guten Schaukampfes.

Der Zuschauer soll das Gefühl haben, vor ihm finde ein echter nervenaufreibender Kampf statt, in dem es um Leben und Tod geht. „Wir sind keine historische Schwertkampftruppe, sondern eine historische Schaukampftruppe. Das ist ein großer Unterschied“, erklärt Walter Hartlmeier, der diesen Verein vor vielen Jahren mit seinem Sohn Sascha gründete. Das Training findet alle 14 Tage in der Turnhalle in Kraiburg statt. Hier treffen sich Liebhaber der mittelalterlichen Kampfkunst.

Alle 14 Tage

in der Turnhalle

Viele Menschen fasziniert das Mittelalter noch heute. Viele denken dabei natürlich auch an tapfere Ritter. Dass jeder einer sein kann, zeigt die Ritterschaft Kraiburg. Der Grundstein für diesen Verein wurde 1997 gelegt, als für das damals aufgeführte Theaterstück „Die letzte Nacht vor der großen Schlacht“ Statisten gesucht wurden. Walter Hartlmeier war sofort davon begeistert, schwang sich auf sein Pferd und spielte einen Krieger in Rüstung. Sein Sohn Sascha trat als Schwertkämpfer auf.

Damals zog diese Veranstaltung mehr als 2500 Besucher pro Aufführung an. „Das war ein riesen Spektakel“, schwärmen die beiden noch heute. Da die ganze Familie im Heimatverein Kraiburg aktiv ist, war schnell klar, dass irgendwann etwas Neues her musste. „Bei dem Theaterstück damals haben wir Blut geleckt. Wir wollten das öfters machen und bei Ritterspielen teilnehmen. Es machte uns allen Spaß, und so war die Idee einer Ritterschaft geboren“, sagt der 78-jährige Hartlmeier.

Etwa ein Jahr lang besuchten Vater und Sohn Seminare im Schwert- und Stockkampf. Sie trainierten hart und eigneten sich viel Wissen zum Thema Mittelalter und Schaukampf an. Nach all diesen Fortbildungen war es endlich so weit: 2003 wurde die Ritterschaft Kraiburg gegründet. Im Laufe der Jahre kamen zusehends mehr Liebhaber dieser Kampfkunst hinzu. „Wir gehen zu Veranstaltungen, aber auch in Kindergärten und Schulen, wo wir Vorträge halten“, erzählt Walter, der wie sein Sohn Sascha Ritter aus Leidenschaft ist. „Natürlich macht das Spaß, aber es steckt auch eine Menge Arbeit dahinter. Das Training ist anspruchsvoll. Wir beginnen mit dem Aufwärmen, machen Stockübungen und trainieren unsere Arme und Gelenke. Die Koordination ist extrem wichtig und vor allem auch die Konzentration“, setzt der Haigerloher fort.

Nach dem Aufwärmen geht es weiter mit Schwertkampf. Im Schaukampf gibt es Grundschläge, die man einstudiert. Diese leiten sich von anderen ab. Bei einer Choreografie hat man einen festen Ablauf, im Schaukampf gibt es keine feste Abfolge. „Die Grundschläge müssen sitzen. Im Kampf hat man diesen Adrenalinkick. Es ist ein tolles Gefühl. Doch bei all dem Spaß und Nervenkitzel muss man sich unter Kontrolle haben. Es dürfen keine Fehler passieren, da es sonst zu Verletzungen kommen kann“, erklärt der 46-jährige Sascha Hartlmeier. Schwer verletzt wurde in all den Jahren noch niemand aus dem Team.

Die Montur eines Kämpfers wiegt zwischen 20 und 30 Kilo. Ein Kampf dauert im Durchschnitt etwa drei Minuten. Die Mitglieder in dieser Tafelrunde sind zwischen 20 und 78 Jahre alt. Unter ihnen sind drei Frauen, die durch ihr Kampfgeschick so manchen männlichen Gegner in den Schatten stellen. Eine von ihnen ist Sabine Schuder.

Die 52-Jährige aus Burghausen trat vor einem Jahr in die Ritterschaft ein. „Wenn man das erste Mal vor jemandem steht und ihn angreifen muss, ist das ein komisches Gefühl. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass ich meinen Gegner verletzen könnte. Die anderen lachten damals, denn sie sind so geschult und fit, dass man ihnen nicht wehtun kann.“ Für Schwertkampf habe sie sich schon immer interessiert und als sie von diesem Verein erfuhr, ging es sofort zum Probetraining.

Dass man bei der Ritterschaft Kraiburg nicht in einem typischen Verein ist, sondern eher in einer fröhlichen großen Familie, spürt man sofort. „Hier hilft jeder mit. Die gute Seele des Vereins ist meine Ehefrau Maria. Sie näht die Kostüme ganz alleine“, sagt Walter Hartlmeier, der sich über neuen Ritterzuwachs sehr freuen würde (siehe Infokasten).

Mit den Rittern trainieren

Jeder, der sich für das Mittelalter und Schaukampf interessiert, ist bei der Kraiburger Ritterschaft richtig. Auch heuer werden die tapferen Ritter wieder bei mittelalterlichen Veranstaltungen auftreten. Dann geht es wieder auf Zeitreise. Wer bei der Kraiburger Ritterschaft mitmachen will, kann am nächsten Samstag, 9. März, von 10 bis 12 Uhr in der Turnhalle Kraiburg beim Probetraining mitmachen. Teilnehmen können alle Interessierten, die zwischen 18 und 55 Jahre alt sind. Weitere Informationen im Internet unter der Adresse kraiburgerritterschaft.dekme

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