Keine Frage, die Ausrede der Woche kommt vom Bürgermeister dieser Stadt. Bei der Meisterschaft der Eisschützen in der Raiffeisen-Arena appellierte Robert Pötzsch an Vereine und Betriebe, sich künftig doch bitteschön noch zahlreicher an diesem Traditionswettstreit zu beteiligen. Damit die Pausen nicht so lange dauern, folglich weniger Weißwürschte gegessen werden könnten, die ach so schwer im Magen liegen, dass mit dem zielgenauen Stockschießen bei seinesgleichen einfach nichts mehr geht…
Ja, Stadtmeister, das wäre ein Titel, den der Bürgermeister gerne noch einmal abräumen würde. Nicht immer nur Pokale spenden. Pokale gewinnen! Das würde ihm gefallen. Ein bescheidener Anfang ist gemacht: Er hat das Silbergeschirr, das heißt den Deckel des Wanderpokals, nach der Siegerehrung kurzerhand geklaut.
Wir wissen nicht, womit der Champion, die Zacherl-Crew von MEDI Kabel, das Utensil wieder ausgelöst hat. Wir tippen aber auf – Spezi? Sollten Produzenten dieses koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks irgendwann einen glaubwürdigen Markenbotschafter suchen, im Waldkraiburger Rathaus würden sie fündig.
Übrigens, das Getränk, das Kommunalpolitikern hilft, klaren Kopf zu bewahren, wird auch Fahrern und Zugbegleitern beim Faschingszug wärmstens empfohlen, und als Alternative all jenen, die im vergangenen Jahr beim närrischen Treiben nicht Alkohol im Blut, sondern Spuren von Blut im Alkohol hatten und sich entsprechend benommen haben. Dann könnte der Gaudiwurm am heutigen Samstag, der große Höhepunkt im Waldkraiburger Fasching, die Gaudi ohne Reue werden. Auf die sich alle freuen, und für die so viele Stunden der Vorbereitung aufgewendet wurden.
Ist das ein schlechter Faschingsscherz? Das mag sich mancher fragen, der in diesen Tagen vom erbitterten Streit um den Waldkraiburger Eishockeynachwuchs gelesen und gehört hat. Der Konflikt fällt nur zufällig in die Faschingswoche. Der Fasching kann nichts dafür.
Die EHC-Führung muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie so spät auf eine verbreitete Unzufriedenheit in Elternkreisen reagiert hat. Sodass sich ein Konkurrenzverein in Stellung bringen konnte. Sie hat – vielleicht noch einmal rechtzeitig – Konsequenzen gezogen. Der Verein, der bislang alleine für das Waldkraiburger Eishockey stand, scheint gestärkt aus der Versammlung am Mittwoch gegangen zu sein. Auch deshalb weil die Stadt sich an den bewährten Partner und dem EHC die Stange hält.
Armin Lorenz und andere Kritiker könnten sich die Neuerungen beim EHC auf ihre Fahnen schreiben. Das genügt ihnen aber nicht. Manche ziehen deshalb Parallelen zur Politik und reden schon vom „Löwen-Brexit“. Ist die Sache wirklich so verfahren? Die Schärfe und die Unversöhnlichkeit, mit der sich die beiden Seiten gegenüber stehen, sind jedenfalls erschreckend. Gegen den neuen Verein spricht die Art und Weise, wie der Ausstieg eingefädelt wurde. Eine fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Seiten ist auf dieser Grundlage eigentlich nicht vorstellbar.
Doch die Kuh muss vom Eis der Raiffeisen-Arena. So schnell wie möglich. Sonst passiert am Ende genau das, was alle vorgeben, unter allen Umständen vermeiden zu wollen: Dass die Kinder und der Eishockeysport unter die Räder kommen.
Wer keinen Fasching mag, aber trotzdem gerne lacht, kann sich in dieser Woche und den nächsten die Komödie „Wie gut ist deine Beziehung?“ im Cinewood anschauen. Mit Julia Koschitz und Friedrich Mücke. Drehbuch: Ralf Westhoff, Regie: Ralf Westhoff, Produzent: Ralf Westhoff. In Waldkraiburg kein Unbekannter, weil er hier aufgewachsen ist.
Ob der neue Film über die Herausforderungen einer langjährigen Partnerschaft wieder fast eine Million Besucher in die Kinos lockt wie „Wir sind die Neuen“, die Erfolgskomödie über den Clash zweier WG-Generationen? Es wäre Westhoff zu wünschen. Auch weil die Botschaft seines Films so beruhigend ist: Zu großes Bemühen, die permanente Selbstoptimierung sind auch nicht die Lösung, nicht in Beziehungen und nicht beim Eisschießen.
Wir sind beim Ausgangspunkt dieser Wochenschau: der Stadtmeisterschaft. Und bei einem, der sie schon gewonnen hat: UWG-Sprecher Frieder Vielsack. Vor einigen Jahren musste Vielsack, der aus dem Badischen zuagroast und deshalb in dieser bayerischsten aller bayerischen Sportarten nicht daheim ist, im Stockschützen-Quartett der Unabhängigen, einspringen. Vermutlich war der Sportreferent ausgefallen. Vielsack kam dazu, sah und siegte. „Ich konnte es nicht verhindern.“
Hans Grundner