„Eure Kinder sind unsere Zukunft“

von Redaktion

EHC will Jugendarbeit nicht kampflos aufgeben und zieht Konsequenz aus Elternkritik

Waldkraiburg – Der EHC Waldkraiburg zieht Konsequenzen aus der Kritik an seiner Nachwuchsarbeit und hat in einer Elternversammlung Veränderungen für die nächste Saison angekündigt: Ein Nachwuchskoordinator soll die Kommunikation zwischen Betreuern, Eltern, Jugendleitern und Präsidium verbessern. Das System der Spielbetriebsumlage wird erneuert: Bislang haben alle Nachwuchsspieler pauschal eine Umlage von 260 Euro im Jahr bezahlt, künftig gibt es eine Staffelung nach Altersstufen: von der U7 (130 Euro) bis zur U15/U20 (je 260 Euro). Drei Väter haben sich nach Angaben des Vereins bereit erklärt, das dadurch entstehende Defizit zu decken.

Entschieden ist damit der Konflikt um die Zukunft des Waldkraiburger Nachwuchseishockeys zwischen dem EHC und dem neu gegründeten EV Wildcats, dessen erklärtes Ziel die Übernahme der Jugendarbeit ist, aber nicht. Armin Lorenz, der die treibende Kraft bei den „Wildkatzen“ ist, aber nicht bei der Versammlung am Mittwochabend anwesend war, will nicht einlenken. Er sei froh, dass sich beim EHC was bewegt, sagte er gestern auf Anfrage. „Wir sind bereit, über eine Kooperation mit dem EHC zu reden.“ Den bisherigen EHC-Nachwuchstrainer Sergej Hatkevitch haben die „Wildcats“ bereits verpflichtet (Siehe auch Stellungnahme im Kasten).

Wie sehr der Krach um die Jugendarbeit die Waldkraiburger Eishockeyszene bewegt, zeigte sich am Mittwoch daran, dass es in der Stadiongaststätte keinen freien Platz mehr gab. Gut und gerne 150 Eltern, Mitglieder, Fans, Spieler drängten sich in der Versammlung, die der EHC-Vorstand kurzfristig angesetzt hatte.

Entgegen den „bösartigen Gerüchten“, die gestreut würden, stellte Zweiter Vorsitzender Horst Pitter klar: Der EHC sei „nicht zahlungsunfähig“. Der Verein spiele mit der Ersten Mannschaft nächste Saison in der Bayernliga, die Zweite Mannschaft in der Bezirksliga oder im Fall des Aufstiegs sogar in der Landesliga. „Das ist die sportliche Perspektive für unsere Kinder.“

Die Kritik an der Nachwuchsarbeit des Vereins wies er zurück: Vor fünf Jahren spielten nach seinen Worten bis zur Altersklasse U13 keine 20 Kinder mehr für den EHC, aktuell seien es 46 Kinder. In der nächsten Saison sei der Spielbetrieb der U9, U11 und U13 gesichert, für die U7 „so gut wie sicher“. Die U15 und die U20 treten in Spielgemeinschaften mit Moosburg an.

„Eure Kinder sind unsere Zukunft“, so Pitter, der mit dem Vorwurf aufräumte, Gelder aus dem Jugendbereich würden in die Erste Mannschaft gesteckt. Die jährlichen Einnahmen im Jugendbereich aus Mitgliedsbeiträgen, Spielbetriebsumlagen, Zuschüssen der Kommunen und sonstigen Spenden summierten sich zuletzt auf 34000 Euro. Dem standen Ausgaben (Trainer, Fahrtkosten, Schiedsrichter, Verbandsabgaben) in Höhe von 64000 Euro gegenüber. Das Defizit werde aus der Verpachtung der Stadiongaststätte und durch Sponsorengelder gedeckt, so Pitter.

In der nächsten Saison will sich der EHC in der Jugendarbeit neu aufstellen: mit einem Nachwuchskoordinator und dem neuen Jugendleiter Jens Borchert. Ein zweiter Jugendleiter wird gesucht. Ein hauptamtlicher Trainer sei für die Saison 2019/20 gesichert, dazu werde ein Trainer vom Nachwuchs von Red Bull München stoßen. Die Namen sollen im April, nach Ende des Spielbetriebs, bekannt gegeben werden.

Mit diesen Plänen hofft der EHC, die Eltern zu überzeugen: „Ich bitte euch, schaut euch das Ganze in Ruhe an, überlegt, wo ihr richtig aufgehoben seid mit euren Kindern.“

Viele Eltern, das wurde an diesem Abend deutlich, sind verunsichert. So wie ein Vater aus Altötting: „Mir ist egal, wo mein Kind Eishockey spielt.“ Nur eins müsse sicher sein: dass es spielen kann! Nicht nur er macht sich Sorgen, dass am Ende keiner der beiden Vereine Jugendmannschaften auf die Beine stellen kann, wenn der Konflikt weitergeht. „Es dürfen nicht Ungereimtheiten und Streitigkeiten auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen werden.“

Wiederholt wurde deshalb an die Konfliktparteien appelliert, sich zusammen zu setzen und eine Einigung zu finden. „Der neue Verein hat gute Ideen, beim EHC war auch Vieles gut“, meinte etwa eine Mutter.

Dazu Pitter: Der EHC sei „nicht Initiator des Ganzen“, sondern am Donnerstag vergangener Woche von der anstehenden Vereinsgründung überrascht worden, „ohne dass jemand mit uns geredet hätte“. Mindestens für 20 Kinder sind bereits Absichtserklärungen unterschrieben, künftig für die „Wildcats“ zu spielen, vermutlich ist diese Zahl sogar höher. Diese Erklärungen seien rechtlich nicht bindend, so der Zweite Vorsitzende. „Entscheidend ist, wo der Spielerpass liegt.“ Und Erster Vorsitzender Wolfgang Klose bekräftigte: „Wir werden unsere Mannschaften auf jeden Fall melden.“

Wildcats halten an ihrem Kurs fest

„Ich bin froh, dass sich beim EHC etwas bewegt“, sagt Armin Lorenz vom neu gegründeten Konkurrenzverein „Wildcats“. Er zweifelt aber gleichzeitig an, dass die vom Vorstand angekündigten neuen Jugendtrainer schon feststehen, und will seinen Kurs fortsetzen. „Uns geht es um einen Kulturwechsel.“ Der Jugendbereich müsse professioneller geführt werden. Lorenz, der früher etwa ein Jahr im EHC-Vorstand mitgearbeitet hatte, glaubt nicht daran, im Verein etwas verändern zu können. „Ich verwende meine Energie nicht, um woanders aufzuräumen.“

Sein Ansatz: „Wir kümmern uns um die Jugendarbeit und entlasten damit den EHC, der sich auf den Seniorenbereich konzentriert.“ Die „Wildcats“ streben nach seinen Worten eine Kooperation an. Darüber will er mit dem EHC verhandeln. Lorenz setzt auf die Unzufriedenheit vieler Eltern. Bei ihnen liege die Entscheidung. „Wenn wir in einer Altersstufe nicht die Mehrheit haben, ziehen wir zurück. Das erwarte ich umgekehrt auch vom EHC.“ Ein Splitten der Mannschaften soll es nicht geben. Weil es nicht mehr Mannschaften werden, erwartet er auch keine Probleme bei der Vergabe von Eiszeiten. Wie die beiden Vereine mit jeweils nur einem Teil der Mannschaften eine bessere Trainingsarbeit finanzieren sollen, diese Frage kann er nicht beantworten.hg

Dem EHC den Rücken gestärkt

Kritik an Armin Lorenz und dem Konkurrenzverein „Wildcats“ übte Schiri-Legende Willi Schimm, dessen Sohn in der U9 spielt. Er hält das Konzept des neuen Vereins nicht für realistisch. Lorenz rede viel von Professionalität, aber professionelles Eishockey sei in Waldkraiburg nicht möglich, so Schimm in einem emotionalen Redebeitrag. Vor allem gehe das nicht mit den niedrigen Spielbetriebsumlagen, die den Wildcats-Mitgliedern versprochen werden. Schimm legte Zahlen von anderen Vereinen von der DEL bis zur Oberliga vor, die zum Teil um ein Vielfaches höher sind. „Mich würde interessieren, wie eine neue Organisation funktionieren soll, wo ich im Konzept immer nur das Wort „geplant“ lese.“ Und er kritisierte den Stil der Auseinandersetzung: Zur ehemaligen Jugendleiterin Birgit Molter, die sich auf die Seite der „Wildcats“ geschlagen hat, bemerkte er: Wenn es Probleme gebe und Unzufriedenheit bei Eltern, dann müsse ein Jugendleiter sie an Vorstand und Trainer weiterleiten.

Bürgermeister Robert Pötzsch bedauerte die „Gründung eines Konkurrenzvereins aus heiterem Himmel. Ich sehe keinen Grund, warum es einen Konkurrenzverein geben muss.“ Pötzsch stellte sich hinter den EHC, der ein „seriöser Partner“ der Stadt sei. „Er hat alle Verträge zu 100 Prozent eingehalten.“ Er hoffe, dass auch die „Wildcats“ bereit seien, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Ich komme als Moderator gerne zu einem Gespräch dazu.“ Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner sieht bei den Eiszeiten ein Gewohnheitsrecht beim EHC. „Es wäre sehr unfair, einem jahrelangen Partner die Grundlage zu entziehen.“

Großen Beifall erntete auch Peter Richter, Mitglied der Meistermannschaften von 2008 und 2016, für seinen Appell: „Setzt euch an einen Tisch, macht‘s die Sachen aus, und dann hoffen wir, dass es in eine gute Richtung geht.“hg

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