Aschau – CSU, AWG, SPD – bisher gab es drei Listen in Aschau. Christian Mayerhofer setzt sich bei den Gemeinderatswahlen 2020 für eine gemeinsame Liste ein. Der AWG-Gemeinderat, der sich erst vor wenigen Wochen gegen eine Kandidatur für den Bürgermeisterposten entschieden hat, hat die Diskussion ins Rollen gebracht. Auch aus praktischen Gründen, wie er sagt. „Den Gruppen gehen die Leute aus, die für den Gemeinderat kandidieren. Das ist wie bei den Vereinsvorständen.“
Besonders schwer tue sich die SPD, eine Liste auf die Beine zu stellen. Noch wichtiger ist es Mayerhofer allerdings, deutlich zu machen, dass es bei der Kommunalwahl um eine reine Persönlichkeitswahl geht. „Da ist egal, ob CSU, AWG oder SPD dahinter steht.“ Er ist überzeugt: Die neue Amtsperiode des Gemeinderats würde viel entspannter, ziel- und sachorientierter beginnen als beim letzten Mal.
Bei einer Versammlung der AWG (Bericht folgt) hat Mayerhofer für seinen Vorschlag noch keine Mehrheit bekommen. Doch aufgeben will er deshalb nicht. Er sieht viele Unterstützer in der AWG ebenso wie in den anderen Parteien.
SPD-Ortsvorsitzender Martin Höpfinger und Zweiter Bürgermeister Manfred Römer tragen den Vorschlag mit. Höpfinger: „Es zählt das Wohl der Gemeinde, nicht die Parteizugehörigkeit.“ Im Gemeinderat werde doch eh nicht parteipolitisch, sondern quer durch die Fraktionen entschieden, so Römer. „Warum also nicht einfach eine gemeinsame Liste, auf der nur Leute stehen, die wirklich kandidieren wollen?“ Römer, der aus Altersgründen selbst nicht mehr kandidiert, hat schon Vorschläge für einen Verteilungsschlüssel für die 32 Listenplätze: 12 CSU – 12 AWG – 8 SPD oder 13 CSU – 13 AWG – 6 SPD könnte er sich vorstellen.
Das geht Gemeinderat Thomas Wintersteiger zu schnell. Auch der CSU-Ortsvorsitzende ist aber offen für Gespräche über eine gemeinsame Liste. Für ihn steht jedoch im Mittelpunkt die Besetzung des Bürgermeisteramtes. „Das Wichtigste ist, dass wir einen guten Bürgermeisterkandidaten haben, der etwas bewegen kann.“ Nicht die Beliebtheit, die Qualifikation sei entscheidend, „egal welche politische Farbe“. Aus Sicht Wintersteigers ist eine einheitliche Liste nur sinnvoll, wenn es gelingt, sich auch auf einen Bürgermeisterkandidaten zu einigen (siehe Infokasten).
Wintersteiger betont, dass dies seine persönliche Ansicht sei. Ein Votum des Ortsverbands zu einer Gemeinschaftsliste gibt es noch nicht. Wichtig sei ihm auch, so der Vorsitzende, dass der CSU-Ortsverband weiter erkennbar bleibe. „Mir ist die CSU wichtig. Bayern fährt gut mit ihr.“
Wie Wintersteiger sieht auch AWG-Sprecher Günther Manz noch viele offene Fragen, etwa was die Zahl und die Reihenfolge der Kandidaten der einzelnen Gruppen angeht. Manz steht hinter einer gemeinsamen Liste. „Das war schon immer meine Intention. Es wäre ein Traum.“
Auch Manz sieht im Gemeinderat mittlerweile gute Voraussetzungen dafür. Ein Parteidenken wie früher gebe es nicht mehr. Mit Wintersteiger und einigen anderen Jungen sei eine neue Stimmung eingezogen. Trotzdem ist er skeptisch: „Ich fürchte, wir bringen es nicht durch.“ Manz weiß, dass es sowohl bei seiner AWG wie bei der CSU vor Ort „Gegner und Befürworter“ gibt. Das entscheidende Hindernis sieht er aber nicht in Aschau, sondern bei der CSU, „von oben her“. Die Partei werde es nicht zulassen, dass der Ortsverband diesen Weg geht, sondern auf Selbstständigkeit und Profilwahrung beharren.
Die Meinung Wintersteigers, dass eine gemeinsame Liste für den Gemeinderat auch einen gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten voraussetzt, teilt Manz im Übrigen nicht. Eine einheitliche Gemeinderatsliste und zwei Bürgermeisterkandidaten – das wäre „ein ganz normaler demokratischer Vorgang“. Auch die AWG ist nach seinen Worten mit einem Kandidaten im Gespräch, kann aber noch keinen Vollzug melden.