„Gescheitert? Einmal? Klar!“

von Redaktion

Zur Fastenzeit: Vom inneren Schweinhund und der Freiheit im Kopf

Unterreit – Gestern hat die Fastenzeit begonnen, in der römisch-katholischen Kirche auch die österliche Bußzeit zur Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. Wir haben Schwester Ruth Maria Stamborski vom Kloster St.Theresia in Unterreit gefragt, auf was sie verzichten kann, wie ihre Erfahrungen mit dem Fasten sind und ob sie beim Fasten auch schon einmal gescheiterte ist.

„Der Verzicht auf Schokolade gehört eigentlich in jedem Jahr selbstverständlich dazu. Wir Schwestern haben uns in diesem Jahr wieder darauf verständigt, Zeiten des Schweigens, der Stille zu pflegen – entgegen aller permanenten Berieselung und allem Gerede. Für mich persönlich, möchte ich in diesem Jahr auf die negativen Gedanken und Urteile verzichten, die innerlich ja so schnell da sind. Diese schnellen inneren Bewertungen, die automatisch da sind: „Gefällt mir nicht! Nervt mich! Ich würde es anders machen – wie kann die nur!“ Davon will ich freier werden – wertfreier und großzügiger, weil das Leben bunt und vielfältig ist und mein Maßstab, mein Denken, Fühlen und Planen nur einseitig ist.

Gescheitert? Einmal? Klar, schon öfter. Ich habe auch schon oft das Gefühl gehabt, an keinem anderen Tag im Jahr so viel Hunger zu verspüren, wie am Aschermittwoch oder am Karfreitag.

Die sechs Wochen sind ja auch eine lange Zeit. Entscheidend ist für mich, dran zu bleiben: Wenn ich zwischendurch meinen Vorsatz nicht durchhalte, fang ich am nächsten Tag wieder an. Es geht ja in erster Linie nicht darum, mir und anderen was zu beweisen, eine Leistung zu erfüllen. Ich verzichte auf etwas, um aufmerksamer zu sein für Anderes, um mehr Zeit zu haben. Ich habe sehr wertvolle Erfahrungen gemacht beim Heilfasten, was ich einige Jahre gemeinsam mit einer Gruppe in der Pfarrei tat. Das Gespür für den Körper ist ein ganz anderes. Man kommt sich selber auf die Schliche, merkt, wie oft man einfach irgendwas gedankenlos zu sich nimmt. Der erste Apfel danach schmeckt total klasse, überhaupt schmeckt und fühlt man viel intensiver. Außerdem hilft mir das gemeinsame Unterwegssein. Mit anderen die Mühe und den ,Erfolg‘ zu teilen macht’s mir leichter. Da bin ich froh, um unsere gemeinsamen Vorsätze im Haus und um unsere Veranstaltungen zur Fastenzeit an drei Abenden mit der Überschrift: ,Maßvoll leben – maßlos lieben‘.“