Sieben Wochen ohne Aufzug

von Redaktion

Noch immer ist der Fahrstuhl in der Wohnanlage in der Prager Straße 6 kaputt, noch immer müssen die Bewohner die Treppe nehmen. Unterstützung von der Hausverwaltung hat bislang kein Mieter bekommen. Aber nächste Woche soll der Fahrstuhl repariert werden.

Waldkraiburg – 41 Stufen sind es bis zur Wohnung von Ursula Kaminski. Die 78-Jährige wohnt im zweiten Stock in der Anlage in der Prager Straße. Sie ist gehbehindert und auf einen funktionierenden Fahrstuhl im Haus angewiesen. Doch seit 18. Januar ist er außer Betrieb. Nach der Berichterstattung ist sie eine von zwei weiteren Mietern in der Prager Straße, die sich bei der Heimatzeitung gemeldet hat. „Die eigenen vier Wände sind wie ein Gefängnis“, sagt sie. Nur mit Hilfe habe sie in den vergangenen Wochen die Wohnung verlassen können, von einem Bekannten musste sie sich die Einkäufe hochtragen lassen. „Aber ich kann nicht immer verlangen, dass jemand meine schweren Taschen trägt.“ Ihr Kühlschrank sei deshalb fast leer.

In einem ersten Schritt hatte die Hausverwaltung allen Mietern eine Mietminderung eingeräumt. Das ist auch passiert. Doch eine Einkaufshilfe, wie die Adler Wohnen Service GmbH zugesagt hat, habe Ursula Kaminski noch nicht gesehen. Ein Kasten Wasser vor der Haustür? Fehlanzeige.

Nicht nur, dass der Lift kaputt ist. Ihre Klingel am Hauseingang funktioniert nicht, der Kabelanschluss fürs Fernsehen ebenfalls nicht. Außerdem ist die Müllklappe schon länger außer Betrieb genommen. Ein Aufkleber weist darauf hin. Mehrmals versuchte sie, mit der Hausverwaltung Kontakt aufzunehmen – telefonisch und schriftlich. Eine Antwort auf ihre Schreiben hat sie bislang nicht bekommen. „Was hab‘ ich gesündigt, dass ich in so einer Wohnung sitzen muss?“, hadert sie mit ihrer Situation. Als sie vor knapp einem Jahr in der Prager Straße eingezogen ist, war die Wohnung perfekt für sie: Die gute Lage in der Stadtmitte, Arzt und Apotheke in Reichweite. „Doch was nützt mir das jetzt ohne Aufzug?“

Auch Christine Hylla kennt die Mängel am Mietshaus. „Es wird kaum noch was gemacht.“ Die Klingel für ihre Wohnung am Hauseingang funktioniere nicht immer zuverlässig, die Müllklappe sei wegen Ungeziefers außer Betrieb genommen worden. Stattdessen nehmen ihre Nachbarn den Müll mit runter, seitdem der Lift stillgelegt ist.

Das war vor sieben Wochen. In einer ersten Stellungnahme hatte die Hausverwaltung gesagt, dass es für den Aufzug keine Ersatzteile mehr gebe, und er deshalb ausgewechselt werden müsse. Erneut mit den Vorwürfen der Mieter konfrontiert, teilt deren Vertreter Rolf-Dieter Grass nun mit, dass man sich in den vergangenen Tagen darauf konzentriert habe, eine Lösung für den Fahrstuhl zu finden. Das soll mittlerweile gelungen sein.

„Nach erneuter technischer Überprüfung hat sich herausgestellt, dass eine Reparatur möglich ist. Sie soll voraussichtlich bis Ende der Woche durchgeführt werden“, schreibt er. Die Hausverwaltung gehe daher davon aus, dass die Mieter ab nächster Woche den Fahrstuhl wieder benützen können.

Auch für die anderen Mängel verspricht er Abhilfe: „Wenn der Fahrstuhl wieder läuft, werden wir uns umgehend um die Beseitigung der anderen Mängel kümmern, die uns mitgeteilt worden sind. Zum Teil ist das bereits auch schon geschehen, nur stehen nicht alle benötigten Handwerker immer auch sofort zur Verfügung.“ Die Hausverwaltung nehme die Pflichten als Vermieter ernst, aber manche Reparaturen würden ganz einfach Zeit brauchen.

Wieso der Aufzug entgegen einer ersten Aussage doch repariert werden kann, konnte Grass nicht sagen. Den Mietern wird‘s egal sein, solange ab nächster Woche der Fahrstuhl sie wieder hoch und runter bringt.

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