Gars – Bis auf den letzten Platz besetzt war der Mittergarser Dorfsaal beim Starkbierfest der Räuberschützen. Üppige Brotzeiten verkürzten bei Bockbier vom Holzfass die Wartezeit bis zur Fastenpredigt: Irmi Hinmüller als Mama Bavaria und Harald Bauernschmid als Bruder Barnabas hielten der bayerischen und kommunalen Politik charmant den Spiegel vor.
Zunächst ging’s beiden Predigern in ihrem Dialog um den Datenschutz: Namen würden jetzt fallen, Namen, die man dann auch in der Zeitung und im Internet wiederfinden könne. Dies setze das Einverständnis der anwesenden Gäste voraus, alternativ könne man ein dreiseitiges Formular ausfüllen und anschließend auswerten. Aber knapp zwei Stunden würde sich die Predigt dann verzögern. Dies sei die Mittergarser Antwort auf die Datenschutzgrundverordnung, Bürokratie brauche halt Zeit.
Zu befürchten wäre auch, dass beim bevorstehenden Neubau der Schützen ein Archäologe die Baugrube inspizieren könnte. „Findet der Archäologe alte Kelche oder ein paar Gebeine, ist es erst mal vorbei mit der Graberei“, schließlich werde auf dem Gelände der ehemaligen Kirche von Mittergars gebaut.
Ein „kindischer“ Horst Seehofer der, „wenn sie (Angela Merkel) nicht will wie er wolle, geht oder doch bleibt“ leitete über zu „Kim Jong“ Söder, alias Markus Söder. Die „Bavaria one“ zeige, positioniert auf einem Bild mit Raketen, deutliche Ähnlichkeiten zum nordkoreanischen Machthaber.
Nach weiteren Ausflügen in die Bundespolitik wandte sich die Predigt den wirklich ernsten Themen des vergangenen Jahres zu.
Große Sorge hatte Mama Bavaria um den Ersten Bürgermeister der Gemeinde, der nach dem Starkbierfest immer kränklich sei.
Bruder Barnabas übte deutliche Kritik am viel zu dünnen Radler bei der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde im letzten Jahr.
Viel Lob erntete indes die Landjugend für die „perfekt aufgezogene Faschingsparty“, einige Blessuren von Mittergarsern wurden genauer betrachtet und so stellte man zum Beispiel beim Trautbeck Martin die Diagnose „Unterbier, sonst wäre er nach der Theaterprobe nicht so blöd gefallen, dass er am nächsten Tag sogar einen Arzt aufsuchen musste“. Die Mittergarser Feuerwehr sei bekannt dafür, immer mal was zu vergessen. Dass diese aber die eigene Fahne zusammen mit der Fahne der Schützen im vergangenen Jahr an Fronleichnam in der Kirche vergessen hat und zu Mariä Himmelfahrt die Mesnerin beide mit Krautbischl verkaufen wollte, das habe es noch nie gegeben.
Klopfersingen, Kickerturnier, Fußballturnier, Neuwahlen und vieles mehr stelle die Landjugend Mittergars – „die Betonung liegt auf Mittergars“ – auf die Beine. Das OVB kürze und kürze „und so wurde aus der Landjugend Mittergars kurzerhand der KLJB Gars und von der Zeitung mit den Lorbeeren bedacht“, stellte Bruder Barnabas fest. „Na ja, die einen haben die Arbeit und die anderen das Lob, so ist es halt und so wird’s wohl auch bleiben“, beruhigte Mama Bavaria.
Alle in der Predigt genannten Personen und Vereine konnten herzhaft über die eigenen und die Missgeschicke anderer lachen, unter die Gürtellinie ging es eh nicht und so soll es sein beim Starkbierfest.